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Warum Zimmerpflanzen nicht so nachhaltig sind wie wir denken

Warum Zimmerpflanzen nicht so nachhaltig sind wie wir denken
Foto: Elena Putins/Unsplash

Zimmerpflanzen sind dekorativ und bringen ein Stück Natur in die Wohnung. Allerdings wissen viele nicht, unter welchen Bedingungen Pflanzen mit viel Aufwand großgezogen, und um die Welt transportiert werden. Dabei können wir auf Nachhaltigkeit achten und dabei eventuell sogar Geld sparen.


Spätestens seit der Pandemie beschäftigen sich viele Menschen mit Pflanzenpflege als Freizeitbeschäftigung. Auf Instagram zeigen Plantfluencer ihre Pflanzenkollektionen, geben Tipps, schmücken die Instagram-Feeds in zahlreichen Grüntönen und sind damit sehr erfolgreich. Für ein paar Euro gibt es im Supermarkt oder im Baumarkt bereits Topfpflanzen für den eigenen Indoor-Dschungel zu kaufen. Besonders beliebt sind tropische Zimmerpflanzen wie Monsteras, Philodendren oder Korbmaranten wegen ihrer dekorativen Blätter. So grün sie auch aussehen, Topfpflanzen sind meistens nicht so nachhaltig, wie man annehmen könnte. 

Hinter Zimmerpflanzen steckt ein globalisierter Markt mit lukrativem Geschäft für Großhändler. Dabei geht es allerdings ähnlich rücksichtslos gegenüber Natur und Mensch zu, wie bei anderen Gütern, die in den Supermarktregalen in Deutschland stehen. Drei Gründe, weshalb die meisten Zimmerpflanzen nicht nachhaltig sind:

1. Transportweg

Die Pflanzen, die bei uns im Laden stehen, kommen laut Pflanzenpass meistens von Großhändlern aus unserem Nachbarland Niederlande. Der EU-Pflanzenpass muss seit Ende 2019 auf jeder Topfpflanze als Etikett angebracht sein, damit sich der Ursprung der Pflanze zurückverfolgen lässt. Den Transportweg von den Niederlanden nach Deutschland würden viele als vertretbar einschätzen.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn im Pflanzenpass ist lediglich das Land vermerkt, in dem die Pflanze zuletzt gewachsen ist. Die meisten Samen und Jungpflanzen stammen aber aus Afrika und Lateinamerika. Dort kommen die tropische Pflanzen ursprünglich her, weshalb ideale Bedingungen für das Wachstum herrschen. Erst nach der Anzucht kommen sie dann nach Europa. Damit hat eine tropische Jungpflanze bereits einen großen Kohlenstoffdioxid-Fußabdruck. 

Allerdings ist es auch keine nachhaltige Lösung, diese Pflanzen in Gewächshäusern in Europa großzuziehen, denn dafür bedarf es Gewächshäuser mit den richtigen feuchtwarmen Bedingungen. Diese verbrauchen viel Strom und Wasser.

2. Pestizide

Um die jungen Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, kommen beim Anbau Pestizide zum Einsatz. Teilweise werden auch andere chemische Stoffe verwendet, damit die Pflanzen besonders schön aussehen. 

Pestizide schädigen das Ökosystem im Anbauland, wenn sie in die Erde sickern und sich in Gewässern sammeln. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Aufzucht haben meist keine ausreichende Schutzkleidung und kommen so in Kontakt mit den Giftstoffen. Das kann schwere gesundheitliche Folgen wie Hautverätzungen und -veränderungen oder Lungenkrankheiten zur Folge haben.

Die Pflanzen weisen noch Rückstände von Pestiziden auf, wenn sie zum Kauf bereit im Laden stehen. So gelangen potenziell gesundheitsschädigende Stoffe in die Wohnung.

3. Torfhaltige Erde

In der Regel enthält Erde für Zimmerpflanzen Torf. Torf ist ein günstiges Naturprodukt, kann gut Wasser speichern und ist deshalb sehr geeignet für Pflanzen im Topf. Torf wird in Massen abgebaut. 

