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So war das Konzert von Jan Böhmermann und Orchester

So war das Konzert von Jan Böhmermann und Orchester
Foto:  Florian Petrow

Mit dem Rundfunk-Tanzorchester-Ehrenfeld war Moderator Jan Böhmermann am Donnerstag in der Swiss-Life-Hall. Spott über die hannoversche Prominenz konnte sich Böhmermann nicht verkneifen – doch eigentlich ging es um die Musik.


Seit 2013 moderiert Jan Böhmermann die ZDF-neo-Satiresendung „Neo Magazin“, die zwei Jahre später in „Neo Magazin Royale“ umbenannt wurde. In dieser Zeit schrieb er staatskrisen-auslösende Gedichte, unterminierte die Doku-Soap „Schwiegertochter gesucht“ oder verpasste dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis per Computereffekt einen Stinkefinger, als der über Deutschland flucht. Mediale Aufmerksamkeit hat Böhmermann durch seine Arbeit reichlich bekommen – zu viel, wenn es nach Kritikern des norddeutschen Provokateurs geht. Doch zwei Dinge ziehen sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Jahre: Der 37-jährige Bremer hat in seiner Show immer wieder eigene (oder aus seinem Team stammende) Songs vom Stapel gelassen. Und Böhmermann kokettiert seit Jahren mit einem Sendeplatz zur besten Zeit im ZDF.

Nun ist er mit seiner Showband, dem Rundfunk-Tanzorchester-Ehrenfeld, auf Tour, um Musik zu spielen. Jetzt, wo er über seine Bühnenzeit selbst verfügen kann, geht um genau 20.15 Uhr das Licht in der Swiss-Life-Hall aus – beste Sende- oder Spielzeit also. Ein Konzertabend mit Jan Böhmermann, da wissen auch die 3400 Zuschauer nicht so recht, was sie erwartet. Kann man mit einem Best-of an stilistisch unterschiedlichstem Material ein Konzert füllen? Songs, wie die Gangster-Rap-Persiflage „Ich hab Polizei“, der Kalenderspruchtext von „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“, das poppige „Baby Got Laugengebäck“ oder die Bertolt-Brecht-Hommage „Wir sind Versandsoldaten“ sind sonst Einspieler in der One-Man-Böhmermann-Fernsehshow, die das Ehrenfelder-Orchester begleitet. Mit einer sehr guten 15-köpfigen Begleitung und einem Böhmermann, der der Musik ihren Platz lässt, geht das ziemlich elegant. „Wir sind gekommen, um Brücken zu bauen“, sagt Böhmermann zu Beginn, „um sie dann wieder einzureißen.“

Der Klaus-Meine-Gefühlshut

Im Orchester ist Böhmermann eine Mischung aus Frontmann und Moderator. Seine Ansagen kommen nicht vom Merkblatt und sitzen: „Wir lassen gleich einen Hut durchs Publikum gehen. Ich habe gehört, die Marienburg ist gerade günstig zu haben. Wir würden sie gerne kaufen“, sagt er. Später kommt er mit einer schwarzen Schlägermütze auf die Bühne, die verkehrt herum sitzt. In Hannover weiß man natürlich, welcher Stadtprominente gemeint ist. „Das ist mein Klaus-Meine-Gefühlshut“, sagt er und singt „Menschen, Leben, Tanzen Welt“. Mit dem Orchester, das derzeit für den Grimme-Preis nominiert ist, spielt er ein paar Songs, dann verschwindet Böhmermann immer wieder und lässt seine 15 Mitmusiker machen. Die spielen opulente Versionen von Daft Punks „Harder, Better, Faster, Stronger“ oder „Toxic“ von Britney Spears. So verpasst Böhmermann, wie die Zuschauer vor der Bühne zu tanzen beginnen und sich die Frage, was das denn für ein Konzert sein soll, erübrigt. Aus der angekündigten Brückensprengung wird es also nichts. Aber dafür hat Jan Böhmermannnoch mit seiner Fernsehsendung im ZDF-Spätprogramm noch genug Zeit.

Von Manuel Behrens

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