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Warum ich den Begriff Girlboss nicht mehr hören kann

Warum ich den Begriff Girlboss nicht mehr hören kann
Foto: Unsplash

Von Girlboss bis Powerfrau, es gibt viele Worte für sie. Gemeint sind Frauen, die sich zur Spitze der Arbeitswelt hochgearbeitet haben. Doch mit Feminismus haben diese Begriffe nichts zu tun. MADS-Autorin Marie erklärt, warum sie Wörter wie Girlboss nicht mehr hören kann. 


Ich scrolle durch den Instagram Feed, gedankenverloren und unachtsam. Bis mir mal wieder auffällt, wie viele Posts mit #girlboss oder #strongwomen versehen sind. Tatsächlich: 22 Millionen Beiträge wurden auf Instagram mit #girlboss markiert. Die Bilder unter dem Hashtag zeigen vor allem eins: junge, selbstbewusste Frauen in pinken Blazern und Highheels mit festem Blick in die Kamera, daneben findet man Motivationszitate und feministische Statements. Mich macht das einfach nur wütend. 

Boyboss und Männerpower?

Auch wenn es zunächst feministisch erscheinen mag, sich Frauenpower zuzuschreiben oder sich als Girlboss zu bezeichnen, ist das Nutzen dieser Begriffe keineswegs ein Akt des Empowerments. Wer Karriere macht ist kein Girl, kein Mädchen, sondern eine erwachsene Frau. Warum sich Frauen freiwillig infantilisieren, verstehe ich nicht. Natürlich ist es eine Besonderheit, wenn eine Frau die gläserne Decke durchbricht und patriarchalischen Strukturen trotzt, aber dennoch: Boss ist Boss. Durch die Nennung des Geschlechts betonen wir diese Besonderheit nur weiter, anstatt erfolgreiche Frauen zu normalisieren. Zumal man einen Mann auch niemals als Boyboss bezeichnen würde, das klingt – in meinen Ohren – albern und unseriös. Genauso ist es auch bei der sogenannten Frauenpower: Ein Mann hat Power, bei einer Frau scheint das etwas Besonderes zu sein, sodass man ein extra Wort dafür braucht.

Ein Mann hat Power, bei einer Frau scheint das etwas Besonderes zu sein, sodass man ein extra Wort dafür braucht.

Schülerin Marie (17)

Girlboss: Begriff für Feelgood-Feminismus 

Schülerin Marie (17) kann Wörter wie Girlboss nicht mehr hören.

Zudem tut die Girlboss-Kultur so, als ob es jede Frau nach oben schaffen könnte, wenn sie nur hart genug dafür arbeitet. Dass einige wenige Frauen es in einem System, das auf Ungerechtigkeiten baut, an die Spitze geschafft haben und sich als Girlbosse feiern, sorgt nicht dafür, das System so zu verändern, dass alle Frauen eine Chance haben. Doch Girlbosse und Powerfrauen lassen sich auch gut vermarkten, sodass sie inzwischen in zahlreichen Werbeclips und Postern zu finden sind. Doch das ist Feelgood-Feminismus, der nicht kritisiert, keine Missstände aufzeigt, sondern soft und angenehm ist und damit eigentlich kein Feminismus mehr ist. Feminismus wird zu “Femvertising” (female empowerment advertising) und damit zur Marketingstrategie im Kapitalismus, der Frauen ohnehin systematisch unterdrückt. Professorin Kristen Ghodsee sagt:  „Der Kapitalismus macht Frauen abhängig und betrachtet sie als eine Art Ware.”

All dies zeigt, warum Begriffe wie Girlboss nicht feministisch sind: Das Ziel des Feminismus ist es, diskriminierende Strukturen zu verändern, sodass alle Frauen gleichberechtigt sind – und nicht nur Powerfrauen und Girlbosse. Wenn Frauen ihre Ziele erreichen, sollte man natürlich trotzdem stolz sein und ihre Arbeit würdigen. Doch diese Arbeit sowie Missstände in der Gesellschaft sollten nicht hinter der Girlboss-Kultur verschwinden: Bis alle Menschen die gleichen Chancen haben, muss noch einiges geschehen. Also: Lasst uns das Girl aus Girlboss streichen. Boss ist Boss.


Über den Autor/die Autorin:

Marie Bruschek

Marie (17) ist Schülerin in der Oberstufe. Wenn sie nicht gerade schlechte Wortwitze macht oder sich zum zehnten Mal Friends anguckt, schreibt sie für MADS über Politik, Feminismus und Social Media.

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