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Berufsschullehrer aus Rostock: „Das Bildungsniveau ist erschreckend niedrig“

Berufsschullehrer aus Rostock: „Das Bildungsniveau ist erschreckend niedrig“
Foto: Klaus Amberger

Detlef Banse geht mit 68 in den Ruhestand. Im Interview sagt der 68-Jährige, was in der Bildung schief läuft.

Detlef Banse hat eine kräftige Stimme. Muss er haben. Als Berufsschullehrer, der Sport und Deutsch unterrichtet. In Rostock hat er es an der Beruflichen Schule Technik mit jungen Erwachsenen zu tun: zum Beispiel mit angehende Fliesenlegern, Maurern oder Dachdeckern.

Nun geht der 68-Jährige und gebürtige Magdeburger, der seit 1986 an der Warnow lebt – zwischendurch auch mal zwei Jahre Vereinssportlehrer in Celle bei Hannover war und auch im Strafvollzug als Lehrer gearbeitet hat – in den Ruhestand.

Sie hätten schon vor drei Jahren dem Schulbetrieb Adieu sagen können.

Ich fühlte mich geistig und körperlich in der Lage, länger zu arbeiten. Und ich wollte unbedingt zwei Klassen bis zum Ende ihrer Lehrzeit führen – das lag mir sehr am Herzen. Außerdem habe ich den persönlichen Anspruch, nicht zu verblöden.

Aber Sie gehen jetzt ja doch.

Das stimmt, aber ich bleibe weiterhin noch Lehrer. Allerdings nur Schwimmlehrer für Kinder und Jugendliche im Rahmen des Schwimmunterrichtes an Schulen. Ich bringe schon längere Zeit dem Nachwuchs das Schwimmen bei.

Jüngeres Personal fehlt

Gibt es Probleme an Berufsschulen, die schnell gelöst werden sollten?

Es gibt zu wenig jüngeres Personal. Die Berufsschullehrer sind, wie man so unfreundlich sagt, überaltert – es fehlt an frischen Kräften. Und es gibt zu oft viel zu große Klassen. Das ist alles andere als optimal.

Wie könnte das jetzt geändert werden?

Es wäre wichtig, dass sich das Bildungsministerium intensiver als bislang mit den Berufsschulen beschäftigt. Vor allem muss es die Kooperation mit den Firmen und Ausbildungsbetrieben suchen. Damit Theorie und Praxis in das richtige Verhältnis kommen. Denn derzeit läuft diesbezüglich nicht alles rund.

Allgemeinbildung auf dem Tiefstand

Sie waren vier Jahrzehnte Lehrer. Wie schätzen sie den derzeitigen Bildungsstand junger Leute ein?

Mein persönlicher Befund als Berufsschullehrer ist: Das Niveau der Bildung ist teilweise erschreckend niedrig. Die Allgemeinbildung ist auf einem Tiefstand. Im Deutschunterricht merke ich beispielsweise, wie fremd einigen unsere deutsche Sprache ist. Auch bei den Werten wie Disziplin, Höflichkeit, Engagement und so weiter gibt es noch Luft nach oben.

Würden Sie wieder Lehrer werden wollen?

Ja, immer wieder. Und immer wieder gern. Weil der Umgang mit jungen Leuten stets eine wertvolle Herausforderung für mich ist.

Was sagen Sie als Sportlehrer, wie es mit der Sportlichkeit der jungen Erwachsenen bestellt ist?

Der Leistungsstand ist deutlich schlechter geworden im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten. Es gibt viele übergewichtige Jugendliche und viele haben massive Koordinationsschwierigkeiten im Sportunterricht.

Wir sind eine Leistungsgesellschaft

Was müsste passieren an den Berufsschulen?

Die Anforderungen der Schülerleistungen müssen wieder an gesellschaftliche Erfordernisse angepasst werden. Schließlich sind wir eine Leistungsgesellschaft. Stattdessen werden Pläne und Vorgaben an das sinkende Schülerniveau angepasst.

Manch einer könnte auf die Idee kommen, dass Sie das zu negativ sehen.

Ich denke mir das nicht aus, sondern spreche seit Langem auch mit vielen anderen Lehr- und Fachkräften, nicht nur von meiner Schule.

Schmeißen Sie eine Abschiedsparty?

Ich mache da kein großes Ding draus. Ich setze mich mit meinen Kollegen zusammen, denen ich allen dankbar für die Jahre der intensiven Zusammenarbeit bin.

Wie haben Sie Ihre Schüler immer begrüßt?

Moin, Moin!

Von Klaus Amberger

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