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So digital sind die Schulen in Gifhorn

So digital sind die Schulen in Gifhorn
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Ersetzen Roboter oder Hologramme bald Lehrer? So weit ist man an den Schulen in Gifhorn noch nicht. Aber digitale Technik macht schon jetzt vieles einfacher.


Eine Stellwand zum Referat mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln und mit selbst gemalten Bildern? Das war gestern, sagt Marcus Lüpke, Lehrer in Gifhorn und medienpädagogischer Berater des Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung. Längst erarbeiten sich Schüler digitale Präsentationen für Smartboard und Tablet – zum Beispiel mit Videosequenzen. Schüler drehen eigene Lehrfilme oder Audio-Podcasts in Zusammenarbeit mit dem Gifhorner Internetradio Kurt.fm.

Interaktive Tafeln können mehr

„Die Schulen sind gut ausgestattet mit interaktiven Tafeln“, sagt Lüpke. Doch hier und da seien diese Geräte deutlich unterfordert, weil Lehrer sie nur zum Abspielen von Videos nutzten. Sie könnten aber viel mehr. Schüler listen an ihnen Bilder in logische Reihenfolgen auf, ordnen Begriffe zu Gruppen einander zu oder stellen Abläufe dar.

In einer Podiumsdiskussion beschrieb Calberlahs Realschul-Rektor Thomas Seeliger, wie seine Schüler am Tablet durch den menschlichen Körper surfen. „Da machen sich viele Schulen auf den Weg“, weiß auch Lüpke über den verstärkten Einsatz digitaler Endgeräte.

Mit Virtual-Reality-Brillen Moleküle zusammenbauen

Den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen hält Lüpke allerdings noch nicht für ausgereift. Doch das sei wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit und der Weiterentwicklung. „Eine Reise durch den menschlichen Körper – da wäre der Einsatz interessant.“ Oder in der Physik könnten Schüler damit virtuell Atommoleküle zusammenbauen

Wird die Künstliche Intelligenz zum Lehrer? In Ansätzen werde es bestimmt bald Möglichkeiten geben, glaubt Lüpke. „Aber dass Roboter Lehrer ersetzen, hoffe ich nicht. Aus meiner Sicht darf das nicht passieren.“ Denn zum vernünftigen Lernen gehöre immer noch die Kommunikation von Mensch zu Mensch. Mit Technik, die begeistert, lernt es sich besser. Medienfachmann Marcus Lüpke sieht Vorteile beim Einsatz digitaler Technik im Schulunterricht. Aber Vorsicht!

Digitales Schweizer Taschenmesser

Mit einer Art „digitalem Schweizer Taschenmesser“ lernen Schüler mit Migrationshintergrund Deutsch als Zweitsprache. „Da ist alles dabei“, erläutert Lüpke das digitale Endgerät. Es habe Kamera, Audiorecorder, Textverarbeitung und Internet. Die Schüler erstellen damit zum Beispiel Comics.

„Die Arbeitsergebnisse können sehr anschaulich präsentiert werden.“ Doch für Lüpke spielt nicht nur der Spaß eine Rolle. Digitale Technik könne den Ranzen abspecken und den Papierverbrauch verringern, seien die Schulbücher alle in einem Tablet vereinigt. Und es sei einfach zeitgemäß: Im Privatleben gingen die jungen Leute eben auch mit iPadund Co. um.Weshalb sie bei der Bedienung häufig den Lehrern Unterricht erteilen, räumt Lüpke ein. Dafür seien die Pädagogen ihnen in der sinnhaften Nutzung voraus. Und das ist für Lüpke ein ganz wichtiger Punkt beim digitalen Lernen und Leben: Bei der Nutzung sozialer Netzwerke und Co. sollte jeder Quellen hinterfragen. „Ich sehe Medienerziehung als einen wesentlichen Baustein an. Sozialkompetenz ist extrem wichtig.“ Politikkurse an Gymnasien erstellen in diesem Rahmen eigene Fake-News, um Mitschüler dafür zu sensibilisieren, berichtet Lüpke. „Um zu zeigen, wie einfach es ist, Falschinformationen zu verbreiten.“

Passen Youtube-Videos in den Unterricht?

Doch es gibt noch weitere Fallstricke, warnt Lüpke. Youtube-Videos seien inhaltlich nicht unbedingt für den Unterricht geeignet, und es drohten auch noch Konsequenzen durch Copyright-Verletzungen. Und schnell landeten vierstellige Rechnungen von Fotoagenturen in der Post, wenn deren Feature-Bilder auf einer Schul-Homepage ein Thema schmücken. Lüpke wirbt deshalb für die Merlin-Datenbank. „Da hat jede Schule ein Passwort.“ In dieser digitalen Bibliothek seien zahlreiche Unterrichtsfilme, Arbeitsblätter und Fotos zur freien Verfügung abrufbar.

„Der Qualifizierungsbedarf für Lehrkräfte wird immer größer“, mahnt der medienpädagogische Berater des niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung. Die Lehrer müssten verstärkt geschult werden in jene Möglichkeiten und Risiken.

Von Dirk Reitmeister


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