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Musik des Jahres: Unser Soundtrack 2018

Musik des Jahres: Unser Soundtrack 2018
Foto:  Spencer Imbrock

Wer hat das beste Album gemacht? Welche Songzeile hat uns durchs Jahr begleitet? Das sind die musikalischen Best-ofs und Fails der MADS-Autoren 


Lyrics für jede Lebenslage

Album des Jahres: ​„Schlagschatten“ von Annenmaykantereit hat mich vor allem durch die Lyrics überzeugt, die zu jeder Lebenslage passen. Ob verzweifelt oder unglaublich glücklich – man findet sich immer wieder. 

Bester Song​: „Liefde In De Lucht“ von Kraantje Pappie war der erste niederländische Song, den ich in einem Club in Amsterdam gehört habe. Der Song klingt nach purer Lebensfreude, die man fühlen kann, ohne den ganzen Text zu verstehen. 

Fail des Jahres: ​Mit Senorita von Kay One verbinde ich einen sexistischen Text, den angetrunkene Jugendliche auf der Schlagertanzfläche mitgrölen. Ein Song, den ich nicht vermissen werde.

Lieblingszeile:„Ich versteck mich hinter klugen Sätzen, ziehe Konsequenzen, die gar keine sind“ singen Annenmaykantereit in „Hinter klugen Sätzen“.

Emma Schell geht nächstes Jahr das erste Mal aufs Hurricane Festival

Blubbernder Pop

Album des Jahres: ​Superorganism zeigen mit blubbernden, überdrehten Popsongs auf ihrem gleichnamigen Album, dass Bands im Zeitalter des Digitalen noch eine Berechtigung haben. Wenn man sie neu erfindet. 

Bester Song: ​Das neue Album von The Kooks ist echt nicht gut. Wie ein kleines Versehen versteckt sich aber ein Song darauf, der so reizend unterproduziert ist, dass er sofort hängen bleibt: „Tesco Disco“.

Fail des Jahres: ​Das zweite Album von Roosevelt klingt wie sein Debüt, nur noch etwas flacher und nudeliger. 

Lieblingszeile: ​Die schönste Antihymne des Jahres kommt natürlich von Die Nerven. In „Niemals“ heißt es: „Finde niemals zu dir selbst!“. Endlich mal ein wirklich nützlicher Lifehack.

Martin Wiens baut gern Playlists, ­­­die wie Stadtteile ­heißen, in denen er schon gewohnt hat.

Straight und stark

Album des Jahres: ​Mit straighten Gitarrenriffs und starken Texten zeigen Dream Wife auf ihrem gleichnamigen Album, wie gut Feminismus, Weiblichkeit und Punkrock zusammenpassen.

Bester Song: ​Fynn Kliemann beschreibt in „Sardinien“, wie das Verliebtsein Alltagsbanalitäten verzaubern kann. Seine raue Stimme versetzt einen dabei in den italienischen Spätsommer.

Fail des Jahres: ​Der Echo für „Jung, brutal, gutaussehend“ von Kollegah und Farid Bang – trotz antisemitischer Texte. Und, dass Diskriminierung in der deutschen Rap-Szene immer noch kleingeredet wird.

Lieblingszeile: ​„Und dann denk’ ich, dass es vielleicht, vielleicht, für immer so bleibt“ aus „Vielleicht, Vielleicht“ von AnnenMayKantereit.

Carlotta Hartmann achtet meist erst beim zehnten Mal ­­­­auf die Texte.

Blues meets Metal

Album des Jahres: ​Wie hätte es geklungen, wenn die afroamerikanischen Sklaven sich gegen ihre weißen Herren erhoben hätten? Dem geht Manuel Gagneux samt Band Zeal & Ardor auf „Stranger Fruit“ nach und mixt Gospel und Blues mit Black Metal. 

Bester Song: ​Wegen des Brexits ist das Klima auf der Insel vergiftet. Die Briten von Idles halten mit schroffem, aber empathischem Punkrock wie in „Danny Nedelko“ dagegen.

