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Emanzipation: „Haben wir denn keine anderen Probleme?“ – Ja, na und?

Emanzipation: „Haben wir denn keine anderen Probleme?“ – Ja, na und?
Foto:  Unsplash/Monica Melton

Lästige Grabscher beim Feiern gehen, niedrigere Gehälter für Frauen und jede Menge Mansplaining: Die Emanzipation ist noch lange nicht am Ziel, meint MADS-Autorin Nina.


Das Klima wird immer wärmer, Tierarten sterben aus und Krieg treibt Menschen weltweit zur Flucht. Ja, es gibt genügend Brennpunkte auf der Welt, die unsere Aufmerksamkeit verlangen. Trotzdem setze ich mich im Alltag immer wieder für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Sexismus ein – ob bei der Diskussion auf Familienfeiern über sexistische Frauenwitze oder bei öffentlichen Debatten zur gendergerechten Sprache.

Das tue ich ganz einfach deshalb, weil die Emanzipation noch lange nicht da angelangt ist, wo sie einmal münden soll: In der Gleichstellung von Mann und Frau, ganz ohne die Benachteiligung eines der Geschlechter. Daran ändern auch die restlichen Probleme nichts.

Von wegen Luxusproblem

Umso mehr regen mich Argumente wie „Sexismus ist doch bloß ein Luxusproblem“ oder „Dann müssen Frauen eben auch so hart arbeiten wie Männer“ auf. Kaum erscheinen in meinem Facebook-Feed die ersten Beiträge zum Weltfrauentag, schon versammeln sich die Emanzipationsgegner unter den Postings.

Besonders beliebt ist die rhetorische Frage:

„Haben wir denn keine anderen Probleme?“

Klar haben wir die. Doch was hat das mit der Debatte über Geschlechtergerechtigkeit zu tun? Oder mit einem Tag, der die Frauen ehren soll, die für sich und andere Frauen öffentlich eingetreten sind? Denn das Wahlrecht für Frauen und die Gleichstellung beider Geschlechter vor dem Gesetz gibt es noch nicht einmal seit 100 Jahren. Historisch kaum nennenswert.

Patriarchale Machtstrukturen

„Feministinnen sind einfach sexuell frustriert“ oder „Frauen sind selbst an ihrer Lage schuld“ – der Blick in die Kommentarspalten bei Facebook beweist, wie viel Einfluss patriarchale Machtstrukturen auch heute noch haben. Auch wenn niemand abstreiten kann, dass es Frauen in einigen Entwicklungsländern deutlich schwerer haben: Selbst in Deutschland werden Frauen immer wieder sexuell belästigt. Das zeigt etwa eine Umfrage des YouGov-Instituts von 2017: 43 Prozent der insgesamt 2000 befragten Frauen gaben an, bereits sexuell bedrängt oder belästigt worden zu sein – also fast jede zweite Frau.

Während immer mehr Frauen etwa im Rahmen der #metoo-Debatte ihr Schweigen über sexuelle Belästigung brechen, scheinen einige Emanzipationsgegner vor allem eines zu fürchten: Dass das Flirten nun gar nicht mehr erlaubt sei.

Natürlich ist es das. Aber im gegenseitigen Einverständnis. So lange viele Männer noch nicht begriffen haben, was das bedeutet, bleibt Sexismus ein Problem. Und der Weltfrauentag umso notwendiger.

Von Nina Hoffmann


Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (22) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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