Allerdings entsteht Torf nur in Mooren. Pflanzenreste werden durch die besonderen Bedingungen im Moor zu Torf zersetzt. Über Jahrtausende bilden sich so Moorlandschaften, welche Heimat von besonderen Pflanzen- und Tierarten ist. Moore sind besonders wertvolle Ökosysteme. Sie speichern große Massen an Wasser und sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Moore binden fast die Hälfte des Kohlenstoffs, der sich als Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre befindet. Jährlich entziehen Moore der Atmosphäre weitere 150 bis 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Und das, obwohl Moore nur eine Landfläche von etwa 3 Prozent ausmachen. 

Wegen des Torfabbaus wurden bereits mehr als 60 Prozent der in Europa vorkommenden Moore zerstört. Gleichzeitig wird immer mehr Torf abgebaut. Dabei ist der Erhalt von Mooren ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Außerdem wird die biologische Vielfalt bedroht, wenn Pflanzen und Tiere aus dem Moor ihren Rückzugsraum verlieren.

Tipps für nachhaltige Zimmerpflanzen:

Damit euch die Freude am Indoor-Dschungel nicht vergeht und aus eurer grünen Oase auch eine nachhaltige wird, haben haben wir Tipps für nachhaltigere Zimmerpflanzen gesammelt:

  • Pflanzen gut pflegen

Hegt und pflegt eure Zimmerpflanzen. Bei guter Pflege können einige Pflanzen Jahrzehnte alt werden. Stolz könnt ihr eure riesige Monstera präsentieren und ganz nebenbei müsst ihr keine neue kaufen, weil die alte Pflanze gestorben ist.

  • Ableger tauschen

Ihr könnt im Freundeskreis und auf Tauschbörsen wie Kleinanzeigen Ableger tauschen, verschenken und kaufen. Die Ableger haben nicht nur einen persönlicheren Bezug, es musste auch keine neue Pflanze großgezogen werden.

  • Heimische Arten bevorzugen

Es gibt heimische Pflanzenarten, die ganz schön was hermachen. Nebenbei könnt ihr auch noch etwas für die Insektenvielfalt tun, wenn ihr Kräuter und bienenfreundliche Blumen auf dem Balkon oder Fensterbrett anpflanzt.

  • Fairtrade

Beim regulären Pflanzenanbau werden Natur und Menschen vor Ort meist stark belastet. Mit dem Fairtrade-Siegel zertifizierte Pflanzen wurden unter gerechteren Arbeitsbedingungen und unter umweltschonenderen Standards wie wassersparende Bewässerung und Kläranlagen großgezogen.

  • Bio-Pflanzen kaufen

Vereinzelt gibt es bereits nach biologischen Standards produzierte Pflanzen. Die erkennt ihr an Demeter- oder Bio-Siegeln. Hier wird auf Nachhaltigkeit gesetzt, Pestizide sind verboten. Steigt die Nachfrage, werden in Zukunft auch mehr Bio-Pflanzen zum Kauf angeboten.

  • Auf plastikfreie Verpackung achten

Achtet beim Pflanzenkauf auf die Verpackung. Zum Schutz für den Transport werden einige Pflanzen in Plastik verpackt. Das geht besser: Pflanzen lassen sich genau so gut in recyceltem Papier und Karton verpacken und schützen. 

  • Torffreie Erde und andere Medien

Es gibt torffreie Erde zu kaufen. Ihr könnt euch Erde aber auch selber mischen. Das hat auch den Vorteil, dass ihr den Bedürfnissen einer komplizierten Dschungelpflanze gerecht werdet. Alternativen zu Torf sind Kompost, Rindenhumus, Holz- und Kokosfasern. Je nach Bedürfnis eurer Pflanze könnt ihr noch Sand, Tonmineralien oder Perlite dazugeben. 

  • Kleine Blumengeschäfte

Kauft eure Pflanzen bei regionalen Blumenläden. Die Verkäuferinnen und Verkäufer geben euch Auskunft zu den Pflanzen und ihrer Nachhaltigkeit und Tipps zur Pflege. So kommt ihr schnell in ein Gespräch und wisst besser über eure Pflanzen bescheid. Dazu unterstützt ihr kleine Unternehmen und meistens findet ihr die ein oder andere Überraschung an seltenen oder besonderen Ergänzungen für euren Dschungel.

Von Katharina Kalinke

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