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Ribnitz-Damgarten: Die „Pfadfinder“ des Internets

Ribnitz-Damgarten: Die „Pfadfinder“ des Internets
Foto: Klaus Amberger

Medienscouts sind Schüler, die sich mit den Fallstricken im Internet auskennen – sie sind Ansprechpartner für ihre Mitschüler. Wir haben zwei Scouts, Nathalie und Laura, in Ribnitz-Damgarten getroffen.

Das Internet ist toll. Es ist global, faszinierend, bequem und endlos. Doch was ist mit den Risiken? Was, wenn ich digital gemobbt, gestalkt oder belästigt werde? Wie viel zocken ist noch gesund? Wie viele persönliche Daten sollte ich überhaupt im Netz preisgeben, damit ich halbwegs geschützt bleibe?

Es sei etwas Neues gewesen. „Und es hat sich gut angehört“, sagt Nathalie Großmann. Die 15-jährige Schülerin der Regionalen Schule „Rudolf Harbig“ in Ribnitz-Damgarten und ihre Freundin Laura Völger (15) gehen in die 9. Klasse und sind die ersten Medienscouts an ihrer Schule – Pfadfinder für den digitalen Medien-Dschungel. Im Sommer wurden sie ein Wochenende lang in Teterow mit anderen Schülern aus dem Nordosten qualifiziert. Wurden fit gemacht in verschiedenen Themenbereichen, etwa Cybercrime oder Datenschutz. Um für ihre Mitschüler Ansprechpartner zu sein.

Schüler reden lieber mit Schülern über Fehler

„Zum Beispiel werden Konflikte unter jungen Leuten über die sozialen Medien ausgetragen, es wird gemobbt, beleidigt oder es wird sich etwa mit Nazi-Stickern über Opfer des Holocaust lustig gemacht“, weiß Laura. Nathalie meint, dass sie oft im Schulbus jüngere Mitschüler „unterrichte“. Das komme besser an und sei angenehmer, als wenn Lehrer und Eltern versuchen würden, auf die Schwierigkeiten im Internet aufmerksam zu machen. Die Hemmschwelle, über eigene Fehler im Internet, die oft aus Unwissenheit passieren, zu reden, sei unter Schülern niedriger.

Schulsozialarbeiterin Katrin Kinder

Schulsozialarbeiterin Katrin Kinder Quelle: Klaus Amberger

Das denkt auch Katrin Kinder, Schulsozialarbeiterin an der Schule von Laura und Nathalie. „Die Vertrauensbasis zwischen Kindern und Jugendlichen ist bei diesem Thema eine andere“, sagt sie. Auch weil die Scouts auf denselben Kanälen wie ihre Altersgenossen unterwegs seien. Sie wüssten, was gerade online angesagt sei, wo sich getummelt wird.

Antje Kaiser, Datenschützerin aus MV kennt diesen Effekt. Sie sagt: „Wenn Schüler ihren Mitschülern die Gefahren und die Risiken im Internet erklären, kommt das bei den jungen Leuten viel besser an, als wenn das Lehrer oder Eltern tun würden.“ Deshalb habe sie, so Katrin Kinder, für das Medienscout-Projekt geworben. Es gehe um Medienkompetenz, und die könnten die jungen Leute Gleichaltrigen besser und effektiver im Alltag näherbringen.

Medienscouts erhalten sogar vom LKA Rückhalt

Medienscout könne jeder Schüler werden, der in die achte, neunte oder zehnte Klasse geht, sagt die Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten für Datenschutz MV, Antje Kaiser. Voraussetzung: Interesse an Apps, Games, Social Media und Lust, sein Wissen weiterzugeben. Flankiert wird das Medienscout-Projekt, das es seit neun Jahren gibt, neben dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit vom Landeskriminalamt (LKA), Landesjugendring, der Medienanstalt MV, der Computerspielschule Greifswald und der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen.

Matthias Rascher vom LKA sagt, dass Kinder aufgrund ihrer geringen Lebenserfahrung noch leichtgläubiger und unvorsichtiger im Netz unterwegs sind als Erwachsene. „Sie vertrauen auf die Ehrlichkeit ihrer Onlinegesprächspartner. Und können so Gefahr laufen, Opfer, aber auch Täter zu werden.“ Antje Kaiser vom Landesdatenschutz berichtet, dass sie immer mehr Anfragen bekomme, ob Medienscouts auch an die Grundschulen kommen könnten, um die Jüngsten aufzuklären. Denn auch sie hätten Fragen. Etwa: Was ist zu tun, wenn jemand mein Porträt auf einen Tierkörper montiert und in eine Whatsapp-Gruppe sendet? Oder: Darf man Lehrer online beleidigen?

Vorteile des Internets wurden während der Schulschließungen noch deutlicher

„Mich motiviert die Arbeit als Medienscout, weil ich mich einbringen kann, wenn jemand beispielsweise über die digitalen Kanäle gemobbt wird“, sagt Laura, die gern schwimmt und reitet und vielleicht später Erzieherin wird. Doch gibt es im Internet nicht nur Fallstricke. „Wir reden ebenso über die positiven Seiten des Netzes, reden über die Vorteile, die ja gerade während der coronabedingten Homeschooling-Monate spürbar würden, als wir uns alle noch mehr vernetzen mussten“, sagt Nathalie, die sich beruflich eine Zukunft als Justizfachangestellte vorstellen kann. Die Aufgabe als Medienscout habe sich nicht nur gut angehört, sagt die Schülerin, sie sei es auch.

INFO:

Seit 2012 wurden mehr als 500 Medienscouts in Mecklenburg-Vorpommern ausgebildet. Bis zu 4000 Schüler werden pro Jahr (in Jahren ohne Lockdowns) von den Medienscouts erreicht, zum Beispiel an Projekttagen, die von den Schülern durchgeführt werden.

Das Medienscout-Projekt wird in MV unterstützt vom Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, vom Landeskriminalamt (LKA), von der Medienanstalt MV, vom Landesjugendring, von der Computerspielschule Greifswald sowie von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen.

Lehrer und Schulsozialarbeiterkönnen sich ebenfalls zu Medienscouts ausbilden lassen. So sind sie Ansprechpartner für das Projekt und Stütze für die jungen Scouts an ihren Schulen.

www.medienscouts-mv.de

Mehr lesen: Neue Initiative: Datenschützer aus MV machen aus Eltern „Medienguides“

Von Klaus Amberger

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