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Schulkolumne: Referendarin Helena fühlt sich wie bei Germanys Next Topmodel

Schulkolumne: Referendarin Helena fühlt sich wie bei Germanys Next Topmodel
Foto: Foto: Amelie Rook/Unsplash.com

Helena (25) ist eine von rund 30.000 Lehramtsanwärtern in Deutschland. Was passiert eigentlich hinter der sagenumwobenen Lehrerzimmertür? Wie ist es, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, die nur ein paar Jahre jünger sind als man selbst? Und wie kommt Helena mit dem Druck klar? Davon erzählt sie – unter Pseudonym – in den nächsten 18 Monaten in ihrer neuen MADS-Kolumne: die Referendarin.


Es war so weit. Mein erster Unterrichtsbesuch stand an. In der Nacht davor schreckte ich dauernd ängstlich hoch. Hatte ich verschlafen? So aufgeregt war ich zuletzt bei meiner Führerscheinprüfung – und die liegt acht Jahre zurück. Im Referendariat muss man eine gewisse Anzahl an Unterrichtsbesuchen ableisten: Fachleiter und/oder Pädagogen werden je nach Standort und Bundesland fünf- bis 30-Mal in den Unterricht eingeladen.

In der Kolumne „Die Referendarin“ erzählt Helena von ihrer Ausbildung. 
Zeichnung: Amelie Rook

Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass der erste ein „Kontaktbesuch“ sei, bei dem geschaut wird, wie ich vor der Klasse stehe, ob ich authentisch bin. „Im ersten Besuch sind sie nett, wirst viel gelobt, alles easy“, beruhigten mich die älteren Referendare im Lehrerzimmer. Eine Freundin gab mir den Tipp, nicht zu gut zu starten – schließlich würden die Fachleiter „eine Entwicklung in der Zeit sehen wollen“. Ich stutzte. Sind wir hier bei „Germany’s Next Topmodel“? Ich dachte an Heidi Klum, die zur Primetime mit schnarrender Stimme ein Mädchen abkanzelt, bei dem sie „einfach keine Entwicklung“ sehe.

Eine Katastrophe

Der erste Besuch war sowieso eine Katastrophe. Zum Glück sind wir nicht bei „Germany’s Next Topmodel“ und die Ausbilder können dich nicht nach schlechter Performance mit einem „Ich habe leider kein Foto für dich“ nach Hause schicken. Meine fünfte Klasse hat zehn Minuten gebraucht, um die Aufgabe zu verstehen, die Ergebnisse waren sehr (sehr!) durchwachsen und die Zeit hat erst recht nicht gereicht. Trotzdem hat mich mein Fachleiter gelobt und von „viel vorhandenem Potenzial“ gesprochen. Über den Ratschlag meiner Freundin kann ich inzwischen nur lachen. Sich anfangs absichtlich schlecht anstellen? Überflüssig.

Von Helena Fischer


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Über den Autor/die Autorin:

MADS-Team

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