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Reisen lernen mit Interrail: Junge Leute berichten von ihren Erfahrungen und Erwartungen

Reisen lernen mit Interrail: Junge Leute berichten von ihren Erfahrungen und Erwartungen
Foto: Patrick Seeger/dpa

Seit 50 Jahren bietet Interrail die Möglichkeit, mit Zug und Fähre kostengünstig Europa zu erkunden. Wir haben mit jungen Menschen darüber gesprochen, was sie erlebt haben oder sich von bevorstehenden Touren versprechen.


Mehr als zehn Millionen Menschen sind in den vergangenen 50 Jahren mit Interrail durch Europa gereist. Eine von ihnen ist Luca Malin Holzapfel (20 Jahre). Sie reiste zusammen mit einem Rucksack und Freunden im Sommer 2020 durch Europa. „Wir haben damals ein Ticket gewonnen und uns dann überlegt, was wir machen wollen“, sagt sie. Vier Wochen lang wollte sie durch Europa reisen. Wegen Corona musste die Gruppe allerdings ein wenig umdisponieren.

Interrail – „eine richtig coole Erfahrung“

„Es war aber eine richtig coole Erfahrung, und man lernt auf jeden Fall, zu reisen und sich selbst zu organisieren. Ein grober Plan im Voraus erleichtert auf jeden Fall einiges, aber es war super entspannt. Und wir haben auch immer andere Interrailreisende getroffen, mit denen wir uns ausgetauscht haben“, resümiert Holzapfel. Ein Highlight war für sie der Besuch eines Strandes in Neapel, an dem niemand Englisch oder gar Deutsch sprechen konnte und sich die Gruppe mit Händen und Füßen verständigen musste.

Reiste im Sommer 2020 mit Interrail durch Europa: Luca Malin Holzapfel. Foto: Emma Fiedler

Nils Bürgel (52 Jahre) war vor mehr als 30 Jahren in Portugal und Spanien mit einem Zelt unterwegs. Seitdem ist die Anzahl der möglichen Reiseländer weiter gestiegen. „Wir, meine drei Stubenkameraden und ich, sind damals nach unserer Zeit bei der Bundeswehr für vier Wochen nach Portugal gefahren. Wir hatten kein Geld, aber wollten zusammen reisen. Und da hat sich Interrail angeboten“, blickt Bürgel zurück. Die Gruppe habe nur positive Erfahrungen gemacht – und das, obwohl die Züge damals nicht klimatisiert waren. „Ich habe zum ersten Mal Innereien probiert, obwohl ich im Leben nicht dran gedacht hätte, sowas mal zu probieren“, sagt Bürgel. „Mit Interrail kann man reisen, ohne an den Grenzen groß aufgehalten zu werden. Das ist nicht selbstverständlich, und das sollten wir nutzen.“

War vor 30 Jahren mit Interrail unterwegs: Nils Bürgel. Foto: Nils Bürgel

Junge Menschen berichten von ihren Interrail-Erwartungen

Die 17-jährige Charlotte Kleinert aus Hamburg will in diesem Jahr vor allem den Süden Europas erkunden: „Reisen fand ich schon immer super, und mit Interrail geht das ziemlich günstig, gerade mit den Jubiläumsangeboten. Ich fahre mit einer Freundin, und wir nehmen ein Zelt mit, um besonders günstig und lange zu reisen“, sagt sie. Durch Freunde und durch ihre Mutter sei sie auf Interrail aufmerksam geworden. „Es wird ziemlich aufregend werden, da bin ich mir sicher. Ich war noch nie so lange allein weg, und wir werden ja auch jeden Tag neue Dinge erkunden. Es wird sich ziemlich sicher lohnen“, freut sie sich.

Möchte mit Interrail den Süden Europas kennen lernen: Charlotte Kleinert. Foto: Emma Fiedler

Genau so geht es auch Benjamin Kehl (19 Jahre) aus Burgdorf (Region Hannover). Durch seinen großen Bruder, aber auch durch seine Freunde sei er auf Interrail aufmerksam geworden. „Ich wollte nach meinem Abi unbedingt einmal einen Monat aus Deutschland rauskommen, vor allem, weil ich seit 2019 nicht mehr im Ausland war“, sagt Kehl. Er wolle einfach mal unbeschwert herumreisen, Erinnerungen sammeln und viel Zeit mit Freunden verbringen. Besonders auf Barcelona und London freue er sich, aber auch auf Frankreich. „Die Atmosphäre dort vor Ort und das Gefühl durch diese Straßen zu laufen: Das möchte ich erleben.“

