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Twitter-Shitstorm: Glatze von Juso-Politikerin Hanna Reichhardt polarisiert

Twitter-Shitstorm: Glatze von Juso-Politikerin Hanna Reichhardt polarisiert
Foto: Unsplash.com/ Hailey Reed

Abstoßend, hässlich und männlich: Mit diesen Worten kritisieren einige Twitter-User die neue Frisur von Jusos-Politikerin Hanna Reichhardt. Die Reaktionen zeigen: Das Verständnis von Geschlecht ist bei vielen noch immer rückständig. Ein Kommentar von MADS-Autorin Nina Hoffmann.


Augenbrauen zupfen, Beine rasieren, Kopfhaare wachsen lassen: Haare spielen im Leben vieler Frauen eine zentrale Rolle. Während lange Haare als weibliches Schönheitsideal gelten, sind sonstige Körperhaare eher als unhygienisch und unweiblich verschrien. Hanna Reichhardt (26), stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos, entspricht dem gängigen Ideal nicht – ihre Entscheidung für einen sogenannten Buzzcut, hat sie auf Twitter stolz mit einem Foto präsentiert. Die raspelkurzen Haare sorgten für zahlreiche Hetzkommentare.

Neben begeistertem Support für die neue Frisur breiteten sich in der Kommentarspalte erbrechende Emojis und Beleidigungen samt Absprache Reichhardts Weiblichkeit aus – überwiegend von Männern.

Klar, Reichhardts politische Einstellungen mögen einige Hasskommentatoren verlocken, jegliche ihrer Handlungen negativ zu kommentieren. Doch die Reaktionen zeigen trotzdem: Noch immer werden Frauen dazu gedrängt, einem gewissen Idealtypus von Weiblichkeit entsprechen zu müssen. Und dazu zählen eben lange Haare. Ganz nach dem Motto: Haare machen Frauen.

Dabei dürfte man annehmen, dass ein gewisses gesellschaftliches Umdenken bereits stattgefunden hat. Zahlreiche Frauen haben sich von der langen Mähne verabschiedet und auf Instagram reißen Influencerinnen ihre Arme in die Höhe, um ihre Achselhaare zu präsentieren – #bodyhairdontcare.

Und gerade während der Corona-Pandemie, in der viele ihre Zeit daheim geschützt vor fremden Blicken verbringen, sind die Haare der hauseigenen Schere und einer großen Experimentierfreude ausgesetzt. Hämische Kommentare drohen während der Quarantäne nicht – ziemlich praktisch. Wieder mal nur so ein dummer Trend also? Sicher nicht. Denn Frauen, die nun den Mut haben, um sich endlich an Frisuren heranzuwagen, von denen sie bisher Angst und Scham abhielten, können sich nun davon frei machen, ihre Weiblichkeit mittels einer bestimmten Haarlänge zu definieren.

Doch Reichhardts Twitter-Post zeigt: Weder Experimentierfreude noch gesellschaftliche Ambitionen umzudenken, haben bislang ausgereicht, um weibliche Buzzcut-Fans im Netz vor sexistischem Gerede à la „Mannsweibchen“ zu schützen.

Der ein oder andere mag jetzt mit der Meinungsfreiheit argumentieren. Immerhin habe Reichhardt sich freiwillig der öffentlichen Meinung ausgesetzt. Dennoch sollte die Frage gestellt werden, an welcher Stelle das Mitteilen der eigenen Meinung an seine Grenzen stößt. Die Antwort ist naheliegend: Beleidigungen und Hetze sind eben keine Meinung.

Was jemand als attraktiv und schön erachtet, lässt sich nicht erzwingen. Doch wer kurze Haare oder Glatzen als grundsätzlich unweiblich darstellt und kommuniziert, setzt eben auch einen ungesunden Trend von Geschlechterklischees fort – und darunter leiden sowohl Frauen und Männer als auch nicht binäre Menschen – also diejenigen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen.

Von Nina Hoffmann

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Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (24) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Hallo Frau Hoffmann,

    Ihr Kommentar ist wirklich mal eine positive Erfahrung innerhalb der letzten Zeit. Ich möchte einfach nur Danke sagen für die unaufgeregte sachliche nicht polemische oder diffammierende
    Schreibweise. Obwohl Sie ganz klar eine Meinung äussern wird niemand „gebasht oder geboomt“
    Das hört man gerne in meinem Alter 🙂

    VG

    Antworten

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