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Politisch korrekt: Rücksichtsvoll oder einfach humorlos?

Politisch korrekt: Rücksichtsvoll oder einfach humorlos?
Foto: Unsplash/ Braydon Anderson

Frauenwitze oder ironische Sprüche über Minderheiten: Darf man über diskriminierende oder sexistische Seitenhiebe noch lachen? Diese Frage stellt sich MADS-Autorin Nina. Ein Kommentar.


Ich sage nicht mehr „Penner“, beleidige niemanden mehr als „behindert“ oder „Spast“. Ich habe das Wort „Negerkuss“ ohne Protest aus meinem Wortschatz gestrichen – und nein, ich möchte nicht wissen, was passiert wenn sich eine lesbische Frau oder ein Schwarzer mit irgendwem in einer Bar trifft.

Die Frage, die ich mir deshalb schon oft gestellt habe: Leidet unter meiner Bemühung, niemanden zu diskriminieren, mein Humor? Bin ich deshalb verkrampft und weniger lustig? Mittlerweile habe ich eine Antwort für mich gefunden: Ja, vermutlich bin ich etwas verkopfter, wenn es um derben Humor geht. Doch das nehme ich in Kauf, wenn ich mir dafür sicher sein kann, niemanden zu kränken und Benachteiligungen nicht zu fördern.

Über Humor lässt sich streiten – ein ziemlich banaler Spruch, der den Diskurs um schwarzen Humor recht passend beschreibt. Am besten zeigen das aktuell die zahlreichen provokanten Werbekampagnen von der Smoothiemarke truefruits. „Abgefüllt und mitgenommen“ – mit diesem Spruch bewarb das Unternehmen bereits 2017 einen seiner Smoothies. Auf Instagram löste das eine Debatte aus. Der Vorwurf: Der Spruch fördere die Rape Culture. Statt zu beschwichtigen, reagierte das Marketing durch Arroganz. Kritiker würden ihren Humor nicht verstehen – nur darin liege das Problem.

Erst vor wenigen Tagen bewies truefruits, dass es die Kritik an der eigenen Werbestrategie weiterhin ignoriert. Eine Werbung für den neuen Smoothie im Sonnencremelook zeigt die Schulter einer Frau – verziert mit einer Penisillustration aus Creme. Der Spruch dazu: „Sommer, wann feierst du endlich dein Cumback?“

Während einige Fans des Unternehmens die offensive Werbestrategie feiern, reagieren andere entsetzt. „Fasst hätte ich lachen müssen aber dann ist mir eingefallen, dass ich keine 12 Jahre mehr bin“, höhnt etwa ein Nutzer. Eine andere Nutzerin schreibt: „Haha spritzt da ein Penis auf eine Frau? Ur lustig, warum nicht gleich in ihr Gesicht, das ist degradierender und lustiger!“ Eine Entschuldigung von truefruits gibt es nicht. Auf Instagram wurde stattdessen das Bild erneut gepostet – allerdings wurde ein Mann ins Bild gephotoshoppt, der nun selbst die phallusähnliche Malerei auf der Schulter trägt. Witzig oder respektlos?

Serdar Somuncu, Kabarettist und Mitglied der Satirepartei „Die Partei“, appelliert in seinem Kabarettprogramm: „Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung.“ Mit dieser Ansicht ist er nicht alleine. Erst durch Witze über Minderheiten würde Gleichheit geschaffen werden, so das Argument. Serder Somuncu gehört wegen seines Migrationshintergrunds allerdings selbst einer Minderheit an. Über sich selbst zu lachen ist eben immer noch legitimer, als über eine fremde, benachteiligte Minderheit.

Humor entwickelt sich weiter. Während meine Eltern eher ratlos als belustigt schauen, sobald ich ihnen ein Meme zeige, kann ich bei den Frauenwitzen meines Vaters höchstens ein bemühtes Lächeln aufopfern. Zweimal zu überlegen, ob ein Witz angemessen ist – ja, das ist verkrampft. Doch erst recht humorlos sind diejenigen, die ihren Humor darauf beschränken, auf Kosten anderer zu lachen.

Von Nina Hoffmann


Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (22) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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