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Alte Liebe: Klappt ein zweiter Versuch?

Alte Liebe: Klappt ein zweiter Versuch?
Foto:  Getty Images/iStockphoto

Wenn eine Liebesbeziehung kaputt geht, kann das viele Gründe haben. Ein zweiter Anlauf kann – nach Psychologen – tatsächlich klappen. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen.


Bei Tini und Raúl ging alles ganz schnell. Sie waren Studenten, sie fühlten sich frei, verliebten sich und waren eines dieser attraktiven Turtelpaare, bei deren Anblick man insgeheim neidisch werden kann. Weil alles ganz wunderbar lief, zogen Tini und Raúl nach einem Jahr zusammen. Gemeinsam machten sie aus der neuen Wohnung ihr persönliches Reich, stylish und gemütlich.

Parallel startete für Raúl der Berufsalltag. Die Arbeitstage waren schier ewig, die Belastung enorm. Tini hatte durchaus ihr eigenes Leben. Nur das gemeinsame Leben wurde immer kürzer und eindimensionaler. Raúl suchte Ausgleich durch Partys und Freunde, Tini wollte lieber entspannende Zweisamkeit. Es kam, wie es vermutlich viele Paare kennen: Frust, Streit, Frust, Streit, Affäre. Als Tini davon erfahren hat, dass Raúl sie seit einigen Wochen betrügt, war die Beziehung am Nullpunkt.

Hauptfehler einer Beziehung: Den Partner ändern zu wollen

Wie soll so ein Trümmerfeld Basis für einen zweiten Anlauf sein? Tini war wütend, sah die Hauptschuld bei Raúl. Raúl wiederum war nur noch frustriert und genervt: „Klar wusste ich, dass die Affäre plumpe Bestätigung fürs Ego ist. Aber zu Hause hatte Tini ständig was zu motzen. Ich kam mir vor wie einer, der bei der Arbeit buckeln muss und dann noch von seiner Freundin fertiggemacht wird.“ Die beiden trennten sich, zogen wieder in eigene Wohnungen und verarzteten ihre Wunden.

„Der Hauptfehler innerhalb einer Beziehung ist meistens, dass wir unseren Partner abarbeiten und versuchen, ihn zu ändern. Daraus ergeben sich ständige Machtkonflikte“, schildert Wolfgang Krüger. Aus seinem Praxisalltag weiß der Psychologe und Buchautor genau, „dass das Allerwichtigste in einer schwierigen Beziehung ist, den Fokus des Lebens auf sich selber zu richten, eine größere Form von Selbstständigkeit und Lebensfreude zu haben. Aus dieser Position einer größeren Gelassenheit heraus gelingt es viel eher, die Partnerschaft zu verändern.“ Schafft man das aber nicht innerhalb der Beziehung, dann gerät man in eine Ohnmachtsfalle – womöglich mit Trennung als Folge.

Bumerang-Liebe: Wann es beim zweiten Anlauf klappt

Wolfgang Krüger hat sich intensiv mit dem Phänomen der sogenannten Bumerang-Liebe beschäftigt. Warum ein zweiter Anlauf klappen kann, hat seiner Einschätzung nach bereits mit den Trennungsphasen zu tun, vor allem mit der dritten. In der ersten Phase seien frisch getrennte Menschen hell entsetzt und durcheinander. In der zweiten Phase versuchten sie sich zu finden, so der Psychologe, und „in der dritten Phase kommt immer eine Trauerphase, in der man etwas stabilisierter wird und dann begreift: Was in der vorherigen Beziehung war, werde ich nie mehr bei einem anderen Menschen finden.“

Tatsächlich sind 80 Prozent der Deutschen der Ansicht, sich zu früh getrennt zu haben. In eben dieser dritten Trennungsphase machen daher 10 Prozent den Versuch, die alte Beziehung noch einmal zu aktivieren. Nachvollziehbar, teilt man doch einen gemeinsamen Schatz an Erinnerungen und kennt die Gewohnheiten des anderen. Aber es verlange laut Krüger noch mehr, um eine zu Bruch gegangene Beziehung richtig zu kitten.

Alltagsstress schadet der Liebesbeziehung

„Trennungsgründe dürfen nicht zu sehr in der Persönlichkeit verankert sein, weil man diese natürlich schwerer ändern kann“, erklärt der Psychologe. Anders sehe es mit äußeren Gründen aus, etwa zu viel Arbeit, Stress mit den Kindern, Arbeitslosigkeit, Krankheit. Viele Partnerschaften leiden durch solche äußeren Bedingungen an mangelnder Aufmerksamkeit und Beachtung. Wenn sich nach einer Trennung die Bedingungen geändert haben, schaffe das eine neue, stabilere Basis. Entscheidend sei auch, dass sich beide Partner in der Trennungsphase nicht zu sehr gekränkt und gedemütigt haben. Beleidigungen unter der Gürtellinie sitzen häufig tief. Und zuletzt sei entscheidend, dass beide eine gewisse Nachdenklichkeit und Demut haben. Beide sollten nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst gründlich in Frage stellen, um dann zu dem Schluss zu kommen: Wir wollen uns wirklich ändern.

Zeit heilt Wunden und Verletzung

Tini und Raúl haben nach fünf Jahren einen zweiten Anlauf gewagt. Zuvor hatten sie kurze Beziehungen mit anderen, richtig verbindlich wurde es aber nie. Die Zeit milderte Zorn und Verletzung. Beide hatten sich ein Stück weit in ihren Lebenssituationen stabilisiert, als sie sich wieder begegneten. Tini hatte außerdem eine Therapie gemacht. Wie schnell die alten Liebesgefühle wieder da waren! Allerdings kamen ähnlich schnell die Bedenken, auch aus dem Freundeskreis. „Natürlich hatte ich Angst, wieder betrogen zu werden“, erzählt Tini, „aber da war auch wieder dieses Vertrauen. Mal abgesehen von meinem Herz, das fast rausgehüpft ist. Außerdem habe ich in den Trennungsjahren schon viel dazugelernt. Ich habe verstanden, dass dem Seitensprung einiges vorausging. Das war nicht allein Raúls Schuld, dass wir unsere Beziehung an die Wand gefahren haben.“ Tini und Raúl sind im zweiten Anlauf seit acht Jahren zusammen. Sie haben geheiratet, drei Kinder bekommen. Sie sind nicht frei von Streits und Auseinandersetzungen, aber sie wissen, dass sie zusammengehören. Und sie haben Strategien entwickelt, mit Beziehungskonflikten zurechtzukommen

Von RND/Andrea Mayer-Halm


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