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Neuer Trailer: Warum „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ die Fangemeinde spaltet

Neuer Trailer: Warum „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ die Fangemeinde spaltet
Foto: Amazon Prime Video/Herr der Ringe/Die Ringe der Macht/dpa

Nach sechs Filmen erscheint nun auch eine Serie um J. R. R. Tolkiens fiktive Welt „Mittelerde“. Worum es in „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ geht und warum die Serie die Fans in zwei Lager aufteilt, erklärt MADS-Autorin Annika.


Mittelerde ist die Heimat von Menschen, Elben, Zwergen, Hobbits und zahlreichen weiteren magischen Kreaturen. Auch wer J. R. R. Tolkiens Bücher nicht gelesen oder die Filme nicht gesehen hat, kann grundsätzlich etwas mit dieser Welt anfangen. An diese große Fankultur knüpft nun „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ an.

Die Amazon-Serie spielt tausende Jahre vor den Ereignissen von „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ im sogenannten Zweiten Zeitalter. Dieses ist grundlegend für die Romane: Hier wurden die magischen Ringe geschmiedet, von denen einer ein zentraler Teil in Bilbos und Frodos Geschichten ist.

Auch weitere Elemente der neuen Serie sind bekannt: Die Beziehung zwischen Elben und Menschen soll ergründet werden, außerdem die Machtergreifung Saurons. Als bekannte Figuren treten unter anderem Elrond (Robert Aramayo) und Galadriel (Morfydd Clark) auf. Die Serie ist also eine detaillierte Darstellung des Romanprologs, wobei auf Tolkiens weiteres Werk zurückgegriffen wird.

Riesiges Universum: Tolkiens Geschichte ist lange noch nicht auserzählt

Dass der britische Autor nicht nur die „Herr der Ringe“-Trilogie und „Der Hobbit“ schrieb und damit die Geschichten von Frodo und Bilbo Beutlin erzählte, ist bekannt. Tolkien baute sein Universum weiter aus, als es in den Büchern je genutzt wurde. Er schuf eine umfassende Geschichte und mehrere fiktive Sprachen.

In Büchern wie dem „Silmarillion“ gibt es breit gefächerte Hintergrundinformationen zu seiner epischen Welt. Sein Werk ist das Aushängeschild der High Fantasy, seine Fans sind auch Jahrzehnte nach seinem Tod zahlreich. Genau deshalb lädt Mittelerde auch über Tolkiens Hauptwerke hinaus zum Ergründen ein.

Lange galt es als undenkbar, Tolkiens Geschichten als Realverfilmung zu adaptieren. In den 70er Jahren gab es lediglich eine Zeichentrickserie. In den frühen Zweitausendern gelang es jedoch, den bereits damals fast 50 Jahre alten Büchern auch für die Kinoleinwand Leben einzuhauchen. Regisseur Peter Jackson hat mit seiner Verfilmung der Tolkien-Werke etwas geschaffen, das den Büchern in nichts nachsteht. Die Filme machen die epische Atmosphäre greifbar und bestechen vor allem mit ihrer Zeitlosigkeit. Statt CGI nutzte Jackson Spezialeffekte, tausende Statisten und echte Szenerien, wodurch man auch zwanzig Jahre später noch gut in seine Vision von Mittelerde eintauchen kann.

Was Amazon anders macht

Die neue Amazon-Serie scheint allerdings einen anderen Weg zu gehen. Der erste Trailer sieht hochwertig produziert aus, allerdings wirkt die Welt zu aufpoliert. Den Bildern fehlt der Charme der Filme, dem Ganzen fehlt der Charakter der Jackson-Reihe. Ohne die Handlung zu kennen, vermittelt der Trailer eher das Bild einer generisch-platten Fantasy-Reihe, der die berührenden Einzelschicksale und die greifbaren Helden fehlen.

„Der erste Trailer sieht hochwertig produziert aus, allerdings wirkt die Welt zu aufpoliert“

MADS-Autorin Annika

So erinnert der neue Trailer weniger an die Gänsehautmomente, die die Schlachten in Jacksons Filmen erschaffen, sondern eher an die zahlreichen anderen Fantasy-Verfilmungen, die über die Jahre erschienen und dann recht schnell in Vergessenheit geraten sind.

„The Shannara Chronicles“ wurde abgesetzt, obwohl Terry Brooks eine Trilogie sowie weitere Werke im Universum geschrieben hatte, „Das Rad der Zeit“ erfuhr Ende 2021 nicht das große Medienecho, das sich Fans der 14 Romane von Robert Jordan (nach seinem Tod fortgesetzt von Brandon Sanderson) erhofft hatten. Auch Serien, die bei Fans weltweit größtenteils gut ankamen und fortgesetzt werden – zum Beispiel „The Witcher“, „His Dark Materials“ oder „Shadow and Bone“ – schafften es nicht, das neue „Game of Thrones“ zu werden und auch Nicht-Fans des Fantasy-Genres für sich zu begeistern.

Neue Ansätze in „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“

Auch die Tolkien-Fans scheinen zwiegespalten. In den Youtube-Kommentaren und auf Reddit wird der neue Trailer heiß diskutiert. Die eine Seite wirkt offen für einen neuen Ansatz. Sie hebt positive Elemente wie die Darstellung von Nebenfiguren hervor. Auch die Ankündigungen der Showrunner, den verschiedenen Gruppen in Mittelerde unterschiedliche Sprachmuster zu geben, kommt gut an.

Geht es Amazon nur ums Geld?

Scherzhaft werden auch alte Hörbuchproduktionen sowie die alte Zeichentrickserie als nicht ganz stoffgerechte Adaptionen hervorgehoben, gegen die die Amazon-Serie nur gut wirken könne. Der anderen Seite der Fans hingegen schwant Übles. Sie fürchten, dass die neue Geschichte mehr auf den finanziellen Aspekt aus ist und sich nicht ausreichend mit Tolkiens Werk beschäftigen werde.

Auch eine höhere Wertung der Optik gegenüber der Handlung wird angesprochen – immerhin wird „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ die wohl teuerste Serienproduktion aller Zeiten sein. Viele Fans reagieren auf den Trailer mit einem an Tolkiens Vorstellungen angelehnten Zitat, das er so wohl nie gesagt hat: „Evil cannot create anything new, they can only corrupt and ruin what good forces have invented or made“

Letztendlich ist es normal, dass die Fans sich in ihren Erwartungen nicht einig sind. Filmadaptionen können einfach nicht vollständig buchgetreu sein. Das ist zu erwarten und löst immer wieder Kritik aus. Bei einer riesigen – teilweise sehr gut informierten – Fan-Gemeinde wie der Tolkiens, sind diese Rufe lediglich lauter.

„Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ soll im September bei Amazon Prime erscheinen. Die erste Staffel wird acht Folgen umfassen. Eine zweite Staffel wurde bereits bestätigt.


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Über den Autor/die Autorin:

Annika Eichstädt

Annika (23) macht ihren Master in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. Das ist zwar brotlose Kunst, aber sie liest oder schreibt nun einmal den ganzen Tag. Bei MADS rezensiert sie am liebsten Musik oder Serien.

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