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Schüler allein zu Haus: Wie geht es den Jugendlichen im Homeschooling?

Schüler allein zu Haus: Wie geht es den Jugendlichen im Homeschooling?
Foto: Unsplash.com/ Annie Spratt

Unterricht ohne Feedback, Videokonferenzen, sich alleine motivieren: Schülerinnen und Schüler stehen in Coronazeiten vor ganz neuen Herausforderungen. Nerven die vielen Aufgaben oder ist Homeschooling eigentlich ganz nett? MADS hat Jugendliche aus ganz Deutschland gefragt, wie es ihnen gerade geht.


Isabelle (19) aus Niedersachsen

Isabelles (19) Motivation hat im Homeoffice sehr gelitten.
Foto: Privat

Ich mache in einigen Monaten mein Abitur und gehöre zu den Abschlussklassen, die unter strengen Auflagen in Hannover zur Schule gehen können. Zu Beginn der Pandemie sah das aber noch ganz anders aus. Im Homeschooling waren alle überfordert. Wir haben kein Feedback zu den bearbeiteten Aufgaben bekommen – ich weiß bis heute nicht, ob ich damals alles richtig gemacht habe. Es gab keine Videokonferenzen mit unseren Lehrern, es kamen nur Mails mit unzähligen Aufgaben.

Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern hätte ich mir mehr Unterstützung und Erklärungen gewünscht. Auch Online-Einzelgespräche hätten meine Homeoffice-Erfahrungen deutlich verbessert, um Dinge zu klären oder einfach intensivere pädagogische Unterstützung zu bekommen.

Meine Motivation für schulische Leistungen hat im Homeoffice sehr gelitten – meine Aufgaben habe ich meistens halbherzig dahin geschmiert, ohne mir wirklich Mühe zu geben. Ich habe mich nicht wirklich intensiv mit den Themen befasst und wollte die Hausaufgaben einfach so schnell wie möglich wieder abgeben. Überraschenderweise haben sich weder meine mündlichen noch schriftlichen Noten verschlechtert oder verbessert. Aufgezeichnet von quah

Julia (17) aus Sachsen

Julia (17) wünscht sich mehr Einheitlichkeit.
Foto: Privat

In der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown hat sich schon etwas in unseren Schulen verändert. Ich habe das Gefühl, die Schulen haben jetzt bessere Konzepte, auch vielleicht, weil es so großen Druck von Außen gab. Allerdings würde ich mir wünschen, dass es viel mehr Einheitlichkeit geben würde. Bei uns an der Schule in Dresden gibt es zwar ein Konzept, wie das Homeschooling funktionieren sollte, aber irgendwie halten sich nicht alle Lehrer daran. So wie ich es mitbekomme, ist es vor allem bei den jüngeren Klassen schwierig, den Schülerinnen und Schülern fehlt eine Struktur im Alltag.

Manchmal gibt es einfach nur Aufgaben und dann heißt es, bearbeitet sie. Aber wie lange dazu Zeit ist, wird zum Beispiel nicht gesagt. Da kann ich mir in fünf Minuten was zu durchlesen, aber das ist auch ein Thema, was ich studieren kann. In welchem Umfang soll ich das jetzt machen? Wir Abiturjahrgänge sind zum Teil wieder in der Schule, zumindest im Unterricht für unsere Prüfungsfächer. Meine Mitschüler und ich sind allerdings auch in einem Alter, in dem wir ganz gut alleine lernen können. Ich muss auch sagen, dass meine Schulnoten durch das Homeschooling sogar teilweise besser geworden sind. Einfach weil ich mir die Lernzeiten jetzt besser einteilen und unwichtige Themen gleichzeitig schneller abarbeiten kann. Aufgezeichnet von vag

Helene (14) aus Mecklenburg-Vorpommern

Helene (14) steht jeden Tag etwa um 7 Uhr auf.
Foto: Privat

Ich stehe immer etwa um 7 Uhr auf, frühstücke mit meiner Zwillingsschwester und sitze um 8 Uhr in meinem Zimmer. Teilweise beginnen die Schultage mit Videokonferenzen. Den ganzen Januar ging das so. Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern ist die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt. Grundschüler können zum Unterricht gehen, müssen aber nicht. Die Schüler der Abschlussklassen dürfen freiwillig zur Schule gehen. Alle anderen, so wie ich, haben Distanzunterricht.