Mit insgesamt sechs Freunden reist er einmal quer um Deutschland herum. Die meisten Hotels sowie Züge seien schon gebucht. „Es ist leider nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellt. Man sollte das schon ein paar Monate im Voraus planen, denn das Kontingent – vor allem bei den Nachtzügen – ist echt begrenzt, und wir haben oft keine Plätze mehr bekommen“, sagt er. Ein wenig Angst hat er vor der anstehenden großen Hitzewelle sowie vor möglichen Verspätungen von Zügen, sodass man vielleicht irgendwo stranden könnte. „Es gibt Schlimmeres, aber das möchte ich eher vermeiden“, sagt Kehl.

Freut sich besonders auf London und Barcelona während seiner Reise: Benjamin Kehl. Foto: Benjamin Kehl

50 Jahre Interrail

Mit unterschiedlichen Angeboten und flexiblen Fahrzeiten, auch zum kleinen Preis, ist Interrail besonders für Jugendliche und junge Erwachsene attraktiv – und für genau diese war der Interrail-Pass auch ursprünglich gedacht. Bis 1998 wurde das Ticket nur an Jugendliche unter 21 Jahren verkauft, sodass diese günstig während der Ferien oder nach dem Schulabschluss durch Europa fahren konnten.Inzwischen können nicht nur Jugendliche mit dem Interrail-Pass durch 33 europäische Länder touren, sondern auch Erwachsene und Familien. Interrail wirbt auf der eigenen Internetseite damit, in den vergangenen 50 Jahren mehr als zehn Millionen Reisende in einem mehr als 250.000 Kilometer langen Schienennetz transportiert zu haben.

Eingeführt wurde der Interrail-Pass wegen des 50-jährigen Bestehens des Internationalen Eisenbahnverbands. Einige europäische Eisenbahngesellschaften wollten den vermehrt aufkommenden Rucksacktouristen eine günstige Fahrkarte bieten. Bis heute ist für viele der Rucksack das Mittel der Wahl, wenn es um eine Reise mit Interrail geht. Schnell und einfach aufgesetzt und transportierbar – besonders, wenn das Hostel- oder Hotelzimmer erst am Abend zum Check-In bereitsteht.In den vergangenen 50 Jahren ist der Interrail-Pass gewachsen und hat sich immer weiter digitalisiert. So gibt es seit 2020 den Mobile-Pass, mit dem das Ticket ganz entspannt auf dem Smartphone mitgenommen werden kann. Allein 2021 reisten 94 Prozent mit diesem digitalen Ticket. Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens verloste Interrail in diesem Jahr wieder Tickets und lockte auch viele Jugendliche mit großen Rabattaktionen.

Die 20-jährige Kim Schultze aus Laatzen (Region Hannover) hat ähnliche Sorgen. „Ich möchte keine geplanten Züge verpassen. Auch an Corona während der Reise zu erkranken wäre blöd“, sagt sie. Vor wenigen Jahren hatte sie bei einem Interrail-Gewinnspiel gewonnen, dann kam jedoch die Pandemie dazwischen. Ab Mitte August geht sie nun für vier Wochen auf Tour durch die Schweiz, Österreich und Italien. Noch ist ihre Reise nicht ganz genau durchgeplant, doch auf Wien und die Amalfiküste in Italien freut sie sich bereits jetzt. 

Freut sich auf ihre Interrail-Reise in die Schweiz, Italien und Österreich: Kim Schultze. Foto: Kim Schultze

„Ich bin noch nicht oft mit dem Flugzeug oder gar mit dem Zug verreist. Dank dem gut ausgebauten Schienennetz in Europa ist Interrail aber eine super Gelegenheit für mich, auch mal mit weniger Gepäck und vor allem alleine zu reisen. Das bin ich noch nie, und das könnte vielleicht eine Herausforderung werden“, gibt sie zu. Auf einer Plattform für Interrail-Reisende habe sie sich angemeldet, um unterwegs ein paar neue Menschen kennenzulernen. Nach Möglichkeit möchte Schultze zudem Nachtzüge nutzen: „Das Konzept finde ich super: Nachts kann man im Zug schlafen und tagsüber dann die Städte erkunden.“

Von Emma Fiedler und Josefine Battermann


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