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Handzeichen und Codes: Wie Menschen unauffällig Hilfe rufen können

Handzeichen und Codes: Wie Menschen unauffällig Hilfe rufen können
Foto: Unsplash/Brett Jordan

In den USA konnte sich ein 16-jähriges Mädchen bei seiner Entführung über ein diskretes Handzeichen Hilfe verschaffen, das es auf Tiktok gesehen hatte. MADS hat hilfreiche Gesten und Codes für den Notfall gesammelt.


Ein Tiktok-Trend hat eine 16-Jährige in den USA gerettet. Die Jugendliche war vergangene Woche in North Carolina als vermisst gemeldet worden. Aus einem fahrenden Auto heraus machte sie ein Handzeichen, das über Tiktok als Notsignal für häusliche Gewalt bekannt geworden war. Ein anderer Autofahrer erkannte das Zeichen und konnte die Polizei verständigen. Das Mädchen wurde schließlich in Kentucky aus dem Auto ihres Entführers befreit. Der 61-Jährige wurde wegen Entführung sowie Besitz von Kinderpornografie verhaftet.

Handzeichen für häusliche Gewalt

Bei der Geste, die die entführte Jugendliche verwendete, handelt es sich um das internationale Handzeichen, das häusliche Gewalt signalisiert. Dabei klappt man an der geöffneten Hand erst den Daumen ein und schließt dann die restlichen Finger wie zur Faust darüber. Diese einfache Handbewegung verbreitete sich vor allem während der Pandemie schnell, da sie sich für Videocalls gut eignet, um stumm um Hilfe zu bitten. Eingeführt wurde es von der Canadian Women’s Foundation.

„Maske 19“ für direkten Notruf

Wie das Handzeichen steht die Code-Phrase „Maske 19“ für häusliche Gewalt. Genutzt werden soll sie in medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, Kliniken, Apotheken oder Therapiestellen. So können Betroffene diskret um Hilfe bitten und die jeweiligen Einrichtungen sofort den Polizei-Notruf wählen. Auch in einigen Regionen in Frankreich und Spanien kann mithilfe dieses Codes vermieden werden, dass ein Notruf aus dem eigenen Zuhause abgesetzt werden muss.

„Luisa ist hier!“ hilft bei Übergriffen in Bars

Das Hilfsangebot „Luisa ist hier!“ soll Frauen und Mädchen bei sexueller Belästigung zu Seite stehen. Wer sich in Bars oder Clubs bedroht fühlt, kann sich mit der scheinbar harmlosen Frage „Ist Luisa hier?“ an das Personal wenden. Mit dem Code lässt sich leicht um Hilfe bitten, denn es sind keine unangenehmen Erklärungen nötig, die an einem öffentlichen Ort für Aufmerksamkeit sorgen. Die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können die Betroffene an einen Rückzugsort wie den Personalraum bringen, wo dann in Ruhe weitere Fragen geklärt sowie Kontaktpersonen informiert werden können. Mehrere deutsche Bundesländer sowie Regionen in Österreich und der Schweiz nehmen bereits teil.

In Tübingen gibt es außerdem die Kampagne „Arbeitet Uli heute?“, die auch rassistische Angriffe behandelt, am Vorarlberg gibt es „Ist Lotta da?“ – diese beiden Projekte sind durch ihre räumliche Begrenzung allerdings nicht so bekannt. Ein englisches Pendant ist das Projekt „Ask for Angela“.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (23) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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