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Diese 8 Dinge habe ich als Austauschschüler in Kanada gelernt

Diese 8 Dinge habe ich als Austauschschüler in Kanada gelernt
Foto: unsplash.com/Tim Trad

Zum ersten Mal weg von Zuhause und (fast) auf sich allein gestellt: MADS-Autor Beneke erzählt, wie einen ein langer Auslandsaufenthalt verändert – und warum das gut ist.


Einmal auf eine Highschool in den USA, Kanada oder anderen Ländern gehen: Tausende Schülerinnen und Schüler gehen jedes Jahr ins Ausland. Im Schuljahr 2017/18 waren es laut einer Studie des Bildungsberatungsdienst Weltweiser knapp 16 000.

Ich habe von August 2018 bis Januar 2019 in der kanadischen Kleinstadt Maple Ridge in der Nähe von Vancouver gelebt. Das erste Halbjahr der zehnten Klasse ging ich dort zur Westview Secondary School statt zur Viktoria-Schule in Aachen.

Probiers mal mit Gelassenheit

Weil wir Austauschüler anfangs außer unsere internationalen Gastgeschwister noch kaum jemanden kannten, haben wir schnell viel zusammen gemacht. Mit Kanadiern hatte ich dadurch eher weniger zu tun. Das fand ich teilweise schade, aber ich habe mich auch schnell mit den anderen internationalen Austauschschülern (Internationals) angefreundet. Von ihnen – besonders von den Brasilianern, Mexikanern und Spaniern – habe ich gelernt, gelassener zu sein.

Das war anfangs noch ein bisschen schwierig, weil ich nicht an eine derart lockere Mentalität gewohnt war. Dass sich vor allem mein brasilianischer Gastbruder ständig über mich lustig gemacht hat, fand ich anfangs echt komisch. Schnell habe ich aber gemerkt, dass es total normal für sie ist, und alle ständig Witze über sich machen – das ist aber nie böse gemeint. Solange man die teils auch persönlichen Witze nicht so ernst nimmt, kann man auch darüber lachen.

Geplantes Chaos

Viele Unternehmungen waren zudem schlecht geplant und es kam immer irgendwer zu spät. Einmal haben uns die Brasilianer drei Stunden durch Vancouver geführt, um ein Café zu suchen – das im Endeffekt auch noch geschlossen hatte. Eigentlich totale Zeitverschwendung, aber keiner – außer ein paar Deutsche – hat sich darüber aufgeregt.

Diese Einstellung macht vieles einfacher: Statt Termine abzuklappern, verpassten wir auch mal was und verbrachten dann eben einen entspannten Abend zusammen – ohne uns darüber aufzuregen, dass etwas nicht funktioniert hatte. Das klappt aber nur, wenn alle das so locker sehen – in Deutschland eckt man damit häufig an.

Einfach machen

“Viva la vida!”, so oder so ähnlich könnte das Motto in Kanada lauten. Fast jedes Wochenende bin ich mit ein paar Internationals von Maple Ridge nach Vancouver oder weiter weg gefahren – und das trotz anderthalb Stunden Anfahrt. Wir waren beim Drake-Konzert und auf Festivals, wandern im Lynn Canyon Park und Skifahren auf dem Grouse Mountain.

In Deutschland ist es oft schwierig, meine Freunde für Konzerte oder andere Trips zu begeistern. Ich war etwa erst einmal mit Freunden in Köln, obwohl das von meiner Heimatstadt Aachen näher ist als Vancouver von Maple Ridge. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich in Kanada fast nur etwas mit Internationals unternommen haben, die ihre begrenzte Zeit in Kanada nutzen wollten.

Sorry, Baum!

Was ich von den Kanadiern am meisten gelernt habe, ist deren Freundlichkeit. Das Klischee des extrem freundlichen Kanadiers stimmt einfach. So hat ein kanadischer Journalist und Autor laut BBC einmal zugegeben, dass er sich bei einem Baum entschuldigt hatte, gegen den er gelaufen ist.

Alle begegnen dir immer hilfsbereit und freundlich. Dadurch wird einem selber erst bewusst, dass man noch viel freundlicher sein kann. Kanadier bedanken sich zum Beispiel immer beim Busfahrer, wenn sie aussteigen. Das wurde zur Gewohnheit, sodass ich mich in den Wochen nach meinem Austausch auch bei den Busfahrern in Aachen bedankte.

Do It Yourself

Durch diese ganzen Eigenschaften bin ich vor allem selbständiger geworden und nicht mehr so sehr von meinen Eltern abhängig. Ich kann viele Sachen problemlos selber organisieren oder auch alleine zu Freunden reisen.

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Dadurch wird man sich seiner eigenen Verantwortung auch viel bewusster. Nach einem halben Jahr ohne Eltern, kommen mir nun zwei Wochen ohne sie nur wie ein kurzer Wochenendtrip vor. Generell bin ich nun unabhängiger und kann Angelegenheiten meist selber klären.

Zimtschnecken auf dem Stundenplan

Die Schule war nicht sehr fordernd, da einerseits die Arbeiten erst am Ende des Schuljahres geschrieben werden und andererseits das Niveau des Unterrichts im Vergleich zu Deutschland nicht so hoch ist. In Mathe haben wir beispielsweise gerade Primzahlen gelernt, während ich mich in Deutschland schon mit Sinusfunktionen befassen muss.

Dafür ist der Unterricht dort praktischer und es gibt Fächer wie Woodwork oder Cooking, in denen man Stühle schreinert oder Zimtschnecken zubereitet. Es bleibt aber viel Freizeit, in der man sich mit Freunden treffen kann oder in Sportteams der Schule engagieren kann.

Do you speak english?

Einer der Gründe für mein Auslandsjahr war – natürlich – die Sprache. Natürlich kann ich mich jetzt besser auf Englisch verständigen. Aber da ich vor allem mit Internationals Kontakt hatte, die alle keine Muttersprachler waren, redeten wir meist eher einfaches Englisch. Der größte Unterschied ist aber, dass die Hemmschwelle Englisch zu sprechen weg ist, eher fehlt es mir manchmal, Englisch zu reden.

Freunde statt Fremde

Zudem bin ich durch Kanada viel offener geworden. Letztens habe ich im Zug einen Fremden angequatscht, mit dem ich ein sehr gutes Gespräch hatte. Vor meiner Erfahrung in Kanada hätte ich sowas nie gemacht. Speziell die Südamerikaner sind mir immer sehr offen begegnet. Das hat es viel einfacher gemacht, neue Freundschaften zu schließen.

Dass Auslandserfahrungen, Menschen offener und sozial verträglicher machen, haben auch die Psychologen Julia Zimmermann und Franz J. Neyer 2013 in einer Langzeitstudie herausgefunden. Als Grund geben die Wissenschaftler vor allem, die neu hinzugewonnen internationalen Kontakte an.

Durch die Offenheit ergeben sich zudem ganz neue Möglichkeiten: Mit Brasilianer Elton, dem Fremden aus dem Zug, schreibe ich nun regelmäßig und will mich mit ihm treffen, um portugiesisch zu lernen. An meiner Schule organisiere ich dazu nun noch eine Portugiesisch-AG – und nach der Schulzeit geht’s auf Weltreise.

Von Beneke von der Brelie


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