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Zahl der Hautkrebsfälle drastisch gestiegen – ist der Klimawandel schuld?

Zahl der Hautkrebsfälle drastisch gestiegen – ist der Klimawandel schuld?
Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Zahl der Hautkrebspatienten ist in den letzten Jahren rapide angestiegen – um bis zu 145 Prozent. Die Krankenkasse KKH sieht den Klimawandel als eine Ursache. Doch die Meinungen dazu sind geteilt.


Nach einer Erhebung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse ist die Zahl der Hautkrebserkrankungen innerhalb der vergangenen zehn Jahre rasch gestiegen. 2017 erhielten nach Daten der KKH 87 Prozent mehr Männer und Frauen die Diagnose schwarzer Hautkrebs als 2007. Beim weißen Hautkrebs gab es nach einer KKH-Mitteilung vom Donnerstag einen Anstieg um 145 Prozent.

Die Kasse mit 1,7 Millionen Versicherten nennt dabei den Klimawandel als einen möglichen Grund für den Trend: Mehr warme Sonnentage bedeuteten mehr warme Tage mit hoher UV-Strahlung.

Mini-Ozonlöcher schon im Frühjahr

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt vor den Folgen. Schon im Frühjahr könnten je nach Wetterlage in der Atmosphäre sogenannte Mini-Ozonlöcher auftreten, die den UV-Index schon im April auf beachtliche Werte ansteigen lassen, erklären die BfS-Experten auf ihrer Webseite. Darüber hinaus erhole sich auch die Ozonschicht anscheinend nicht in dem Maße wie ursprünglich prognostiziert. „Das bedeutet, dass die UV-Belastung für jeden Einzelnen steigen kann und damit auch das Risiko für ernsthafte Erkrankungen der Haut und der Augen.“

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) sieht zwar ebenfalls einen Anstieg der Hautkrebsdiagnosen, aber keinen unbedingt direkten Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Krebshäufigkeit.

Intensität des UV-Lichts abhängig von Wolkenbildung

„Die Intensität des UV-Lichts hängt nicht von der Temperatur ab, sondern zum Beispiel von der Höhe in der man ihm ausgesetzt ist und von der Wolkenbildung“, sagt Jochen Sven Utikal, Leiter der Hautkrebseinheit beim DKFZ und bei der Universitätsmedizin Mannheim. Wanderer und Skifahrer hätten deshalb ein besonders hohes Risiko, einen Sonnenbrand und im Verlauf des Lebens Hautkrebs zu bekommen. Weiterer Faktor sei der Wohnort. So sei das Risiko in Neuseeland oder Australien, wo die UV-abweisende Ozonschicht geschädigt ist, besonders hoch.

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UV-Schutz: Achtung beim Kauf von Sonnenbrillen

Viel Sonne in der Kindheit wirkt sich später aus

Auch mit zunehmendem Alter steige die Häufigkeit der Hautkrebsdiagnosen. Krebsförderndes Verhalten führe erst in 30, 40 Jahren zur Erkrankung. „Wenn Menschen in der Kindheit viele Sonnenbrände durchlitten haben, dann ist zu befürchten, dass sie als Erwachsener häufiger an Hautkrebs erkranken.“ Ob man Hautkrebs bekomme, hänge von zahlreichen Faktoren ab, resümierte der Dermatologe.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind 2014 in Deutschland fast 11.000 Männer und 10.300 Frauen an schwarzem Hautkrebs erkrankt. 1800 Männer und knapp 1300 Frauen starben daran. Schwarzer Hautkrebs sei eine mögliche Diagnose, wenn Muttermale asymmetrisch, unscharf begrenzt, mehrfarbig, erhaben oder im Durchmesser über fünf Millimeter gewachsen seien, erläuterte Utikal. Der weiße Hautkrebs sei an Schuppen, Rötungen und Knotenbildung zu erkennen.

Mehr draußen – mehr Hautkrebs?

Das RKI verbindet den Anstieg der Zahlen mit verändertem Freizeitverhalten, etwa mehr Outdoor-Aktivitäten und Sonnenbaden. Nach seinen Daten gab es seit 1999 ebenfalls einen starken Anstieg der Zahlen an schwarzem Hautkrebs, der jedoch etwa nach 2011 abflachte und bis 2014 ganz leicht sank.

Utikals Rezept gegen Hautkrebs: Mittagssonne meiden, Körper bedecken, Hut, Brille und Sonnencreme nutzen. Der Professor mahnt: Auch im Schatten sollte man aufpassen, wo man sitzt, weil zum Beispiel Wasser UV-Strahlen widerspiegelt. Das Bundesamt für Strahlenschutz fordert zudem mehr schattenspendende Plätze und mehr Information dort, wo Menschen sich lange in der Sonne aufhalten.

Ostdeutschland von Hautkrebs besonders betroffen

Laut KKH-Studie ist die Steigerung der Fälle von weißem Hautkrebs in den ostdeutschen Bundesländern von 2007 bis 2017 besonders hoch. Das könne am veränderten Freizeitverhalten der Ostdeutschen nach der Wende liegen mit mehr Reisen oder Solarienbesuchen, sagte Utikal.

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Von RND/dpa/so


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