Fail des Jahres: ​„No Tourists“ von The Prodigy tutet, als wäre es auf einem Schützenfest produziert worden – von betrunkenen Besuchern. Gut Schuss!

Lieblingszeile: ​„I want to find a haircut that fits me, that hasn’t been co-opted by Nazis“ – Spanish Love Songs singen über zerfetzende Selbstunsicherheit. 

Seine CD-Sammlung ­bewahrt Manuel Behrens im Auto­ auf.

Grenzgänger

Album des Jahres: ​Auf „Trench“ spielen sich die Twenty One Pilots durch mehrere Genres und mixen ruhige Parts und Rock-Rhythmen, bei denen Sänger Tyler Joseph mit seiner unverkennbaren Stimme an seine Grenzen gelangt.

Bester Song: ​Der Hugel-Remix von „Bella Ciao“ ist ein Lied zum Mitfeiern und erinnert mich immer an den Sommer, auch wenn der Song vielen mittlerweile aus den Ohren hängt.

Fail des Jahres: ​In „Je ne parle pas français“ singt Namika auf Deutsch, wirft hier und da französische Wörter ein und findet die französische Sprache „nice“. Drei Sprachen in einem Lied sind dann doch ein bisschen zu viel. 

Lieblingszeile: ​„If I could turn back the clock I’d make sure the light defeated the dark“ von Calum Scott in „You are the reason“.

Louisa Vietmeyer hört am liebsten Musik beim Autofahren mit Freunden, die mitsingen.

Mehr Düsternis

Album des Jahres: ​Auf „Zores“ singt Drangsal deutsch – und das funktioniert. Etwas mehr Düsternis würde dem poppigen New-Wave-Sound allerdings guttun.

Bester Song: ​Dream Wife zeigt, wie gut Feminismus und Lippenstift zusammenpassen. Im Anti-Slutshaming-Lied „Somebody“ stellt das Punk-Indie-Trio klar: „Ich bin kein Körper, ich bin ­Jemand“.

Fail des Jahres: ​Dass nicht unbedingt etwas Besseres dabei rauskommen muss, wenn sich zwei gute Künstler zusammentun, beweisen Casper und Marteria mit „1982“: Statt kluger Texte feiern sich „Cas“ und „Mar“ als kumpeliges Duo ironiefrei selbst ab. 

Lieblingszeile: ​„Islam didn’t eat your hamster“, singt Idles-Frontmann Joe Talbot in „Great“  – selten ist Anti-Fremdenhass so schön lakonisch.

Kira von der Brelie hat 2018 ihren Spotify-Account nun endlich auf Premium ­upgegradet.

Positive Melancholie

Album des Jahres: ​„East Atlanta Love Letter“ von 6LACK. Nachdem sein düsteres Debütalbum fast pausenlos auf die Tränendrüse drückte, versetzt 6LACK einen mit seinem aktuellen Album in positiv melancholische Stimmung.

Bester Song: ​In „Switch“ beschreibt 6LACK zu eingängigem Beat, warum es wichtig für ihn ist, sich in andere hineinzuversetzen und Perspektiven auch mal zu wechseln.

Fail des Jahres: ​Kay Ones Album „Makers Gonna Make“. Nicht, dass man etwas anderes von Kay One erwarten könnte, aber sein neues Album, das sich laut ihm selbst um „Kohle, Bitches und Macht“ dreht, bewegt sich selbst für seine Verhältnisse auf äußerst niedrigem Niveau.

Lieblingszeile: ​„Life is amazing, it is what it should be“ von Drake im Song „Yes Indeed“ mit Lil Baby.

Tim Klein lebt ab jetzt in Erwartung eines ­verheerenden Kay-One-Disstracks.

Lust zu tanzen

Album des Jahres: „Immortelle“ von Say Lou Lou! Ernste Themen und ein bisschen Lust zu tanzen fließen ziemlich treffsicher in sieben Songs zusammen. So regt „Immortelle“  zum Nachdenken an und macht trotzdem gute Laune.

