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„Die Gefahr einer Umweltkatastrophe ist sehr hoch“: Warum der geplante Ausbau des Tesla-Werks Grünheide vielen missfällt

„Die Gefahr einer Umweltkatastrophe ist sehr hoch“: Warum der geplante Ausbau des Tesla-Werks Grünheide vielen missfällt
Foto: dpa/imago images

Am 5. März 2024 haben Unbekannte einen Brandanschlag auf einen Strommast in Brandenburg verübt. Dies führte zu einem Produktionsausfall in der Tesla-Fabrik Grünheide. Derzeit demonstrieren verschiedene Gruppen vor Ort gegen den möglichen Ausbau des Tesla-Werks. Aber warum? MADS-Autorin Anna hat bei der Bürgerinitiative Grünheide nachgefragt.

Inzwischen läuft die Produktion im Tesla-Werk Grünheide wieder. Der Grund für den vorausgegangenen Stillstand, der rund eine Woche dauerte, war ein Brandanschlag. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete, hatten unbekannte Täter am Dienstag, 5. März, auf einem Feld in Ostbrandenburg Feuer an einem frei zugänglichen Strommast gelegt. Dieser ist Teil der Stromversorgung der Autofabrik in Grünheide. Die linksextreme Vulkangruppe erklärte, sie sei für den Anschlag verantwortlich. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Einem Branchenexperten zufolge, belaufe sich der Schaden, der bei Tesla durch den mehrtägigen Produktionsausfall entstanden war, auf etwa 100 Millionen Euro, informierte die dpa.

Protest gegen Tesla: Mehrere Gruppen in Grünheide aktiv

Aufgrund einer möglichen Erweiterung des Tesla-Werks in Brandenburg äußern aktuell verschiedene Gruppen immer wieder ihren Unmut gegenüber des Konzerns. Laut dpa stimmte die Mehrheit der Bewohner von Grünheide im Februar gegen eine Erweiterung auf neuer Fläche mit Güterbahnhof, für die Wald gerodet werden müsste. Seit Ende Februar protestieren Umweltaktivisten der Initiative „Tesla stoppen“ auf Baumhäusern in der Nähe der Fabrik gegen die mögliche Erweiterung. Vorläufig duldete die Polizei das Camp bis zum Freitag, 15. März. Am Mittwoch, 13. März, wurde bekannt, dass die Umweltaktivisten ihren Protest verlängern wollen: Der zuständigen Versammlungsbehörde sei mitgeteilt worden, dass die Aktion bis zum 20. Mai weitergehen solle, sagte eine Sprecherin der Initiative gegenüber der dpa. Zuvor hatte der RBB berichtet. Die Initiative betont, sie habe mit dem Anschlag auf den Strommasten nichts zu tun.

Die Aktivistengruppe „Tesla stoppen“ hat Baumhäuser in den Wald gebaut um gegen die geplante Erweiterung des Tesla Werkes zu protestieren. Foto: dpa/ imago images.

Bürgerinitiative Grünheide setzt auf friedlichen Protest

Daneben gibt es noch eine weitere Gruppe, die sich gegen den Ausbau der Tesla-Fabrik engagiert: die Bürgerinitiative Grünheide. Die Gruppe will unter anderem mit Demonstrationen und Waldspaziergängen dem geplanten Ausbau entgegenwirken. MADS-Autorin Anna hat Manuela Hoyer, die Vorstandsvorsitzende der Initiative, im Interview näher zur aktuellen Situation befragt.

Was spricht Ihrer Meinung nach gegen einen Ausbau des Tesla Werks?

Ich bin gegen einen Ausbau des Tesla Werks, da der Wald, der hierfür gerodet werden müsste, in einem Trinkwasser-Schutzgebiet liegt. Durch die im letzten Jahr bekannt gewordenen Havarien ist die Gefahr einer Umweltkatastrophe außerdem sehr hoch. Der geplante Güterbahnhof hätte ebenfalls längst gebaut werden können. Nur weil dies nicht geschehen ist, soll jetzt weiterer Wald fallen, was für uns nicht nachvollziehbar ist.

Was konkret unternehmen Sie, um dagegen vorzugehen?

Wir haben unter anderem eine Einwohnerbefragung zum Thema „Ausbau des Tesla-Werks“ begleitet, bei der, wider unserer Erwartungen, der Großteil der Einwohner gegen einen Ausbau stimmte. Erst letzten Sonntag haben wir zudem eine Demonstration mit über 100 Teilnehmern organisiert, wo nochmal deutlich wurde, wie wichtig es vielen Menschen ist, dass dieser Wald erhalten bleibt. Es zeigte auch, dass viele Menschen wollen, dass Tesla auf dem ursprünglichen Gelände, für das bereits 300 Hektar gerodet wurden, bleiben soll.

