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Hannoveraner radeln für ein besseres Klima durch die City

Foto:  Kutter

Osterferien und winterliche Temperaturen halten sie nicht vom Protest haben: Mehr als 550 Hannoveraner sind am Freitagnachmittag bei der Fridays-for-Future-Demonstration für eine andere Klimapolitik durch die Innenstadt geradelt. Am Ende gab es ein Picknick im Georgengarten. 


Es ist kein Radtourwetter – vier Grad und leichte Schneegraupel – und es sind Osterferien: Trotzdem haben am Freitagnachmittag wieder fast 600 Schüler für eine andere Klimapolitik demonstriert. Statt zu Fuß sind die Fridays-for-Future-Demonstranten dieses Mal mit dem Rad unterwegs. Die anderthalbstündige Tour führt vom Opernplatz und Aegi über die Hildesheimer Straße und Altenbekener Damm am Maschsee entlang, dann geht es über das Leibnizufer zum Georgengarten. Autos müssen warten, die Polizei sperrt immer wieder kurzfristig die Kreuzungen ab. 

Es sind nicht nur Radfahrer dabei, einige fahren mit Rollern, ein Mädchen mit einem Penny-Board, manchmal lässt sich die Schülerin von ihrer Freundin auf dem Rad ziehen. Ein Mann fährt sogar Einrad. Auch die „Omas gegen Rechts“ demonstrieren wieder mit, wie auch schon bei den vorherigen Demonstrationen. „Hepp, hepp, hepp, Autos weg“, rufen die Schüler immer wieder.

Nach gut 90 Minuten haben die Schüler den Georgengarten erreicht. Dort hat das Organisationsteam ein Buffett mit Bio-Limonate, Äpfel, Bananen, Brötchen und veganem Brotaufstrich aufgebaut. Viele Schüler haben Picknickdecken mitgebracht und lassen sich auch von den eisigen Temperaturen nicht vom Picknick abhalten. Inga (16) ist aus Sehnde angereist. Sie will auch in den Ferien Flagge zeigen: „Klimaschutz ist wichtig, unsere Generation muss die Folgen tragen.“ Es gehe um die Sache, nicht ums Schule schwänzen, sagt Lotta (16). Sie kritisiert, dass in der Politik, aber auch in der Berichterstattung die Tatsache, dass die bisherigen Demonstrationen in der Schulzeit stattgefunden haben, mehr im Fokus stand als die Ziele der jungen Klimaschützer. 

Video: Saskia Döhner

Eine 15-Jährige aus der Nähe von Barsinghausen ist zum ersten Mal dabei. Sie erzählt, dass sie in der Schulzeit nicht demonstrieren gehe, weil ein Lehre, in dessen Stunde die Freitagsdemos immer fielen, das Fehlen echt übelnehmen würde und für die Fehlstunde eine Sechs geben würde. Aber in den Osterferien gibt es für die Teilnahme an der Klimaschutz-Demonstration ja keine Sanktionen durch Lehrer. 

Ein Abiturient der St.Ursula-Schule sagt, es sei beeindruckend gewesen, wie ein paar  hundert Fahrradfahrer mal so eben den Verkehr in der City zeitweise lahmgelegt hätten. Jeder könne sich selbst für den Umweltschutz engagieren, sagt er: „Mehr Einkäufe mit dem Rad erledigen, Müll sorgfältig trennen, auf Plastik und Verpackungen verzichten.“ Eine Schülerin sagt, sie habe neulich eine Zahnbürste aus Bambus gekauft. „Das war ganz einfach, ein kleiner Schritt, aber immerhin.“ Die Jugendlichen erzählen, dass sie sich freuen, dass sie gehört werden. 

„Allein denkt man, man kann nicht viel aurichten, aber zusammen kann man Druck ausüben“, sagt Jakob (19) von der Waldofschule Bothfeld. Das Engagement der vielen Schüler zeige, dass die junge Generation mitnichten apolitisch sei und nur vor dem Handy hänge. Deswegen sei er auch dafür, dass auch schon 16-Jährige wählen düften. „Es ist falsch zu sagen, die die noch unreif sind“, meint Lea (18). Die jungen Umweltschützer widerlegten dies eindrucksvoll. Durch die Fridays-for-Future-Demos denke man auch mehr über sein eigenes Leben nach und darüber, was man selbst verändern könne, sagt Alicia (19). Schüler sind enttäuscht vom Gespräch mit OB Schostok

Vier Fridays-for-Future-Aktivistinnen hatten sich am Donnerstag zu einem gut einstündigen Gespräch mit Oberbürgermeister Stefan Schostok im Rathaus getroffen. Der OB zeigte sich vom Wissen und Engagement der Schüler, von denen einige mitten im Abitur stehen, begeistert und sagte anschließend, er habe die Schülerinnen eingeladen, bei der Formulierung der nächsten Klimaschutzagenda für Hannover 2030 mitzuwirken. 

