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„Mowgli: Legend of the Jungle“ gegen „The Jungle Book“ – ein Wettrennen der Dschungelbuch-Filme

Foto:  Netflix

Es ist der Lauf seines Lebens: Mowgli rennt, stolpert über Dschungelwurzeln, fällt. Wenn er jetzt versagt, dann ist er ein schlechter Wolf und darf nicht bei seiner Familie bleiben. Hinter ihm: gefletschte Zähne, glänzendes schwarzes Fell. Sein Lehrer, der Panther Bagheera jagt ihn, um ihn fit für den Dschungel und den Kampf gegen den Tiger Sheer Khan zu machen. Dieses Rennen flimmert jetzt über den Bildschirm – in gleich zwei Neuverfilmungen.

Der eine, „The Jungle Book“ stammt aus dem Hause Disney, ist ein Update des Zeichentrickklassikers von 1967, und am Sonntag um 20.15 Uhr bei ProSieben das erste Mal im deutschen Free-TV zu sehen. Der andere: „Mowgli: Legend of the Jungle“ läuft ab Freitag beim Streaming-Dienst Netflix, eine nie zuvor irgendwo gezeigte Produktion der Konkurrenz Warner.

Auch zwischen den beiden Filmen herrschte ein wilder Wettlauf: Zeitgleich hatten sich Warner Brothers und Disney an eine düstere Neuauflage des Klassikers gesetzt – zwei Versionen, die näher an die brutale Stimmung der Geschichten von Rudyard Kipling von 1894 und 1895 rücken. Beide Filme setzten auf prominente Besetzung und schicke Animationstechnik.

Neuauflagen: Nur Warner verabschiedet sich vom Kinderfilm

So lernt der Zuschauer von „Mowgli“, dass ein schwarzer Panther im Falle Netflix tatsächlich wie Christian Bale aussehen kann und ein ur-böser Tiger wie Benedict Cumberbatch, was gewöhnungsbedürftig ist. Cate Blanchett ist die zwiespältige Schlange Kaa, und Andy „Gollum“ Serkis, der auch Regie führte, der wettergegerbte Bär Baloo. Tiergestaltung ist bei Disney schon immer Butter und Brot – und das sieht man. Und so können Idris Elba als Sheer Khan, Bill Murray als gemütlicher Bär, und Scarlett Johansson als Schlange bei der Glaubwürdigkeit punkten.

Wirklich verabschiedet vom Familienfilm hat sich nur Warner mit Düsternis und Brutalität. Der junge Mowgli (Rohan Chand) muss sich wie ein Erwachsener im Überlebenskampf durchsetzen, wird ohnmächtig geprügelt, ist körperlich versehrt – während Disney’s Pagenkopf-Mowgli (Neel Sethi) Kind bleibt. Spannungen lösen hier sich in Gemütlichkeit auf. Und irgendwo kriecht ein niedlich-schimpfendes Stachelschwein herum.

Der größte Unterschied liegt aber in der Geschichte. Denn Mowgli, das Menschenkind, muss sich bei Warner den Gesetzen des Dschungels anpassen. In diesem kann er nur überleben, wenn er der beste Wolf ist und durch das Rudel vor dem Psychopathen-Tiger beschützt wird – oder den deutlich stärkeren Sheer Khan tötet.

Mowgli rebelliert gegen das regelstarre System des Dschungels

Das Unterordnen in einer regelfanatischen Gesellschaft hat Autor Rudyard Kipling selbst erlebt – in Indien geboren musste er sich mit fünf Jahren an die strikte, britische Gesellschaft anpassen. Disney liefert hier tatsächlich neben all den putzigen Tieren einen neuen Ansatz: Baloo, Bär und Lehrer, bietet Mowgli einen anderen Ausweg. Der Junge muss nicht der beste Wolf sein, nicht der stärkste. Er muss nur seinen Platz im weiten Dschungel finden. Es gibt einen Wolfs-Weg, einen Baloo-Weg und einen Mowgli-Weg. Mit diesem Mowgli-Weg – Intellekt und die menschliche Fähigkeit Werkzeuge zu benutzen – kann er schließlich den Tiger besiegen. Der Menschenjunge muss sich nicht den Gesetzen der Wölfe unterwerfen und auch nicht ins Menschendorf integrieren. Bei Warner Brothers gibt es kein inhaltliches Update für den Stoff – Mowgli versucht erst der beste Wolf zu sein, dann ein passabler Mensch. Am Ende besiegt er Sheer Khan mit einem Messer der Menschen.

Das Rennen um die Erstveröffentlichung hat dann Disney gewonnen – 2016 kam der Film in die Kinos, 2019 folgt ein Sequel. Warner dagegen musste seine Premiere verschieben – und ist nun auf den Streaming-Dienst ausgewichen.

Von Geraldine Oetken/RND


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