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Rostocker Schüler entwickeln Ideen für sichere Parks mit Herz für Insekten

Rostocker Schüler entwickeln Ideen für sichere Parks mit Herz für Insekten
Foto: Klaus Amberger

Gymnasiasten aus Rostock entwickeln kluge Vorschläge, wie etwa der geplante Buga-Park an der Warnow gestaltet werden müsste. Damit sich Besucher auch bei Dunkelheit noch wohlfühlen und die Artenvielfalt, vor allem die der Insekten, nicht leidet.

Sie haben mehr als 150 Leute in Rostocker Parkanlagen befragt. Fühlen Sie sich sicher hier?„Ein Großteil sagt, dass er sich eher unsicher in Parkanlagen fühlt und es bei Dunkelheit vermeidet, solche Orte durchqueren zu müssen“, sagt der Gymnasiast Moritz Junge (18). „70 Prozent sagen, sie fühlen sich in Parkanlagen nicht sicher, 92 Prozent sprachen sich dafür aus, die Sicherheit in den Grünanlagen zu erhöhen“, sagt Lilly Hantusch (17).

Beide Schüler gehen in die 12. Klasse am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Rostock. Mit ihrer Umfrage wollten sie und ihr kleines Team zunächst erst einmal abklären, ob es eine Notwendigkeit für ihr Projekt gibt, das LUNE heißt (Lighting, Urban Nature, Equality). Es geht um Parkgestaltung. Um eine Gestaltung, die das Sicherheitsgefühl der Leute insbesondere bei Dunkelheit stärkt und die zugleich Schutz für Tiere und Pflanzen bietet.

Sie wollen den Erhalt der Artenvielfalt und eine Verbesserung des Wohlfühlfaktors bei Parkbesuchern zusammen denken. Sie wollen, dass Wege in Parks besser ausgeleuchtet werden, aber auf eine Weise, die nicht schädlich für Tiere und Pflanzen ist und kaum Energie verbraucht. Und sie wollen, dass ihre Gedanken tauglich für die Praxis sind. Etwa für die Flächen der Bundesgartenschau (Buga), die 2025 in Rostock stattfinden soll.

Gelbes Licht ist gut für Insekten

Für die Sicherheit in Parks sind mehr Lampen für die Ausleuchtung wichtig. „Aber mehr Licht in der Nacht ist relativ schädlich für die Umwelt“, sagt Moritz „Deshalb braucht man Licht, das insektenfreundlich ist.“ Dafür würden sich LED-Lampen eignen, die eine bestimmte gelbe Leuchtfarbe besitzen, die Insekten kaum anzieht, welche ansonsten die Lampen umschwirren, sich zum Teil verbrennen oder vor Entkräftung sterben. „Man müsste nur in bestehenden Lampen die LED-Lampen nachrüsten – das ist unproblematisch.“

Des Weiteren sollen Bewegungsmelder dafür sorgen, dass die Parks nur an den Stellen ausgeleuchtet werden, wo sich Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegen. „Es gibt auch Gehwegplatten, die durch den Auftritt die Energie für die Lampen erzeugen“, weiß Moritz. Allerdings seien die Platten in der Anschaffung relativ teuer.

Breitere Wege, kein Asphalt

Neben der Beleuchtung sei „das Park-Design für das Sicherheitsgefühl relevant“, meint Lilly. Zum Beispiel könnten Hecken weiter entfernt von Wegen gepflanzt werden, um die Furcht vor plötzlich hinter Hecken auftauchenden Personen zu entschärfen. „Verzichtet werden sollte aber auf Hecken nicht, da sie wichtig für die Biodiversität sind.“ Beim Wegebau sollte auf Asphalt verzichtet werden. „Schritte auf Kies sind besser hörbar und gleichzeitig kann Regenwasser auf Kieswegen besser versickern. Auch die Breite der Wege spielt für die gefühlte Sicherheit eine Rolle. „Mehr Distanz durch breitere Wege schafft für viele ein besseres Gefühl“, erläutert Lilly.

Begleitung durch Wissenschaftler

Die Projektergebnisse der Abiturienten sind auch Ergebnis einer langen Vorarbeit. Seit dem vergangenen Winter haben die Schüler daran gearbeitet, setzten sich beispielsweise mit der Technischen Universität Dortmund und dem Landeskriminalamt Niedersachsen in Verbindung, um zum Thema „Urbane Sicherheit“ zu recherchieren. Zwei Wissenschaftler begleiteten die Projektarbeit, die durch „Yes!“ vermittelt wurden. Yes! – Young Economic Summit – ist Deutschlands größter Schulwettbewerb zu ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Fragen. Dieser wird gefördert durch die Joachim-Herz-Stiftung und das Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft aus Kiel. Die Yes!-Schirmherrschaft hat das Bundeswirtschaftsministerium.

Buga-Planungsbüro kennt das Schülerprojekt

Die Rostocker Buga-Beauftragte Renate Behrmann kennt das Projekt der Gymnasiasten. „Die Anschaulichkeit ihrer Präsentation und die vielen Aspekte, die sie beachtet haben, sind beeindruckend und wurden von uns sehr ernst genommen“, sagt sie. Ob nun Vorschläge in der Planung für den Buga-Park an der Warnow umgesetzt werden, könne sie derzeit noch nicht versprechen. Aber fest steht, dass „die Hecken etwas weiter von den Wegen entfernt gepflanzt werden, damit die Gäste des leicht ansteigenden Geländes das Wasser vom Weg aus sehen können.“ So kämen das Nützliche und das Gute schon mal zusammen.

Nun zum Bundesfinale

„Unsere Ergebnisse werden wir beim Bundesfinale per Videokonferenz vorstellen“, sagt Lilly. Vom 22. bis 24. September geht der Ausscheid über die Bühne. „Das Besondere ist, dass die Sieger von allen Teilnehmern gekürt werden.“ Es gibt keine Jury, sondern die konkurrierenden jungen Teams sind die Jury-Mitglieder. Hinzu kommt, dass die deutsche Sprache beim Finale des Gipfels keine Rolle spielt. Es wird Englisch gesprochen. Demzufolge ist auch die Homepage des Rostocker Teams – www.lune- concept.org – in Englisch gehalten. Na dann, best of luck!

Schüler machen bei YES! mit

YES! – Young Economic Summit – ist der größte Schulwettbewerb in Deutschland zu ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Fragen. YES! ist ein Projekt der Joachim Herz Stiftung aus Hamburg und des Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) in Kiel.

Von Klaus Amberger

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