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Zu Hause und unproduktiv? MADS testet zwei Produktivitätsmethoden

Zu Hause und unproduktiv? MADS testet zwei Produktivitätsmethoden
Foto: Unsplash/Tim Guow

Mehr schaffen und einen strukturierteren Alltag – das versprechen die Ivy-Lee Methode und die 1-3-5 Regel. MADS-Autorinnen Carlotta und Jacky haben beide Produktivitätsmethoden für eine Woche getestet.


1-3-5-Regel: Wirkungsvoll und einfach

Die leuchtend blauen Haken sind wie ein kleiner Triumph über mich selbst. Jedes Mal, wenn ich einen Punkt auf meiner To-Do-Liste erledigt habe, scrolle ich in meine Emoji-Liste und wähle den fetten blauen Haken. Wenn alles gut läuft, komme ich jeden Tag auf neun abgehakte Punkte. Denn die 1-3-5 Regel besagt: Neun Dinge sind jeden Tag schaffbar – wenn ich sie aufliste und richtig priorisiere.

Prioritäten, bitte!

Dabei ist nur eine einzige Sache besonders wichtig: Das unaufschiebbare Must-Do. Diese täglich neue Königsdisziplin steht natürlich an Stelle Eins auf der To-Do-Liste. Und es darf kein Weg daran vorbeiführen, sie zu erledigen. Am Montag war meine wichtigste Aufgabe zum Beispiel, eine Reportage zu schreiben. Gestern galt es, einen neuen Mieter für mein Zimmer in der alten WG zu finden. Beides: Blauer Haken! Triumphzug, Applaus bitte!

Nach der Königsdisziplin folgt eine Kategorie mit mittlerer Priorität. Hier lassen sich laut 1-3-5 Regel drei Dinge erledigen. Dabei gilt: Nicht ganz so wichtig wie die Nummer Eins, aber am besten sofort machen. In diese Klasse fiel zum Beispiel: Mundschutz nähen, Zutaten für selbstgemachtes Curry einkaufen, Brille bei der Krankenversicherung einreichen. Die letzten fünf Punkte auf der Liste gehören zur Klasse: nicht ganz so dringlich, aber bald mal erledigen. Etwa: Basilikum umtopfen, Rucksack reparieren, meine beste Freundin anrufen, mein Buch weiterlesen, Mails sortieren.

1-3-5: Einfachheit gegen Aufschieberitis

An Tag Eins meines Selbstversuchs war ich genauso euphorisch wie skeptisch. Mir gefiel dieser Start in den Morgen. Wenn ich zuerst eine To-Do-Liste schreibe, fühlen sich die kommenden 24 Stunden planbarer und strukturierter an. Aber: Um sich verheißungsvoll „Produktivitätsmethode“ zu nennen, ist eine To-Do-Liste mit bestimmten Prioritäten doch reichlich simpel. Dachte ich. Und lag falsch. Denn wegen ihrer Einfachheit hat die 1-3-5-Technik für mich funktioniert. Die wichtigste Tagesaufgabe immer direkt vor Augen zu haben, hat mich dazu gebracht, sie sofort zu erledigen. Auch in der mittleren Kategorie schnitt ich recht gut ab. Ohne all die mittelwichtigen To-Do’s aufzuschreiben, hätte mein Kopf sie wahrscheinlich leidenschaftlich in die „Später-Mal-Schublade“ abgelegt. So kann ich sagen: Ich habe jetzt eine selbstgemachte Atemmaske und mein Curry hat geschmeckt. In der letzten Kategorie habe ich zwar ein paar Punkte öfter mal aufgeschoben, aber das ist meistens halb so wild.

Mehr Produktivität, aber kein Allheilmittel

Trotzdem lief das alles nicht immer reibungslos. Oft tat ich mich schwer, wie ich die letzten fünf Punkte auf meiner To-Do-Liste befüllen sollte. Entweder gab es zu wenig dafür zu erledigen – oder viel zu viel. Dann musste ich schmerzlich aussortieren, wovon die 1-3-5 Regel letztendlich lebt: Es nützt ja nichts, sich 27 Dinge vorzunehmen, von denen man die meisten ohnehin nicht schafft. Trotzdem ist es ein seltsames Gefühl, To-Do’s gezielt nicht in die Liste aufzunehmen. Muss ich auf das sechste Sprachmemo von gestern unbedingt heute antworten, obwohl ich gerade eh zu viel am Handy hänge? Wahrscheinlich nicht.

