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Umzugsunternehmer aus MV: „Mit Mindestlohn kann ich Mitarbeitern nicht mehr kommen“

Umzugsunternehmer aus MV: „Mit Mindestlohn kann ich Mitarbeitern nicht mehr kommen“
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Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) vertritt die Interessen von 900 Mitgliedsunternehmen. In Mecklenburg-Vorpommern zählt die Fachvereinigung Möbelspedition des Landes MV 18 Mitglieder. Etwa 2000 bis 2500 Mitarbeiter beschäftigen diese Betriebe im Nordosten. Vorsitzender der Vereinigung ist der Schweriner Unternehmer Joachim Scharff (75), der seine Branche seit drei Jahrzehnten kennt.

Die Möbelspeditionen kämpfen wie die gesamte Transportbranche mit dem Fachkräftemangel, oder?

Joachim Scharff: Das stimmt leider. Es fehlt sowohl an Fachkräften als auch an Nachwuchs. Die Anzahl der Bewerbungen ist eher spärlich.

Woran liegt das?

Abgesehen vom generellen Fachkräftemangel in vielen wirtschaftlichen Branchen kämpfen wir mit zwei großen Nachteilen. Zum einen gibt es eine Verunsicherung durch umweltpolitische Absichten. Stichworte sind Verminderung des CO2-Ausstoßes oder autonomes Fahren. Zum anderen wird das Image der Transportbranche kaum positiv begleitet. Lkw-Fahrer werden oft pauschal als schlecht bezahlte ‚Bösewichte‘ stigmatisiert.

Was tun Sie gegen dieses schlechte Image?

Mit Mindestlohn kann ich Mitarbeitern nicht mehr kommen – bei der Bezahlung hat sich einiges getan. Auch die Azubis und die vielen ungelernten Mitarbeiter bekommen ein ordentliches Geld, das sich sehen lassen kann. Ebenso sagen wir, dass es bei den Möbelspediteuren immer eine Zukunft gibt: Möbel lassen sich nicht übers Internet transportieren. Die Auftragslage ist und bleibt konstant hoch. Auch bei anderen Faktoren tun die Betriebe viel, um Personal zu halten und zu gewinnen. Es gibt hierzulande keine anonyme Leitungsstrukturen, in den Firmen kennt man sich. Bei der gesetzlich vorgeschriebenen betriebsgesundheitlichen Betreuung tun wir alle mehr als vorgeschrieben.

Tragen Ihre Bemühungen Früchte?

Die Unternehmen haben wenig Fluktuation. Aber natürlich brauchen wir dringend mehr Personal.

Möbelspeditionen beschäftigen neben Kraftfahrern auch viele Möbelträger.

Seit 2011 gibt es den Ausbildungsberuf Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice – FMKU. Natürlich muss man in diesem Job auch mal anpacken können. Viele schrecken vor körperlicher Arbeit zurück. Aber die Arbeit wird durch die Technik erheblich erleichtert: Es gibt zum Beispiel Lifte oder sogenannte Treppensteiger. Darüber hinaus braucht man in diesem Job auch Köpfchen. Schließlich sind beispielsweise Umzüge von Verwaltungen oder Firmen nicht ohne Weiteres zu schaffen, da muss man Ahnung haben.

Was mögen Sie an Ihrem Job?

Es gibt jeden Tag andere Touren, andere Aufträge, andere Herausforderungen. Wir bedienen keinen Linien-, sondern Individualverkehr – auch das empfinden Mitarbeiter als positiv. Schön ist, dass es viele treue Stammkunden gibt. Vielleicht liegt das auch an unserer guten Arbeit. Denn Schlamperei würde uns sofort auf die Füße fallen.

Bedrohliche Personalsituation

Größtes Problem der Mitglieder im Bundesverband Möbelspeditionen und Logistik (AMÖ) ist derzeit der Fachkräftemangel. 20 Prozent der Betriebe empfinden die Personalsituation als bedrohlich. Fast jedes zehnte Unternehmen überlegt deshalb, seine Arbeit einzustellen. Mehr als die Hälfte will den Betrieb verkleinern, ebenso viele schaffen sich vorerst keine neuen Fahrzeuge an. Um den Beruf attraktiver zu machen, wollen unter anderem gut 60 Prozent der Firmen ihr Personal weiterbilden.

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Von Klaus Amberger

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