Die Jugendlichen werteten das Gespräch mit Schostok ganz anders als dieser: „Wir sind sehr frustriert“, schreiben Lou Töllner, Anna Kraeft, Anton Musterer und Katja Schwab in einer Pressemitteilung. „Obwohl Hannover die Klimaziele von 2020 katastrophal verfehlen wird, werden keine ausreichenden Konsequenzen gezogen. Diese sind aber dringend notwendig, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Wir fordern, dass auf Worte Taten folgen! Besonders die Verkehrswende muss endlich konsequent eingeleitet werden.“


„Es ist wichtig, dass wir Kinder unsere Meinung sagen“

Line Krack (12) aus der Südstadt findet es gut, dass endlich auch Kinder ihre Meinung sagen. (Foto: Kutter)

​Line Krack (12) aus der Südstadt war schon bei der Fridays-for-Future-Demonstration im März dabei. Dass sie auch jetzt mitradelt, findet sie wichtig: „Es ist gut, dass jetzt auch wir Kinder unsere Meinung laut sagen und nicht nur die Erwachsenen demonstrieren gehen, mit ,Atomkraft, nein danke’ oder so.“ Schließlich sei es ja die Zukunft der Kinder, um die es gehe. Die Erwachsenen würden nicht so sehr unter den Folgen der verfehlten Klimapolitik leiden wie die Kinder: „Die leben ja nicht mehr so lange auf dieser Welt wie wir.“ 

Die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden, die durch ihren Klimastreik die weltweite Fridays-for-Future-Bewegung ausgelöst hat, ist für Line ein Vorbild: „Ich finde es cool, was sie erreicht hat, obwohl sie so jung ist.“ Die Waldorfschülerin lebt auch selbst umweltbewusst, verzichtet auf der Plastik und Verpackungen und versucht, viel wiederzuverwerten und wenig wegzuwerfen. Sie esse wie ihre Eltern Bio-Obst und -gemüse, zum Beispiel Produkte von Demeter, sei zwar keine Vegetarierin, sagt die Schülerin, sie achtet aber darauf, dass die Tiere, dessen Fleisch sie isst, artgerecht gehalten wurden. Auf ihrem selbstgemalten Plakat steht: „Ihr denkt, die Erde ist ein Mülleimer, doch entleeren tut ihn keiner.“


„Auf Flugreisen verzichte ich lieber“

„Die Klimaziele müssen jetzt, nicht 2050 erreicht werden“: Student Florian Ströcker (21) aus der Südstadt. (Foto: Kutter)

Florian Ströcker (21) aus der Südstadt hat schon eine ganze Weile darüber nachgedacht, dass er bei den Fridays-for-Future-Aktionen teilnehmen will. Heute ist er das erste Mal dabei. Er findet es gut, dass die Kundgebung in den Osterferien stattfindet: „Das unterstreicht die Ernsthaftigkeit, zuletzt stand doch in der öffentlichen Wahrnehmung sehr der Aspekt des Schulschwänzens sehr im Fokus, aber völlig zu Unrecht.“ Denn das Anliegen der jungen Umweltaktivisten sei sehr wichtig: „Es geht um unsere Zukunft.“ Die Klimaziele müssten jetzt und nicht 2050 erreicht werden sagt er.

Greta Thunberg ist für ihn ein Vorbild, es sei beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit sie ihre Forderungen vertrete. In seinem dualen Studium „Soziale Arbeit“ hat Florian Ströcker auch mit Asperger-Autisten wie Greta zu tun. Da erkenne er bestimmte Verhaltensweisen wieder.

Er selbst tut auch aktiv etwas für die Umwelt, fährt Bahn statt Auto, kauft Bio und ohne Verpackung, versucht, Müll zu vermeiden, verzichtet weitgehend auf Plastik. Neulich sei er mit dem Zug in den Urlaub gefahren, aber zurückgeflogen: „Da hatte ich ein ziemlich schlechtes Gewissen“, gibt Florian zu. Künftig will er lieber auf Flugreisen verzichten.

Weitere Bilder und Stimmen von der Demo


Von Saskia Döhner

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Unter diesem Namen sammeln wir Beiträge von Gastautoren, Autorenkollektiven oder freien Mitarbeiter bei MADS. Die Namen des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin stehen dann immer unter dem einzelnen Beitrag.

6 Bemerkungen

  1. Avatar

    eigentlich sehe ich da fast nur ältere auf den Bildern

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      Tolle Aktion in den Ferien!

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        Ja, wenn jetzt auch noch viele Schüler und nicht nur die Grünen Wähler dabei gewesen wären 😉

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  2. Avatar

    Ach, das geht also auch nachmittags ??? Ach so, sind ja Ferien…..

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      Genau, da sehen Sie dann ja, es geht eben NICHT ums schwänzen…
      Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum man sich über politisch aktive Schüler aufregt, und nicht über das Nichtstun und Verschleppen dee Politik!

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  3. Avatar

    Verkehrswende, und am Ende fahren Sie alle Autos. Ein totaler Verzicht, ein Leben lang kein Auto, wer von den Fahrradfahrern hält das aus?

    Alle machen den Führerschein(Auto oder/und Motorrad) oder oder auch da der Verzicht? Alternative Treibstoffe und schon ist das Auto wieder
    dein bester Freund.

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