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Corona-Logbuch: „Digitales Ehrenamt ist auch in Ordnung“

Corona-Logbuch: „Digitales Ehrenamt ist auch in Ordnung“
Foto: Privat

Studentin Florentine (20) hilft internationalen Studierenden – und in ihrer Kirchengemeinde. Aufgrund der Pandemie kann sie ihre ehrenamtlichen Jobs nicht so machen, wie sonst. Sie erzählt, warum sie das eher als Chance sehen möchte.


Eigentlich hatte ich mir den Frühling anders vorgestellt. Eigentlich wollte ich neue internationale Studierende an meiner Universität willkommen heißen. Und eigentlich wollte ich in meiner Gemeinde neue Aufgaben übernehmen. Wie bei allen anderen Menschen spielt das kleine Wort eigentlich momentan die Hauptrolle in meinem Leben.

Stattdessen sitze ich nämlich zu Hause. Wie alle anderen auch. Mein „Problem“ dabei: Ich habe nichts zu tun. Die Semesterferien enden erst in einigen Wochen und Uniaufgaben habe ich keine zu erledigen. In meiner ersten Woche zu Hause hatte ich immerhin noch Aufgaben aus meinem Praktikum zu erledigen, doch das ist nun auch vorbei – geendet im Homeoffice. Alle Pläne die ich hatte – abgesagt.

Dabei war mein Kalender ursprünglich voll. Am Anfang des Jahres hatte ich mir nämlich vorgenommen, mich ehrenamtlich mehr zu engagieren. Ich wollte mich mehr einbringen und mehr Menschen kennen lernen. Denn gerade letzteres macht das Ehrenamt für mich so wertvoll: der Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen. Doch wie kann das jetzt überhaupt funktionieren?

MADS-Autorin Florentine

Ansprechpartnerin für internationale Studierende

Während ich letztes Jahr im Ausland studiert habe, habe ich nicht nur eine Menge internationaler Studierende kennengelernt, sondern auch immer wieder Hilfe von lokalen Studierenden bekommen. Zu Hause wollte ich diese Erfahrung und Hilfe weitergeben und ein sogenannter Study Buddy werden: mit einem Uni-Programm, das lokale und internationale Studierende zusammenbringt. Neben einzelnen Treffen gibt es gleichzeitig auch große Aktionen für alle Internationals zusammen. Doch wie so viele andere auch, konnte meine chinesische Tandempartnerin ihr Auslandssemester in Deutschland leider nicht antreten.

Doch einige Studierende werden ihr Auslandssemester beginnen: unter noch komplizierteren Umständen als ohnehin schon. Daher existiert das Programm nun virtuell. Es gibt zwar keine persönlichen Treffen mehr, aber Ansprechpartnerin kann ich trotzdem noch sein. Und auch wenn der internationale Austausch nicht stattfindet wie gewohnt, einschlafen wird er zumindest nicht.

Kirche geht live auf Instagram

Seit mehr als fünf Jahren engagiere ich mich nun schon in meiner Kirchengemeinde. Und auch dort verändert sich einiges: In der Jugendarbeit fällt Konfirmationsunterricht bis auf weiteres aus, genau wie Bastelaktionen für Kinder und andere Treffen. Doch gleichzeitig entwickeln sich auch neue Ideen, die es ohne Corona vielleicht erst später gegeben hätte. Um die abgesagten Veranstaltungen zu kompensieren, findet nun zum Beispiel wöchentlich eine kurze Andacht statt – von Jugendlichen, für Jugendliche und live bei Instagram. Es gibt ein Lied, ein Gebet und einen Gedanken. Und dafür muss man sich nicht mal ordentlich anziehen.

Corona: Es müssen neue Ideen her

Wie es in Zukunft mit meinen Ehrenämtern weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Bis zu dem Punkt, an dem sich internationale Studierende wieder treffen können und ich beim Konfirmationsunterricht helfen kann, muss eben improvisiert werden. Doch darin liegt eben auch eine Chance, neue Ideen zu entwickeln. Auch das Ehrenamt muss sich an die momentane Situation anpassen, aber solange der ständige Austausch miteinander weiterhin funktioniert, funktioniert auch das Ehrenamt. Und wenn der eine Zeit lang eben digital und nicht physisch stattfindet, dann ist das auch in Ordnung.

Von Florentine Pramann


Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

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