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Burnout Generation: entspannt euch!

Burnout Generation: entspannt euch!
Foto:  Nik Shuliahin/unsplash

Perfektionisitisch, erfolgshungrig, gestresst – und psychisch labil. Als „Burnout Generation“ bezeichnen uns die Medien. Und sie haben Recht. Warum wir Millennials mehr Mut zum Entspannen brauchen.

„Entschleunigung“ nannte ein Freund scherzhaft seinen Urlaub. Eine „Detox-Woche“ legten meine Freundinnen nach dem Festival ein, das ein bisschen zu viel des Guten war. Was lustig klang, war eigentlich ein Hinweis darauf, dass hier etwas schief läuft. Wir übernehmen uns – und versuchen dann, das radikal und möglichst schnell zu kompensieren.

Warum das typisch für unsere Generation ist, analysierte kürzlich BuzzFeed-Redakteurin Anne Helen Petersen in einem Essay – und das ziemlich treffend: Wir nehmen das Leben als ständige Selbstoptimierung wahr. So weit, so nicht gut. Wir werden Opfer hoher Anforderungen in allen Lebensbereichen: tolle Noten in der Schule oder Uni, einen Vorzeigeberuf, ein pulsierendes Sozialleben und einen Modelkörper – all das erwarten Medien, Eltern und Freunde doch von uns, oder? „Gestresste Perfektionisten“ nennt uns die Wochenzeitung Die Zeit

Zu busy – und stolz drauf?

Dabei hinterfragen wir zu selten, ob das gut für uns ist. Denn dafür sind wir zu busy: mit lernen, Workouts oder Partys. Abstriche gestehen wir uns nur zu, wo sie keiner sieht: Bei unserem psychischen Wohlbefinden. Gestresst? Nee, uns geht‘s super! Dabei haben wir die Kunst des Entspannens völlig verlernt – stattdessen glorifizieren wir lieber unsere Rastlosigkeit.

Dan Schawbel, Autor von Karriereratgebern, bringt es auf den Punkt: Sich mit extrem vielen Terminen zu brüsten, sei eine Schwäche, die wir zu gern als Stärke tarnen. „Busy sein“ als Statussymbol. Dabei belächeln wir jene, die „am Wochenende keine Pläne“ haben. Oder die Party absagen, weil sie einfach mal Ruhe brauchen. Belächeln? Insgeheim beneiden wir sie. Den Mut, Freizeit bewusst zu genießen und damit dem viel zu beschäftigten Mainstream zu trotzen, hat heute nicht mehr jeder. Dabei ist er so wichtig.

„Sorry, bin busy“ – der Stolz auf das Beschäftigtsein kann uns ziemlich gefährlich werden. Quelle: Kevin Grieve/unsplash.

Und wenn jemand den Anschein erweckt, seine Freizeit ganz frei von sozialem Druck zu genießen, trügt das meist. Würde jemand, der dem Profilierungswahn nicht völlig erlegen ist, wirklich Belanglosigkeiten wie eine Kaffeetasse und Wollsocken vor gemütlicher Sofaatmosphäre in seine Instagram-Story laden? Selbst Entspannung wird zum Leistungsvergleich.

Allerdings tun uns die Medien auch Unrecht. Ein bisschen zumindest. Ja, wir sind impulsiv, permanent vergleichend und zum Teil unreflektiert, aber nicht immer. Wir fangen gerade an, zu lernen. Soziale Medien, Werbung, Schulklassen, Studentengruppen und Arbeitskollegen sind ständig neue Einflüsse, mit denen wir auch erstmal klarkommen müssen. Und das werden wir irgendwann.

Auszeiten haben ein schlechtes Image – zu Unrecht. Quelle: Emma Simpson/unsplash

Die Tendenz zur Stressreduktion und mehr Zeit für sich steigt immerhin wahrnehmbar – zumindest in meinem Umfeld. Eine Freundin hat sich ein Meditationsbuch gekauft, ein anderer spielt mehr Klavier, viele gehen öfter raus in die Natur. Klar, niemand muss gleich ein kräuterteeschlürfender Yoga-Hippie werden. Aber hin und wieder eine kleine Auszeit – das müsste doch drin sein.


Über den Autor/die Autorin:

Jacqueline Hadasch

Jacqueline (24) studiert BWL. Das passende Klischee bedient sie aber wenig. Sie schreibt gern über Nachhaltigkeit und geschichtliche Themen und hat eine Vorliebe für Kaffee.

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