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Bier und Wein erst ab 18? Das sagt eine Suchtberaterin

Bier und Wein erst ab 18? Das sagt eine Suchtberaterin
Foto:  Maike Glöckner

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat vorgeschlagen, die Altersgrenze für Alkohol auf 18 Jahre zu erhöhen. Wie sinnvoll wäre das? Eine Suchtberaterin gibt ihre Einschätzung ab.


Ist es für Jugendliche in Deutschland zu einfach, an Alkohol zu kommen? Das sagt zumindest Burkhard Blienert, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung. „Für mich sprechen viele medizinische Argumente dafür, das Erwerbsalter für Bier, Wein und Schaumwein auf 18 Jahre zu erhöhen“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Welt“ in einem Interview.

Was Blienert ebenfalls abschaffen möchte, ist das sogenannte „begleitete Trinken“. Demnach dürfen Jugendliche bereits ab 14 Jahren Bier, Wein oder Schaumwein trinken, wenn eine erziehungsberechtigte Person dabei ist und das erlaubt.

Aber wie groß ist das Problem mit jugendlichem Alkoholkonsum wirklich? Und was würde ein Verbot nutzen? Darüber haben wir mit Diana Fiedler gesprochen. Sie leitet die Drogenberatungsstelle Drobs in Hannover.

Alkohol kann körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen

„Alkohol ist eine Gesellschaftsdroge mit hoher Akzeptanz“, sagt Fiedler. Deshalb werde Alkoholkonsum auch von Jugendlichen als „normal“ betrachtet. Und das könne zu Problemen führen: Bei dauerhaft erhöhtem Konsum und Rauschtrinken könne die körperliche und geistliche Entwicklung, insbesondere die Gehirnentwicklung negativ beeinträchtigt werden, sagt die Expertin. „Je früher Alkohol konsumiert wird, desto größer sind die Auswirkungen auf die Hirnreifung“.

Foto: Drobs Hannover

Zudem begünstige das frühe Trinken die Entstehung späterer Suchterkrankungen. Eine besondere Gefahr bestehe, wenn Alkohol aufgrund von schwierigen Lebenslagen in Massen konsumiert werde. Denn dann steige die Gefahr, abhängig zu werden.

Insgesamt sei der Alkoholkonsum bei Jugendlichen aber rückläufig, sagt Fiedler. Zumindest in Hannover sei auch die Zahl Jugendlicher zurückgegangen, die nach starkem Alkoholkonsum ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Teurerer Alkohol statt Verbote

Fiedler setzt in der Drogenprävention vor allem auf Aufklärung. Dabei hätten die Erziehungsberechtigten eine Vorbildfunktion, „Um eine gute Aufklärung leisten zu können, ist es wichtig, im Austausch mit Jugendgruppen zu sein, um dann auf mögliche Gefahren aufmerksam machen zu können“, sagt Fiedler. Ihre Erfahrung aus der Präventionsarbeit sei, dass die Jugendlichen häufig gut über die Gefahren von Alkoholkonsum aufgeklärt seien.

Generelle Verbote oder neue Altersgrenzen hält Fiedler für wenig hilfreich in der Präventionsarbeit. Ein Konsumverbot könne sogar zu einer wachsenden Neugierde bei Jugendlichen führen, sagt sie. Das Bedürfnis nach Rausch sei ein menschliches Verlangen. Außerdem sei es jugendtypisches Verhalten, Grenzen auszutesten, auch mithilfe von Substanzen.

Um den Alkoholkonsum von Jugendlichen zu ändern, müsse deshalb anders vorgegangen werden „Zum einen müssen alkoholische Getränke teurer werden, die Steuern darauf sollten also erhöht werden. Zum anderen begrüßen wir ein Werbeverbot für Alkohol“, sagt Fiedler.

von Svenja Wietzke


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Über den Autor/die Autorin:

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