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„Nummer ohne Anruf“: Studentin startet Projekt gegen Belästigung

„Nummer ohne Anruf“: Studentin startet Projekt gegen Belästigung
Foto: Jasmin Aboudhaq

97 Prozent aller Frauen sind laut einer Studie der Hochschule Merseburg schon einmal sexuell belästigt worden. Mit der Aktion „Nummer ohne Anruf“ will Jasmin Aboudhaq Menschen aus übergriffigen Situationen heraushelfen. Die Nachfrage sei schon nach kurzer Zeit enorm, berichtet die Studentin.


Viele kennen die Situation: Sie werden auf der Straße oder beim Feiern nach der Handynummer gefragt, obwohl sie überhaupt kein Interesse am Gegenüber haben. Oft lässt die andere Person trotz Abwimmelversuchen nicht nach. Auch Jasmin Aboudhaq sagt, sie habe sich in der Not schon als „Lisa“ vorgestellt und falsche Handynummern erfunden, um Fremde loszuwerden.

Doch dann kam der Freiburger Studentin und Sozialpädagogin eine Idee, wie sich diese unangenehme Situation in Zukunft wirkungsvoller lösen lässt. Betroffene können sich als „Noa“ vorstellen und statt ihrer eigenen die „Nummer ohne Anruf“, eine gewöhnliche Handynummer, herausgeben. Wer dieser Nummer schreibt, erhält eine vorgefertigte Antwort.

Auf Nachrichten an „NoA“ folgt direkt diese Antwort, die auf die Website des Projekts verweist. Dort finden die Empfänger Tipps, wie sie sich das nächste Mal verhalten könnten, damit ihr Gegenüber sich wohler fühlt. Foto: Screenshot

Jasmin engagiert sich schon lange politisch. Besonders Themen wie Gleichberechtigung und Feminismus liegen ihr am Herzen. Auf Instagram habe sie eine ähnliche Nummer für die USA gesehen, erzählt die Studentin. So kam sie auf die Idee, die Aktion auch in Deutschland umzusetzen. Abwimmelhotlines gibt es zwar schon – doch die beugen keiner Belästigung in Zukunft vor. „Mein Ziel ist es nicht, mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, sondern über Kommunikation auf Augenhöhe etwas zu verbessern“, erklärt sie.

Aufklären statt Verspotten

Die Website des Projekts verweist unter anderem darauf, welche Ausdrücke man vermeiden und auf welche Verhaltensweisen man beim Gegenüber achten sollte. Die belästigende Person bekommt so die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren und sich aufzuklären, ohne runtergemacht oder beleidigt zu werden.

Auf den Namen „NoA“ kam Jasmin, weil sie einen geschlechtsneutralen Namen wählen wollte. Belästigung betreffe alle Geschlechter, und dementsprechend solle auch die Nummer für alle funktionieren. Außerdem passe „NoA“ perfekt als Abkürzung für die „Nummer ohne Anruf“.

„Nummer ohne Anruf“ soll noch besser werden

Auf der „NoA“-Website kann man auch an das Projekt spenden. Das Geld geht erst einmal an Jasmin privat. Sie erzählt, dass sie momentan noch alles selbst finanziert. Doch etwa für Flyer, Sticker und eine bessere Software brauche sie finanzielle Unterstützung. Zum Beispiel würde sie gerne einrichten, dass die Antwort zeitversetzt kommt.

Bei der Frage, ob sie schon Antworten an die Nummer bekommen habe, muss Jasmin lachen – sie habe mittlerweile 7000 verpasste Anrufe und noch mehr ungelesene Nachrichten.

Das ist die „Nummer ohne Anruf“: 0157 53024990

Von Yuni Becker


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Über den Autor/die Autorin:

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