Wie wichtig ist Ihnen ein friedliches Vorgehen bei den Protestaktionen?

Ein friedliches Vorgehen ist uns enorm wichtig. Wir kämpfen bereits seit 2019 und taten dies immer gewaltfrei. Gewalt haben wir seit jeher verurteilt und das werden wir auch weiterhin tun.

Was halten Sie davon, dass das Waldgrundstück bis zum 15. März geräumt werden soll?

Davon halte ich überhaupt nichts, da es letztendlich eine friedliche Besetzung ist. Es gibt absolut keinen Grund dafür, den Wald zu räumen.

Denken Sie, dass die Räumung friedlich ablaufen wird, oder rechnen sie mit Protest?

So wie die Menschen, welche auf dem Waldgrundstück demonstrieren, das Ganze kommuniziert haben, wird es wohl Widerstand gegen die Räumung geben.

Halten Sie eine Gefährdung der Tesla-Mitarbeiter für realistisch?

Nein, eine Gefährdung der Mitarbeiter halte ich nicht für realistisch. Meiner Ansicht nach sind die Mitarbeiter eher durch die Arbeitsbedingungen bei Tesla gefährdet als durch die Protestierenden.

Elon Musk stellt sich selbst immer als sehr umweltfreundlich dar. Was ist Ihre Ansicht dazu?

Ich weiß wirklich nicht, woher er das nimmt. Allein durch seine Ausbeutung des globalen Südens wird unglaublich vielen Menschen weltweit das Wasser entzogen. Das hat für mich mit Umweltfreundlichkeit überhaupt nichts zu tun.

Was halten denn Sie von dem Besuch Elon Musks in Deutschland?

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Ich sage es mal so: Wir alle befürchten, dass Elon Musk weitere Versprechungen von der Landesregierung gemacht bekommt, die auf Kosten der Bevölkerung und der Umwelt gehen.

Was denken Sie: Wird der Ausbau des Tesla-Werks verhindert werden können?

Ich hoffe auf es auf jeden Fall. Die Politiker sollten sich endlich einmal an das Votum der Bürger halten und nicht einfach über unsere Köpfe hinweg den Bau einer Fabrik in einem Wasserschutzgebiet erlauben.

So äußert sich Tesla zu den Vorwürfen

Wie die dpa informierte, erklärte der Autobauer Tesla nach dem Anschlag auf den Strommast, er erwarte eine umfassende Aufklärung der Straftat und forderte einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. „Wir verurteilen den Anschlag auf das Schärfste und vertrauen auf eine konsequente und angemessene Strafverfolgung.“ Tesla wandte sich laut dpa auch gegen Vorwürfe und sprach von Falschinformationen: Die Fabrik sei weder großer Wasserverbraucher noch gehe von ihr ein erhöhtes Umweltrisiko aus, so Tesla. Tesla-Chef Elon Musk war nach dem Anschlag auf die Stromversorgung selbst nach Grünheide gekommen. Wie die dpa berichtete, bekannte sich Musk bei diesem Besuch unmissverständlich zum Standort. Auf die Frage eines Journalisten, ob der Ausbau der Anlage weiter geplant sei, antwortete Musk nach Angaben der dpa: „Ja, absolut. Ich glaube, das ist ein toller Ort.“

Tesla-Chef Elon Musk bei seinem Besuch in der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa.

Bei seinem Besuch in Deutschland traf sich Musk auch mit den Regierungschefs aus Brandenburg und Berlin, Dietmar Woidke (SPD) und Kai Wegner (CDU). „Berlin und Brandenburg stehen gemeinsam zu Tesla“, unterstrichen beide Politiker anschließend in einer Erklärung. „Die Ansiedlung ist ein riesengroßer Gewinn für die Hauptstadtregion und den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Auch um den Anschlag auf den Strommast sei es bei dem Gespräch gegangen, schrieb Woidke auf Instagram. „Wir sind uns einig, dass es sich hierbei um einen terroristischen Akt gegen uns alle gehandelt hat. Denn dieser richtete sich eindeutig gegen den Wirtschaftsboom in Brandenburg und damit auch gegen die neuen Arbeitsplätze, die durch das Werk entstanden sind.“

Von Anna Olm


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