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Selbstliebe: Deshalb nervt dieser Instagram-Trend

Selbstliebe: Deshalb nervt dieser Instagram-Trend
Foto: Unsplash/Todd Kent

Liebe dich selbst, so wie du bist – diese Message versuchen zahlreiche Influencer auf Instagram zu verbreiten. Doch die Selbstliebe-Bewegung auf Social Media hat auch ihre Schattenseite, findet MADS-Autorin Nina.


Sie zeigen sich mit Bauchfalten, Beinhaaren und ohne Make-Up im Gesicht. Seit sich der Body Positivity- und Selbstliebe-Trend auf Social Media verbreitet hat, trauen sich immer mehr Frauen so darzustellen, wie sie sind – und nicht wie Geschlechterklischees sie gerne hätten. Eine super Entwicklung – keine Frage. Denn so wird vielen Frauen immerhin etwas von dem Druck genommen, einem idealen Klischeebild der Weiblichkeit nachzueifern.

Selbstliebe auf Instagram

Doch innerhalb der letzten Monate und Jahre haben sich Hashtags wie #selflove oder #bodypositivity so rasant auf Instagram verbreitet, dass sie teilweise ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben. Insgesamt 36,2 Millionen Beiträge finden sich mittlerweile unter dem Hashtag #selflove. Darunter zahlreiche Selfies und Bilder, die alte Instagram-Muster wie gewohnt fortsetzen: Mit Facetune und Filtern werden Gesichter so modelliert, dass sie den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Ziemlich vorbei an der ursprünglichen Gesinnung.

Und nicht nur das: Selbstliebe ist zu einer ziemlich penetranten Bewegung geworden. Jetzt stehen wir nicht mehr unter dem Druck, der Perfektion nachzueifern, sondern stattdessen alles an uns zu lieben – unseren Körper samt Haaren, Cellulite, zu vielen oder zu wenig Kilos. Selbstakzeptanz? Reicht nicht. Stattdessen sollen wir unsere unperfekte Perfektheit zelebrieren – immer auch mit der unterschwelligen Betonung, dass Dehnungsstreifen, Cellulite und verschieden große Brüste eben genau das sind: nicht perfekt. Damit setzt auch die Bodypositivity-Bewegung bestimmte körperliche Eigenschaften immer wieder als Makel hervor.

Gestützt wird das Zelebrieren der eigenen Person und des eigenen Körpers von ellenlangen Bildbeschreibungen auf Instagram, die von persönlichen Wegen zur Selbstliebe berichten. Dazu Bilder von Frauen, die mit breitem Lachen in die Kamera strahlen.

Influencer und #selflove

Das kann inspirieren – muss es aber nicht. Denn die wenigsten Worte können eine lange Tradition von Schönheitsidealen durchbrechen – oder uns das dünne Oberlippenbärtchen oder ungewollte Brusthaar schöner erscheinen lassen. Sich selbst als das zu akzeptieren und zu lieben, was man nun einmal ist – nämlich ein normaler Mensch, der die Realität nicht mit Photoshop aufpolieren kann, ist eben gar nicht so einfach. Das können die Influencer auch nicht mit lebensbejahenden Fotos weglachen. Unsicherheiten sollten eben auch akzeptiert werden – so wie die Körperhaare von Frauen.

Von Nina Hoffmann


Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (23) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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