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Geldpolitik des Eurosystems: Was ist mein Geld wert?

Geldpolitik des Eurosystems: Was ist mein Geld wert?
Foto: Frank Rumpenhorst

Interview mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Mit der Geldpolitik sichern wir die Preisstabilität“


Hallo Herr Weidmann, was machen Sie eigentlich als Präsident der Deutschen Bundesbank?

Zunächst einmal bin ich Chef einer Institution mit vielfältigen Aufgaben: Wir stellen der Wirtschaft Euro-Bargeld bereit und sorgen dafür, dass die Überweisungen funktionieren. Zudem beaufsichtigen wir die Banken. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im EZB-Rat habe ich aber vor allem die Aufgabe, die Preisstabilität zu sichern, also den Wert des Geldes zu erhalten.

Was müssen Sie da sichern? Der Wert des Geldes steht doch auf jedem Geldschein.

Klar, 20 Euro bleiben immer 20 Euro. Die Frage ist aber, was kann man dafür kaufen? Der Wert des Geldes liegt in seiner
Kaufkraft. Diese hängt von den Preisen der Güter ab. Je stärker die Preise steigen, umso stärker verringert sich der
Wert des Geldes.

Wie stellen Sie fest, ob das Geld seinen Wert behält?

Wir beobachten dafür die Inflationsrate im Euroraum. Die Inflationsrate gibt wieder, wie sich die Preise für einen bestimmten Warenkorb im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr verändert haben. Solange die Inflationsrate unter, aber nahe 2 Prozent liegt, haben wir unser Ziel der Preisstabilität erreicht.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann

Was können die Notenbanken denn machen, wenn die Preise stärker steigen?

Mit unserer Geldpolitik können wir die Zinsen in der Wirtschaft beeinflussen. Wenn wir den Leitzins erhöhen, dann erhöhen auch die Geschäftsbanken ihre Zinsen. Für Unternehmen, Hauskäufer und Konsumenten wird es in der Folge teurer, sich Geld zu leihen. Einige werden dann davon Abstand nehmen, eine neue Maschine zu erwerben, ein Haus zu bauen oder ein
Auto zu kaufen. Insgesamt wird also weniger verkauft und das dämpft den Preisanstieg.

Also ist es Ihnen lieber, wenn die Preise fallen?

Auch wenn Preise auf breiter Front fallen, also eine Deflation entsteht, birgt das Gefahren. Zwar steigt bei sinkenden
Preisen tatsächlich die Kaufkraft. Für die Wirtschaft können sinkende Preise aber schlecht sein. Die Unternehmen verdienen weniger und für die Kreditnehmer wiegt die Schuldenlast schwerer. Das kann zu Lohnkürzungen, Entlassungen und Arbeitslosigkeit führen.

Und wie reagieren Notenbanken in einer solchen Situation?

Sie sollten dafür sorgen, dass es gar nicht erst soweit kommt. Eine Deflation kommt ja nicht über Nacht. Es bleibt genug Zeit gegenzusteuern und die Wirtschaft zu beleben. Niedrige Zinsen helfen in einer solchen Situation. Im Notfall kann die Zentralbank durch Interventionen am Kapitalmarkt auch die langfristigen Zinsen drücken und in großem Umfang
Liquidität bereitstellen. Auch das hilft, die Wirtschaft zu beleben und trägt dazu bei, dass die Preise nicht weiter fallen.

Eine letzte Frage noch: Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?

Da geht es mir vermutlich wie vielen, ausreichend Geld zu haben, nimmt einem schon die eine oder andere Sorge. Daher ist es gut, einen Beruf zu erlernen und sein Auskommen zu haben. Aber umgekehrt sollte man nicht glauben, dass immer mehr Geld immer glücklicher macht. Andere Dinge zählen auch: Dass die Arbeit erfüllend ist, dass man spannende Interessen hat und dass man in der Familie und im Freundeskreis füreinander da ist.

Das Interview führte Antonia Eichenauer vor der Corona-Krise.


Über den Autor/die Autorin:

Tomma Petersen

Tomma (30) ist Redakteurin und leitet die MADS-Redaktion. Zu den Konferenzen bringt sie immer Haribo mit.

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