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119 Pflanzenarten in Deutschland ausgestorben

119 Pflanzenarten in Deutschland ausgestorben
Foto:  Patrick Pleul/dpa

In Deutschland steht fast ein Drittel der heimischen Wildpflanzen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das geht aus einem neuen Bericht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind 30,8 Prozent von insgesamt 8650 Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen in ihrem Bestand gefährdet. „Es sind dabei vor allem hohe Nährstoffbelastungen, die vielen Wildpflanzen zu schaffen machen“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel bei der Vorstellung des Berichts.

Auffallend viele vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Arten finden sich unter den typischen Arten nährstoffarmer Gewässer und anderer nährstoffarmer Standorte wie Moore, Heiden oder Extensiväcker, so die BfN-Präsidentin. Das liege vor allem an Überdüngung in der Landwirtschaft sowie an Schadstoffen in der Luft, zum Beispiel durch Autoabgase.

119 Pflanzenarten schon ausgestorben

Die Gesamtbilanz für die in der Roten Liste bewerteten Pflanzen zeigt laut BfN unter anderem, dass 119 Pflanzenarten im Verlauf der letzten etwa 150 Jahre in Deutschland ausgestorben oder verschollen sind, darunter sind 76 Arten der Farn- und Blütenpflanzen, für die in Deutschland keine natürlichen Vorkommen mehr bekannt sind, sowie 39 Moose und vier Kieselalgen.

Seit dem letzten Bericht, der rund 20 Jahre alt ist, habe sich die Lage kaum verändert. Der Anteil der gefährdeten Pflanzen bleibe unverändert hoch. Verbesserungen zeigten sich aber durch gezielte Schutzmaßnahmen.

Gezielter Umweltschutz hilft Moosen und Algen

Erfreulich entwickelt haben sich demnach die Bestände einiger Moos- und Algenarten. Erfolge seien hier vor allem durch Maßnahmen des technischen Umweltschutzes erzielt worden, schreiben die Autoren des Berichts. Gezielte Hilfsprogramme des Naturschutzes für einzelne Arten könnten aber nur die Ultima ratio sein, sagte BfN-Präsidentin Jessel. „Um den Artenrückgang auf breiter Front aufzuhalten, müssen wir auf Ebene der Landschaft, bei einer naturverträglichen Landwirtschaft und bei einer umfassenden Verbesserung unserer Gewässer ansetzen.“

Der Umweltverband WWF findet noch deutlichere Worte: „Warum es der heimischen Pflanzenwelt schlecht geht, ist beim Blick auf die Rote Liste eindeutig: Unsere Ökosysteme sind vollgepumpt mit Düngemitteln“, kommentiert Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF. Artenreiche, einst blühende Wiesen würden durch Überdüngung in Gras-Monokulturen umgewandelt, Pestizide ließen Ackerkräuter verschwinden.

Kehrtwende bei Agrarpolitik gefordert

Die Umweltverbände fordern seit Jahren von der Bundesregierung eine Kehrtwende in der Landwirtschaft. Mit der geplanten Ackerbaustrategie und der Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik gebe es nun ein „Window of Opportunity“, um mit der Zivilgesellschaft und der Landwirtschaft den Agrarsektor neu aufzustellen, so Heinrich. „Wir können es uns nicht leisten, über 30 Prozent der einheimischen Pflanzen zu verlieren, denn sie sind die Grundlage zahlreicher Nahrungsketten – letztlich auch der unseren“, betonte der Umweltschützer.

Von so/RND/dpa


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