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Book-Tok: Welche Bücher lohnen sich wirklich?

Book-Tok: Welche Bücher lohnen sich wirklich?
Foto: Unsplash/Seven Shooter

Nicht nur Tänze und Challenges, sondern auch Bücher gehen auf Tiktok viral. MADS-Autorin Marie hat gecheckt, welche Book-Tok-Werke den Hype verdienen – und welche nicht.


Hollywood-Glamour trifft Gesellschaftspolitik

​„Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid ist zwar schon 2017 erschienen. Dank Book-Tok hat es der Roman aber 2021 erneut auf die Bestselling-Listen geschafft. Die Handlung dreht sich um Hollywoodstar Evelyn Hugo, die eine unbekannte Journalistin auswählt, um mit ihr die Geheimnisse und Geschichten ihres Lebens aufzudecken. In ihrem luxuriösen Apartment erzählt Evelyn von Jahrzehnten ihres faszinierenden Lebens (einschließlich ihrer sieben Ehemänner), von Freundschaft und von großer Liebe. Das Buch punktet durch Reids Schreibstil, verschiedene Erzählstränge, alten Hollywood-Glamour und komplexe Charaktere – und lohnt sich deshalb in jeder Hinsicht. Noch dazu behandelt es Themen wie Rassismus, Sexualität, Frauenfeindlichkeit und den Zwang, sich den gesellschaftlichen Normen anzupassen – während Reid Leserinnen und Leser immer weiter in die Welt der beiden Frauen zieht.

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Affäre ohne besonderen Reiz

​Sally Rooney ist nicht nur ihren Fans ein Begriff. Die junge Autorin ist zum Star der Literaturszene geworden und damit auch in der entsprechenden Tiktok-Bubble beliebt. Bekannt ist vor allem ihr 2018 erschienener Roman „Gespräche mit Freunden“. Er handelt von den in Dublin lebenden Studentinnen Frances und Bobbi, die sich mit dem älteren Ehepaar Melissa und Nick anfreunden. Die Geschichte dreht sich um die Affäre zwischen Frances und Nick. Wechselhafte Beziehungen, lange E-Mails und elegante Dinnerpartys stehen im Vordergrund. Zwar kann Rooney ihren sicheren Schreibstil besonders in Dialogen und Beschreibungen beweisen. Allerdings sind die meisten Charaktere – allen voran Frances – unsympathisch geraten, ihr Handeln ist schwer nachzuvollziehen. Zudem entwickeln sie sich kaum weiter, sodass das Buch vor sich hindümpelt und man jederzeit aufhören könnte zu lesen.

@portable_magic

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♬ the mega mashup – alex🐛

Ein Book-Tok-Favorit: Heldensaga neu erzählt

​Das wohl bekannteste Book-Tok-Buch ist der 2011 veröffentlichte Roman „Das Lied des Achill“ von Madeline Miller. Die Handlung spielt im griechischen Heldenzeitalter und ist eine Adaption der „Ilias“ von Homer, die aus der Sicht von Patroklos erzählt wird. Miller zeichnet die Beziehung zwischen Patroklos und Achill von ihrer ersten Begegnung bis zu ihren Heldentaten nach, mitten im Geschehen des Trojanischen Krieges. Den Schwerpunkt legt die Autorin auf die Liebesbeziehung der beiden. Sie bleibt griechischen Legenden und Sagen treu, gibt dem Geschehen mit den interessanten Charakteren, poetischer Erzählweise und niederschmetterndem Ende aber eine neue Dimension. Damit stehen menschliche Aspekte des Trojanischen Krieges im Vordergrund. „Das Lied des Achill“ ist lesenswert – aufgrund des immensen Hypes möglicherweise jedoch für manche Bücherfans auch eine Enttäuschung. 

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Die Probleme der Privilegierten

​Auch „Solange wir lügen“ ist bereits vor einigen Jahren erschienen, nämlich 2014. E. Lockharts Roman eroberte im vergangenen Jahr dennoch die „For You“-Page vieler Bücherfans auf Tiktok – zu Unrecht. Im Mittelpunkt steht die Familie Sinclair, die jeden Sommer auf ihrer Privatinsel verbringt. Dort ist Protagonistin Cadence vor zwei Jahren etwas zugestoßen. Sie hat ihre Erinnerungen verloren und versucht nun als 17-Jährige, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Es fällt schwer, der Protagonistin  Empathie entgegenzubringen – sie ist wohlhabend, privilegiert und ignorant. Hinzu kommt ein gewöhnungsbedürftiger Schreibstil, extrem überdramatisch, abgehackt und unterbrochen von plumpen Metaphern in Märchenform. „Solange wir lügen“ fühlt sich an wie eine zufällige Geschichte über ein reiches, weißes Mädchen und ihre Probleme ohne tieferen Sinn. Der Plottwist am Ende ist nur ein schwacher Trost.

Der letzte Tag

​Ein Anruf um Mitternacht. Von jetzt an bleiben ihnen weniger als 24 Stunden zu leben. Der Jugendroman „Am Ende sterben wir sowieso“ von Adam Silvera aus dem Jahr 2017 berichtet von zwei Teenagern, Mateo und Rufus. Beide erfahren, dass sie nur noch einen Tag zu leben haben. Sie lernen sich über eine App kennen und verbringen ihren letzten gemeinsamen Tag zusammen. Obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten – Mateo ist ein ängstlicher Junge, der die meiste Zeit in seinem Zimmer verbracht hat, Rufus flieht an seinem letzten Tag vor der Polizei –, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Auch wenn der Titel das Ende schon verrät, ist es doch herzzerreißend. Schließlich mag man die Hoffnung nicht aufgeben, die beiden Protagonisten könnten doch überleben. Silvera gelingt die richtige Balance zwischen Tiefgang und Komik – damit wird er dem Book-Tok-Hype gerecht.



Über den Autor/die Autorin:

Marie Bruschek

Marie (18) ist Schülerin in der Oberstufe. Wenn sie nicht gerade schlechte Wortwitze macht oder sich zum zehnten Mal Friends anguckt, schreibt sie für MADS über Politik, Feminismus und Social Media.

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