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Selbstexperiment: In 14 Tagen zum Klimatarier?

Selbstexperiment: In 14 Tagen zum Klimatarier?

Gemüseaufstrich statt Käse, Margarine statt Butter und so wenig Zutaten wie möglich: Bei der Klimatarier-Challenge wird der Speiseplan klimafreundlich auf den Kopf gestellt. Das hat MADS-Autorin Emma durch das Selbstexperiment gelernt. 


​Als ich in mein Butterbrot beiße, ist es schon zu spät: Erschrocken stelle ich fest, dass ich zum ersten Mal gegen die Regeln des Klimatarier-Experiments verstoßen habe. Mist! Dabei hatte ich mir während des Grillens mit meinen Eltern wirklich Mühe gegeben – statt zum Würstchenteller zu greifen, bediente ich mich am Salatbuffet. Denn ich habe mir vorgenommen, zwei Wochen lang an der Klimatarier-Challenge teilzunehmen. Im Internet bin ich auf eine Website gestoßen, die diesen Wettbewerb ausgerufen hat. Während dieser Zeit will ich mich klimafreundlich ernähren. Das heißt: Tierische Produkte wie Butter und Fleisch müssen von meinem Teller weichen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie ich anfangs dachte.

Für ein Viertel der Emissionen ist unser Lebensmittelkonsum verantwortlich

Statt dem Auto nehme ich das Fahrrad, für Langstrecken fahre ich mit dem Zug und so gut es geht, verzichte ich auf Plastik. Möglichst klimafreundlich zu leben, liegt mir schon lange am Herzen. Über die Folgen meiner Ernährung habe ich mir dagegen bisher kaum Gedanken gemacht. Dabei können sich gerade die täglichen Mahlzeiten gravierend auf Umwelt und Klima auswirken: Für ein Viertel der weltweiten Emissionen ist unser Lebensmittelkonsum verantwortlich. Über die Hälfte dieser Emissionen stehen in Verbindung mit tierischen Produkten, obwohl diese nur etwa ein Fünftel unseres Kalorienverbrauchs decken. Nach Angaben des Weltklimarats IPCC müssen wir in den nächsten Jahren weniger Fleisch, Milch, Käse und Butter essen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Eine ziemlich große Herausforderung.

Klimatarier: Die Umwelt-Bilanz durch das Essverhalten verbessern

Klimaterier wollen sich genau dieser Herausforderung stellen. Ihr Ziel: Möglichst wenig klimaschädliche Auswirkungen durch das eigene Essverhalten verursachen. Um mich schrittweise an die klimafreundlichen Ernährungsweise heranzutasten, starte ich mit der mehrwöchigen Klimatarier-Challenge. Ab der ersten Woche soll ich rotes Fleisch vermeiden und nicht mehr als acht Kilogramm CO2 pro Tag mit Essen verursachen. Auch die Butter wird vom Speiseplan gestrichen und durch Margarine ersetzt. Ein Thema, das auf der Seite von klimatarier.com sehr ausführlich behandelt und durch verschiedene Rezepte gefördert wird. Bei genauerer Recherche wird mir auch klar, weshalb: Zu den Marken des Betreibers der Seite, Upfield Holdings, ​zählen Becel, Lätta und Rama – die klassischen Margarinemarken. 

Bis auf meinen Butter-Fauxpas beim Grillen fällt mir die erste Klimatarier-Woche recht leicht. Dadurch, dass ich sowieso nur Hühnerfleisch mag, muss ich auf wenig verzichten. Stolz stelle ich fest: In der ganzen Zeit bleibe ich sogar unter der empfohlenen CO2-Menge. 

Ziemlich klimaneutral: MADS-Autorin Emma erntet Tomaten, Kräuter und Salat im Garten ihrer Eltern.

Der CO2-Rechner hilft die Gerichte auf ihre Umweltbilanz zu testen

Mithilfe des CO2-Rechners auf klimatarier.com kann ich ganze Gerichte auf ihren CO2-Wert überprüfen. Die Website enthält allerdings noch nicht alle Lebensmittel, weshalb ich auch den „Climate change food calculator“ von der BBC nutze. Besonders klimaschädlich: Rotes Fleisch von Kühen und Schweinen, die bei ihrer Verdauung viel Methangas produzieren. Das wusste ich allerdings auch schon vor dem Experiment.

Schockiert muss ich dagegen feststellen, wie klimaschädlich Kaffee aufgrund der langen Transportwege ist. Obwohl mir Kaffee keine notwendigen Kalorien und Nährstoffen gibt, ist das koffeinhaltige Getränk fester Bestandteil meiner Morgenroutine. Doch durch das Trinken meiner täglich etwa zwei Tassen Kaffee, verbrauche ich in einem Jahr 311 Kilogramm CO2. Das entspricht einer Autofahrt von 1279 Kilometern – etwa von Frankfurt nach Rom.

Mit dem CO2-Rechner auf klimatarier.com kann man die CO-2-Bilanz von selbst zusammengestellten Gerichten überprüfen.

Meine Sünden: Käse und Nussnougatcreme

Mit Beginn der zweiten Woche habe ich mein Wissen über sämtliche Produkte extrem gesteigert. Dafür sind die Aufgaben nun aber auch deutlich schwieriger. Ich darf nichts mehr wegschmeißen und muss eine leckere Alternative zu den drei klimaschädlichsten Lebensmitteln in meinem Kühlschrank finden. Meine Sünden: Verschiedene Sorten Käse, Frischkäse und Nussnougatcreme. Fündig nach Ersatzprodukten werde ich unter anderem im Bioladen. Veganer Käse, eine Mandelcreme ohne Milch, “Frischkäse“ gemacht aus der Süßlupine –einer Blume – und ein Gemüseaufstrich landen in meinem Einkaufswagen. Ein bisschen teurer ist der Einkauf schon. Das liegt aber daran, dass ich nicht auf meinen Aufstrich verzichten möchte. 

Kochen mit nur drei Zutaten fällt schwer

Mit dem Süßlupinen-Aufstrich habe ich auch gleich ein weiteres To-Do dieser Woche erledigt: Ein noch nie gegessenes pflanzliches Produkt ausprobieren. Obwohl die Käsealternativen überraschend gut schmecken, fällt mir der Verzicht schwer. Ich vermisse den Brie am Morgen und den Parmesan über meiner Pasta. Doch das Schwierigste in der ganzen Woche ist der letzte Punkt auf meiner Liste: Kochen mit nur drei Zutaten. Mehr als Spaghetti aglio e oli (Knoblauch, Olivenöl, Nudeln) mit verschieden Gewürzen fällt mir nicht ein. 

Nach zwei Wochen bin ich definitiv noch keine Klimatarierin. Beim nächsten Grillen werde ich wohl auch mal zum Geflügelwürstchen oder zur Butter greifen. Dennoch möchte ich meinen Konsum in Zukunft einschränken: Ich komme eben auch gut ein paar Tage ohne Brie, Parmesan und Nussnougatcreme aus – das hat mir das Experiment auf jeden Fall gezeigt. 

Von Emma Schell


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