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Während Corona: Ein Abschluss ohne Abschied

Während Corona: Ein Abschluss ohne Abschied
Foto: Privat/ Unsplash

Tausende Jugendliche müssen in diesem Jahr ihre Schullaufbahn wegen Corona ohne Abibälle oder Zeremonien beenden. MADS hat zu ihrem Schulabschluss mit Schülern aus ganz Deutschland gesprochen.

Mir fehlt das
Gemeinschaftsgefühl.
Die meisten sehe ich
nur auf dem Flur.
Smilla (15),
Realschülerin

Partys feiern, einen Schulstreich planen, gemeinsam für die Prüfungen pauken und am Ende auf einer kleinen Bühne sein Zeugnis entgegennehmen: Was bisher zu den Traditionen vieler Abschlussjahrgänge zählte, ist in diesem Jahr undenkbar. Stattdessen verbringen Schüler und Azubis ihre letzten Schultage alleine, was für viele eine große Belastung ist. Das empfindet auch Thea. „Mein Jahrgang hatte keinen tollen letzten Schultag und wir werden wohl auch keinen Abiball feiern“, sagt die Schülerin. „Wir können mit der Schulzeit nicht richtig abschließen.“

Acht Jahre lang hat Thea mit einigen ihrer Mitschüler verbracht. Gemeinsam haben sie sich von Fünftklässlern zu jungen Erwachsenen entwickelt, die nun bald ganz unterschiedliche Lebensziele verfolgen. „Mit meinen Mitschülern habe ich die Hochs und Tiefs der Schulzeit durchlebt“, erklärt Thea. „Selbst, wenn ich nicht mit allen super eng befreundet war, ist der Gedanke ziemlich traurig, dass sie nun alle plötzlich aus meinem Leben verschwinden. Wir haben nicht die Möglichkeit uns Tschüss zu sagen.“

Es sind besonders die letzten Umarmungen und das gemeinsame Freiheitsgefühl nach dem Abitur, die der Schülerin fehlen. Klar, sagt sie, andere hätten gerade mit schwierigeren Problemen zu kämpfen. Und doch ist sie traurig über die verlorene Abschlusszeit in der Schule.

Nie wieder normaler Unterricht

Es war schwierig,
ohne Kontakt die
Vorbereitung aufs Abi
zu erledigen. Die
Motivation fehlte mir.
Mika (20),
Abiturient

Auch für Joscha (18) fühlt sich der Abschlussjahrgang 2020 komisch an. „Meine Abiprüfungen wurden so verschoben, dass ich innerhalb von zwei Wochen quasi alle Klausuren habe machen müssen – in Physik sogar zwei“, erzählt er. Jahrelang fieberten er und seine Mitschüler auf diesen großen Lebensabschnitt hin. Dann wurden die Schulen geschlossen. Das nächste Mal, dass Joscha die Schule betrat, war zu seinen Prüfungen.

Normalen Unterricht gab es nicht. Es wird ihn auch nicht mehr geben. Dass es Joscha auch emotional so trifft, dass er seine Schulzeit nicht richtig abschließen kann, hätte er nicht gedacht. „Ich habe das alles unterschätzt und dachte, nach ein paar Wochen gäbe es wieder Unterricht. Vielleicht trifft sich meine Klasse jetzt in der Aula, wir bekommen unsere Zeugnisse und das war’s dann“, sagt Joscha. Seinen Abschied von Mitschülern und Lehrern hätte er sich natürlich anders gewünscht. „Im Nachhinein hätte ich jetzt gerne noch mal eine Woche Schule. Eine Woche, in der wir uns alle sehen, ganz normal Unterricht haben. Das würde ich richtig genießen“, sagt der Abiturient.

Das geht auch Thea so: „Es war ganz komisch zu realisieren, dass jetzt plötzlich der letzte Schultag ist.“ Sie und ihre Mitschüler hatten lange für ihre letzten Tage viel vorbereitet und organisiert: Für die Mottowoche hatte Thea mit einer Freundin schon ein gemeinsames Outfit ausgesucht. Als Avocadokern und Avocadofleisch wollten sie gehen. Ihr grünes Kostüm hängt noch in Theas Schrank.

Schulabschluss 2020: „Wir wollen kein Geister-Corona-Jahrgang sein, an den sich niemand erinnert.“

Abiturientin Thea (18)

Ihr Jahrgang bedauert aber nicht nur das fehlende Event, die Feiern und die Ausgelassenheit: „Wir wollen kein Geister-Corona-Jahrgang sein, an den sich niemand erinnert“, sagt Thea. Joscha allerdings glaubt, dass alle Schüler und Azubis aus diesem Jahr alleine wegen der Umstände ein besonderer Jahrgang sind. „Wahrscheinlich kann ich das meinen Enkeln mal als besonders krasse Geschichte erzählen“, sagt der 18-Jährige und muss ein bisschen lachen. Damals, als es fast keine Abiprüfungen gegeben hat. Als plötzlich alles anders war.

Weder Abistreich noch Partys zum Schulabschluss

Auch der Abistreich fällt aus – das traditionelle Wetteifern um den lustigsten Streich, den ein Jahrgang gemeinsam organisiert. Wer hier etwas besonders Witziges macht, wird zur Legende, so das heimliche Versprechen auf den Schulfluren. Über die einfallsreichsten Streiche tuscheln noch Jahre später die Jüngsten in den Pausen.

Immerhin einen kleinen Lichtblick gibt es für die Abschlussjahrgänge aber: Das Abibuch und Motto-Pullis können die meisten Jahr gänge trotzdem drucken. „Vielleicht müssen wir die Bücher aber per Post verteilen lassen und können sie nicht persönlich überreichen“, meint Thea.

Wie es für sie und Joscha in der Zeit nach dem Abi weitergehen soll, wissen sie beide nicht. „Meine Freunde und ich haben ein InterrailTicket gewonnen, die Reise können wir wahrscheinlich vergessen“, erzählt Joscha. „Viele meiner Freunde hatten ihre Zeit nach dem Abi lange geplant.“ Dass nun für Tausende Schüler alles anders kommt, sorge für viel Trauer. „Es ist ein ganz komisches Gefühl, das viele sicher nicht nachvollziehen können. Aber der Abschluss in diesem Jahr ist einfach nur krass.“

Von Ella Rinke, Nina Hoffmann, Tomma Petersen und Jacky Hadasch

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