Bester Song: ​Knallharte Gitarrenriffs und lauter Gesang: Richtig ausrasten kann man am besten mit „I’m Scum“ von Idles. 

Fail des Jahres: ​Das neue Album von Marek Hemman. Welches Album? Ja, ganz recht: Es gibt nämlich keins. Und das ist wirklich schade. Es wird endlich mal Zeit, dass der erstklassige Minimal-DJ nach „Moments“ von 2016 eine neue Platte rausbringt.

Zeile des Jahres: ​„And don’t all this new music sound the same?“ – fragt Anderson Paak und schafft  mit seiner Single „’Til it’s over“ einen netten Akzent in der Charts-Monokultur.

Jacqueline Hadasch kauft noch immer gern CDs – und hört sie auf ihrem Discman beim Chillen auf der Couch.

Rohe Emotionen

Album des Jahres: ​Statt nackt auf einer Abrissbirne zu posieren, setzt Miley Cyrus’ kleine Schwester Noah in ihrer Debüt-EP auf dramatische Texte und energiegeladene Rhythmen. Zwar sind es nur sechs Songs, doch darin beweist Noah durch eingängige Beats, rohe Emotionen und einem Hang zu jugendlicher Theatralik ihr Potenzial als Newcomerin.

Bester Song​: Bitter-süß singt Billie Eilish in „When the Party is Over“ über ungesunde Beziehungen. Ideal für Melancholie-Fans.

Fail des Jahres: ​Zu Tränen rühren will Lena in ihrem Musikvideo zu „Thank You“. Leider wirken die schwermütigen Reden, die immer wieder eingespielt werden, viel zu gewollt und so gar nicht authentisch. 

Lieblingszeile: ​„Just keep brea­thin’ and breathin’“ aus „Brea­thin“ von Ariana Grande. 

Nina Hoffmann trällert beim Wohnungsputz am liebsten zu ­pathosgeladenen Herzschmerzsongs.

Beglückende Nachbarschaft

Album des Jahres: ​The Neighbourhood haben seit 2015 immer wieder kleine EPs rausgebracht, doch kein Album. Diesen November war es endlich wieder soweit und die fünf Jungs beglückten mich mit „Hard To Imagine The Neighbourhood Ever Changing“.

Bester Song: ​Ich habe selten Musik, die ich immer und überall, egal in welcher Stimmung, hören kann. Doch bei der Band Wallows trifft das auf jedes Lied zu. Bei „It’s only right“ gehe ich komplett auf.

Fail des Jahres: ​Laurel ist eine tolle Künstlerin mit einer außergewöhnlichen Stimme. Doch von ihrem ersten Album „Dogviolet“ habe ich mehr erwartet als nur zwei gute Songs.

Lieblingszeile: ​„You can run, you can jump, might fuck it up, but you can’t blame yourself, no, you’re just human“ aus „Only a Human“ von George Ezra. 

Laura Baumbach sieht nächstes Jahr zum ersten Mal ihre Lieblingsband The Neighbourhood live.

Genialer Genremix

Album des Jahres: ​Mit „Flow State“ ist Tash Sultana ein Debüt gelungen, das sich in kein Genre einordnen lässt – und gerade deshalb so großartig ist.

Bester Song: Die dänische Noise-Punk-Band Iceage und die Sängerin Sky Ferreira harmonieren im Song „Pain Killer“ perfekt. Ferreiras Stimme gibt dem Ganzen eine edle Pop-Goth-Note – das schönste Duett des Jahres.

Fail des Jahres: Wenn dir in Las Vegas Anthony Kiedis und Flea von den Red Hot Chili Peppers über den Weg laufen und du erst Tage später über Instagram realisierst, dass du deinen großen Fangirl-Moment verpasst hast.

Lieblingszeile: „What would it sound like if you were the songwriter / And loving me was your unsung masterpiece?“ aus „The Songwriter“ von Father John Misty.

Sirany Schümann war in diesem Jahr auf dem Sziget Festival – und hat sich sehr, sehr alt gefühlt.


Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

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