Perfekt produktiv bin ich auch nach einer Woche gezielter Produktivitätssteigerung nicht. Mein innerer Schweinhund ließ sich zwar von meiner täglichen 1-3-5-Liste einschüchtern, sie war aber kein Allheilmittel gegen Prokrastination. Meine Brille von der Krankenversicherung erstatten zu lassen – das schiebe ich immer noch auf. Dabei braucht es dafür nur ein paar Belege und eine Mail an die Versicherung. Der Punkt wird täglich auf die morgige Liste verschoben. Und das nervt mich unfassbar – was es hoffentlich unumgänglich macht, es doch sehr bald zu erledigen. Heute bin ich aber schon ziemlich erfolgreich: Es ist 9.48 Uhr und dieser Text ist Punkt Eins auf meiner Liste. Erledigt!

Von Jacqueline Hadasch


Ivy Lee-Methode: In sechs Schritten produktiver werden

Lernzettel zusammenstellen, Hausarbeit schreiben, für das nächste Trimester vorarbeiten… Nebenbei für die Studentenzeitung schreiben, im Haushalt helfen, Schrank ausmisten: Trotz Ferien, während der ich wieder zu Hause wohne, steht in meinem Alltag ordentlich etwas an. Damit habe ich es während der Coronakrise relativ leicht. Trotzdem verliere ich beim Blick auf meine To-Do-Liste schnell den Überblick und bin frustriert, wenn ich wenig schaffe.

Täglich nur sechs Aufgaben sieht die „Ivy Lee“ Methode vor. Der gleichnamige Unternehmensberater sprach 1918 mit Mitarbeitern eines erfolgreichen Stahlproduzenten darüber, wie sie produktiver werden könnten. Lee sprach dafür angeblich nur eine Viertelstunde lang mit den Mitarbeitern. Der Firmendirektor soll mit den Resultaten so zufrieden gewesen sein, dass er Lee drei Monate später 25 Tausend Dollar (entspricht heute 400 Tausend Dollar) gezahlt habe.

Aufgaben notieren

Abends soll ich mir, laut der „Ivy Lee“ Methode, Aufgaben für den nächsten Tag aufschreiben. Von oben nach unten soll ich die Liste abarbeiten und so lange wie nötig an jeder Aufgabe arbeiten. Was zu Feierabend nicht geschafft ist, kommt auf die Liste für den nächsten Tag. Meinen Plan für die Ferien in konkrete Aufgaben einzuteilen, fällt mir schwerer als gedacht. Allerdings nimmt mein Grauen vor Mammutaufgaben wie dem Schreiben meiner Hausarbeit oder dem Nacharbeiten von einem ganzem Trimester VWL-Themen dadurch ab. Statt die Recherche für meine Hausarbeit – den ersten Punkt auf meiner Liste – in Angriff zu nehmen, fange ich am ersten Tag mit den kleinen, unwichtigen Dingen an. Abends um elf habe ich dann auch keine Lust mehr, mich zu konzentrieren. 

Zeiteinteilung gegen Prokrastionation

Neben der Motivation fehlt mir die Struktur des Uni-Alltags. Statt mich an den Schreibtisch zu setzen, räume ich nach dem Frühstück lieber mein Zimmer, meinen Kleiderschrank und die Urlaubsfotos auf meinem Laptop auf. Zehnminütige Pausen werden schnell zu einstündigen: Prokrastination macht mit meinem kleinen Bruder, der gerade für das Abitur lernt, besonders großen Spaß. Um das Motivationsproblem zu lösen, lege ich Arbeitszeiten fest. Am zweiten Tag fange ich morgens um halb zehn an. Allerdings brauche ich für den geplanten Teil der Hausarbeit viel länger als gedacht, und habe um 18 Uhr wieder erst vier von sechs Punkten geschafft. Eigentlich kein Problem, die anderen Aufgaben kann ich ja einfach auf den nächsten Tag verschieben. Frustrierend ist es trotzdem, nicht alles geschafft zu haben.

„Durch Corona fehlt mir ein Ziel“

Mitten am dritten Tag kommt dann die Email: Alle Prüfungen, die in diesem Studienjahr noch anstehen, fallen aus. Damit hat sich das mit der Produktivität für mich erst einmal erledigt. Ich nehme mir weiter Dinge vor, lese Bücher, die seit Monaten meinen Nachttisch dekorieren, schreibe Texte für die Studentenzeitung und arbeite für das nächste Semester vor. Allerdings fehlt mir jetzt ein konkretes Ziel, und die Punkte auf meiner „Ivy Lee“-Liste verschieben sich ständig. Für die Ferien ist das in Ordnung. Anfang Mai beginnt – online – der nächste „Term“ meiner britischen Uni. Bis dahin ist noch reichlich Zeit, mir sechs-teilige Listen zu überlegen.

Von Carlotta Hartmann

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