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Studie zur Selbstinszenierung: Influencer übernehmen oft Gender-Stereotype

Studie zur Selbstinszenierung:  Influencer übernehmen oft Gender-Stereotype
Foto:  Roberto Delgado Webb/unsplash

Jungs bloggen über Comedy, Games und Politik, Mädchen über Beauty- und Foodthemen: Die MaLisa Stiftung hat eine Studie zur Selbstinszenierung in sozialen Medien veröffentlicht. Das Ergebnis: Blogger transportieren oft alte Geschlechterbilder.


Männer sind schlaue Experten, Frauen sind hübsche Alltagsratgeber. Männer sind dominant, Frauen eher passiv. Männer diskutieren weltliche Themen, Frauen meist ihr Aussehen. Huch, haben wir uns hier in einer verstaubten Schublade alter Stereotype verirrt? Leider nein. Dieses Bild existiert genau da, wo alles besonders modern und hip sein soll: in den sozialen Netzwerken.

Bunt, gender-neutral und frei von klaren Geschlechterrollen: So präsentieren sich leider die wenigsten Blogger. Quelle: Julián Gentilezza/unsplash.

Wie sich die beiden Geschlechter dort selbst inszenieren, vergleicht eine Ende Januar veröffentlichte Studie der MaLisa Stiftung. Das traurige Resultat: Ausgerechnet da, wo sich Influencer möglichst gegen den Mainstream, unabhängig und authentisch inszenieren wollen, fallen sie in alte Genderrollen.

Schöne Frauen, schlaue Männer?

Wie die Blogger Stereotype bedienen, zeigen vor allem ihre Themen und Formate. Die Bandbreite weiblicher Influencer fällt dabei recht schmal aus: Sie kreieren vor allem serviceorientierten Content, also How-To-Beiträge. Worum es da geht, entspricht einem Frauenbild, das einige Jahrzehnte zurückliegt: Schminktutorials, hauswirtschaftliche Hobbies wie Basteln, Nähen, Kochen und Lifestyle. Männliche Blogger sind thematisch breiter aufgestellt: Mal sind sie als Comedians, mal als Gamer unterwegs, mal diskutieren sie politische Themen, mal produzieren sie Musik.

Frauen als Alltagsratgeber, Männer mit diversen Themen: Das ist ein Ergebnis der MaLisa-Studie. Quelle: MaLisa Stiftung

Anpassung bringt Erfolg

Geht ja gar nicht, was die da machen. Oder? Tja, es sind nicht nur die Influencer selbst, die eine klare Geschlechteraufteilung immer noch fördern. Es sind auch ihre Zuschauer und Follower, die genau das befeuern – also: wir. Auf Instagram machen wir jene Frauen am erfolgreichsten, die standardisierten Schönheitsidealen am nächsten kommen. Und deswegen sehen wir da vor allem dünne, langhaarige Frauen.

Das ist aber längst nicht nur ein Instagram-Phänomen, wie die MaLisa-Studie zeigt: Youtuberinnen berichten in den Interviews von Kritik und fiesen Kommentaren, sobald sie sich an „männlichen“ Themen versuchen. Um die Erwartungen der Zuschauer nicht zu enttäuschen, blieben sie dann doch auf gewohntem Terrain und bedienten lieber geschlechtstypische Themen.

Bloße Blogger-Kopien

Klar, dass der Druck zur optischen Optimierung bei Frauen höher ist. Sie nutzen mehr Photoshop, Filter und Weichzeichner. Auch, wie die Influencerinnen die eigene Bildbearbeitung ihrer Follower beeinflussen, konnte die Studie aufzeigen: Dagi Bees Fans glätten optisch ihre Haut, Follower von Heidi Klum lassen ihre Zähne heller wirken. Der mediale Schönheitswahn geht an den Männern aber längst nicht vorbei: Auch sie nutzen vermehrt Bildbearbeitungsprogramme. Am liebsten zaubern sie sich breite Schultern, Muskelpakete und ebenmäßige Bärte.

Um ihr zu entsprechen, verwenden ihre Fans oft Filter für glattere Haut: Dagi Bee.
Quelle: Instagram

Gefangen in Stereotypen?

Die in den Portalen wieder aufgegriffenen alten Geschlechterbilder bezeichnet Pinkstinks, eine Protest- und Bildungsorganisation gegen Sexismus und Homophobie, ziemlich treffsicher als „normierten Einheitsbrei“. Männer und Frauen grenzen sich in sozialen Medien erschreckend klar voneinander ab – aber eben nur vom anderen Geschlecht, untereinander herrscht bisweilen gähnende Gleichheit.

Gegen so ein „rückwärtsgewandtes“ und standardisiertes Geschlechterbild müssen wir etwas tun, findet Lisa Furtwängler, Vorstandsmitglied von MaLisa. Sie wünscht sich einen „gesellschaftlichen Diskurs über stereotype Geschlechterrollen“.

Aber mal ehrlich, die Studie setzt nicht nur ein Ausrufezeichen für die Gesellschaft als Ganzes: Wir selbst sind dafür verantwortlich, was wir posten und wem wir folgen. Wer sich selbst achtlos in eine Schublade steckt, darf sich nicht über fehlende Gleichstellung beklagen. Kritik an Abweichungen von der Norm sollten wir mit Mut zur Authentizität begegnen. Denn den wollen wir doch eigentlich alle in den sozialen Netzwerken unter Beweis stellen – oder etwa nicht?


Über den Autor/die Autorin:

Jacqueline Hadasch

Jacqueline (24) studiert BWL. Das passende Klischee bedient sie aber wenig. Sie schreibt gern über Nachhaltigkeit und geschichtliche Themen und hat eine Vorliebe für Kaffee.

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