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Kinostart von „Es 2“: Der böse Clown ist zurück

Kinostart von „Es 2“: Der böse Clown ist zurück
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Der böse Clown aus Stephen Kings Gruselreich kehrt am 6. September in die Kinos zurück. Die Helden des ersten Films sind erwachsen, und haben in “Es Kapitel 2” Schwierigkeiten, Pennywise zu bekämpfen. Gottseidank entpuppt sich das Monster als ziemlich unfähig, seine Gegner zu dezimieren.


Der Clown ist wieder da: mit ulkigen Hasenzähnen, Pausbacken und roten Luftballons. Seine Augenschminke erinnert ein wenig an die Gesichtslinien eines Geparden, das allein lässt auf seine Raubtiernatur schließen. Pennywise, so nennt er sich, hat in Wirklichkeit Zähne wie Messer, Hunger auf Menschen, deren Leichen er in seinem Versteck „schweben“ lässt, einer seltsamen Kanalkathedrale unter Derry, der muckeligen Stadt am Kenduskeag River.

2016 verschwinden wieder Kinder in Derry

1989 hatten sieben Kinder den Clown (fast) vernichtend geschlagen, sich danach zu Blutsbrüdern verbündet. Dann hatten sie sich geschworen, erneut zusammenzustehen, sollte das Böse in 27 Jahren zurückkehren (so lange hat es in seinem Äonen währenden Leben immer wieder zwischen seinen Mordserien „geschlafen“). Jetzt ist 2016. Und wieder verschwinden Kinder in Derry.

Die erste Seite in Stephen Kings dickleibigem Buch „Es“ von 1986 gehörte dem Regen, einem Rinnsteinboot und dem Tod, die letzte einem Fahrrad, der Sonne und einem Kuss. Dazwischen lagen 850 Seiten wohlfeilen Horrors. Zwei Filme machte Regisseur Andy Muschietti aus dem vielleicht besten Roman Kings, einer Art „drei ???“ des Grauens. Der erste Film schwang sich im Vorjahr auf zum erfolgreichsten Horrorfilm bis dato auf, der zweite zollt mit 165 Minuten Länge neuerlich seiner enorm dicken Vorlage Tribut.

Der erwachsene „Club der Verlierer“ ist weniger herzerwärmend

Verschränkte das Buch die zwei zeitlich versetzten Gefechte kunstvoll, trennt Muschietti fürs Kino in ersten und zweiten Waffengang. Zahlreiche Rückblenden verschaffen den beliebten Kindercharakteren freilich auch im zweiten Film Raum. Das ist wichtig, denn der erwachsene „Club der Verlierer“ ist bei weitem nicht so herzerwärmend wie es die adoleszente Variante war. Die namhaftesten Schauspieler hier sind James McAvoy als Schriftsteller (Stotter-)Bill Denbrough und Jessica Chastain als Beverly Marsh. Das einst unerschrockenes Mädel im Bund der Buben läuft als Erwachsene allerdings vorzugsweise schreiend durch die Gegend.

Bill, Bev, Mike Hanlon, Ben Hanscom, Eddie Kaspbrak, Richie Tozier, Stanley Uris und Beverly Marsh müssen im Erwachsenenalter in „Es, Part II“ein zweites Mal gegen den Horrorclown antreten. Die Blutsbrüder von einst haben sich längst aus den Augen verloren, die Erinnerungen an den Kampf sind fast verschwunden, ihre kindliche Vorstellungskraft auch. Wir erinnern uns, dass Derrys Bürger das Kinder fressende Monster im ersten Film kaum wahrnahmen. Der Drache trifft also auf einen siebenköpfigen Siegfried, halb taub, halb blind und äußerst furchtsam. Der Selbstmord Stanleys vermindert die magische Zahl der Recken dann auch noch früh auf sechs.

Eigentlich leichtes Spiel für das potenziell mächtigste Wesen, das je aus der Twilight Zone in unserer Welt vorbeigeschaut hat, Sollte man jedenfalld meinen. Zumal die Widersacher erst einmal einzeln ihr Gedächtnis auffrischen wollen und dazu an unheimliche oder traumatisierende Stätten ihrer Kindheit zurückkehren. Sechs gefundene Fressen für das Biest, ein ums andere Mal aber ist es dann gerade Pennywise, der abserviert wird. Da macht einer partout nicht kaputt, was ihn kaputt machen will, und heuert dazu noch ein Faktotum an, das ein Dracula noch in der Probezeit wieder rausgeschmissen hätte. Es ist zum Verzweifeln, so als gäbe es neuerdings Fairplay bei Monstern.

Gegen Filmende landet das Monster dann noch einen Glückstreffer

Ein Biest, das seine Jäger nicht dezimiert, gilt dem Genrefan schnell als Langweiler. Pennywise liefert nichts als Halluzinationen und Mummenschanz aus der Zombiewerkstatt, der optisch manchmal nur das Niveau von Geisterbahn-Pappkameraden der Achtzigerjahre erreicht. Kurz vor Schluss landet er dann tatsächlich noch einen Glückstreffer, was seine Einstufung als Oberloser nicht mehr verhindern kann. Dieser Clown ist lächerlich, zweite Spukliga. Ganz im Gegensatz zu dem Pennywise in Kings Buch.

„Let’s all drink to the death of a clown“, könnten die Helden Dave Davies‘ Hit von 1969 bei einer Siegesfeier absingen. Wobei: richtig sicher kann man bei einem von Pennywise‘ Sorte ja nie sein, wirklich Bescheid wissen wir erst 2046.

Lies auch: Stephen King erzählt von einer Himmelfahrt

Von Matthias Halbig/RND


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