Zwischen 14 und 16 Uhr bin ich mit meinen Aufgaben fertig. Generell benötige ich dafür weniger Zeit als in der Schule. Aber das Lernen geht langsamer als im Unterricht. Vielleicht, weil es zu Hause schwieriger ist, sich so allein für Schule zu motivieren. Aber der Hausunterricht ist von meiner Schule gut organisiert. Dadurch, dass wir die Aufgaben in Echtzeit machen müssen, haben wir einen strukturierten Alltag. Blöd finde ich, dass ich nun den ganzen Tag drinnen und zu Hause bin. Wir haben in Rostock einen niedrigen Corona-Inzidenzwert und ich hoffe deshalb, dass ich bald wieder zur Schule gehen und endlich wieder meine Freunde sehen kann.Bis dahin gebe ich mir Mühe, alle Aufgaben zu erledigen und zu verstehen. Insgesamt verbringe ich jetzt mehr Zeit am Handy und am Laptop als vorher. Um mit Freundinnen in Kontakt zu bleiben oder zu spielen. Aufgezeichnet von la

Koray (20) aus Nordrhein-Westfalen

Korays (20) Noten haben sich verschlechtert.
Foto: Privat

Das Homeoffice-Konzept ist ziemlich ineffektiv. Bald schreibe ich mein Abitur und ich habe schon sehr viel Stoff verpasst. Außerdem merke ich, dass ich immer später aufstehe, weil ich wenig Unterricht habe. Dafür bekomme ich aber immer mehr Hausaufgaben. Vor Corona war ich diszipliniert, durch das Homeoffice bin ich faul geworden. Meine Noten haben sich verschlechtert, weil ich im Mündlichen viel besser als im Schriftlichen bin. Vielen von uns fehlt auch einfach die Hardware, nicht alle haben Laptops oder Internet. Allein, dass die Schulplattform iServ immer abstürzt, ist richtig ärgerlich.

Ganz ehrlich: Vielen von uns geht es nicht gut. In den sozialen Medien können wir uns abregen. Ich habe letztens getwittert, dass ich den Lehrer mit seinem Burger-King-Mikrofon nicht verstehe. Darunter haben dann einige geschrieben, dass ihre Ohren trotz niedrigster Kopfhörerlauststärke weh tun, oder dass man den Lehrer auf iServ noch im Treppenhaus hören kann. Durch solche Gespräche verringert sich das schlechte Gefühl, was wir im Lockdown haben immerhin ein bisschen. Aufgezeichnet von top

Jannik (16) aus Schleswig-Holstein

Jannik (16) findet das lange Ausharren vor dem Bildschirm anstrengend.
Foto: Privat

Eine Videokonferenz nach der anderen und zwischendurch den nächsten Arbeitsauftrag bearbeiten: So sieht wahrscheinlich nicht nur mein Alltag im Moment aus. Vor allem seit Jahresbeginn wurde die Arbeit mit Videokonferenzen an meiner Schule in Lübeck deutlich mehr in den Vordergrund gestellt. Im vergangenen Jahr war das definitiv nicht so.

Jetzt haben wir eben sehr viele Videokonferenzen. Auch unser System für die Arbeitsaufträge ist mittlerweile so geregelt, dass alles schnell und einfach zu finden ist. Die vielen Konferenzen, die oft bis in den Nachmittag andauern, sind allerdings mit der Zeit doch etwas langweilig. Insgesamt ist im Homeschooling der Zeitaufwand für mich trotzdem etwas geringer, als würde der normale Schulbetrieb stattfinden, obwohl das für mich nicht bedeutet, dass ich weniger lerne als vorher. Was für mich persönlich jedoch ziemlich anstrengend ist, ist das lange Ausharren vor dem Bildschirm, da merke ich schon öfter mal das die Augen mit der Zeit ein wenig müde werden und die Konzentration etwas nachlässt. jaw

Gesine (18) aus Niedersachsen

Ich bewundere die Lehrer, die versuchen, uns das Lernen im Homeschooling leichter zu machen. Sobald sie merken, dass wir nicht mitkommen, laden sie vertiefende Präsentationen oder Videos hoch. Das hilft mir sehr. Vor allem, weil meine Lehrer so oft Lösungen für neue Probleme finden – wenn der Server zum Beispiel mal wieder nicht funktioniert und wir nicht weitermachen können. Dass ich auf die Unterstützung meiner Lehrer vertrauen kann, verschafft mir auf jeden Fall mehr Sicherheit. Nicht nur, wenn es um dem Schulstoff geht – sie fragen auch nach, wie es uns geht. Ich hatte irgendwie erwartet, dass wir noch mehr auf uns alleine gestellt sind. Einfach, weil das persönliche Gespräch fehlt. Klar, nicht immer läuft alles rund – gerade was die Technik betrifft. Das nervt oft.

Deshalb freue ich mich darauf, in Zukunft wieder in die Schule gehen zu können. Nicht nur, weil ich meine Freunde dann wiedersehe, sondern auch, weil meine mündliche Note dann wieder besser wird. Kleine verpixelte Bildchen auf dem Bildschirm sind eben nicht das gleiche wie der Blickkontakt zu Lehrern oder Mitschülern. Und ich habe das Gefühl, dass es Lehrern im Klassenraum leichter fällt zu erkennen, wer wirklich aktiv mitmacht und wer nicht. Aufgezeichnet von eri

Gesine (18) ist froh, dass die Lehrer ihre Schüler unterstützen. (Symbolbild)
Foto: unsplash.com

Von Sarah Danquah, Ella Rinke, Vanessa Gregor, Liska Amberger, Tomma Petersen und Jannik Wigger


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Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Es tut mir sehr leid, dass Koray seinen Lehrer mit dem Burger-King-Mikrofon nicht verstehen konnte.

    Antworten

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