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Mit dem Spürgerät unterwegs auf Rügen

Mit dem Spürgerät unterwegs auf Rügen
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Die Technik ist unscheinbar: zwei Räder, dazwischen ein kleines Stück Teppich, die Teppich-Sonde, verbunden mit einer Stange zum Schieben und einem handlichen Messgerät, das Axel Böhm sich um den Hals hängt. Aber diese Technik hat es in sich – sie spürt Erdgas auf. Kleinste Mengen, die zum Beispiel bei einem Leck an einer Gasleitung entweichen. Um zu veranschaulichen, wie extrem sensibel das Gerät auf „falsches“ Gas reagiert, sagt der 53-jährige Techniker: „Würden 80 000 Zuschauer in einem Stadion mit bunten Kappen sitzen und ein einziger Zuschauer hätte eine orangefarbene Kappe auf, dann würde dieses Gerät sofort diese Kappe herausfinden.“

Über Straßen und Wiesen, durch Gärten und Wälder

Jedes Jahr ab dem Frühjahr lässt der Energiedienstleister EWE seine Gasleitungen auf Rügen prüfen. Dazu beauftragt das Unternehmen die GDF GmbH in Bergen, zu der Böhm und sein Kollege Mario Weglowski (54) gehören. Beide werden in den kommenden Monaten täglich bis zu neun Kilometer zu Fuß die Strecken abgehen, auf denen unter der Erde Gasleitungen liegen. Weglowski ist der Gasspür-Lotse und lotst mit Hilfe eines Tablets, auf dem sich sämtliche Kartierungen befinden, seinen Kollegen durch Wohngebiete, über Wiesen und Höfe und Landstraßen, durch abenteuerliche Kleingartenanlagen und Wälder und Gebüsche. „Über die Teppichsonde wird permanent Luft wie bei einem Staubsauger angesaugt und analysiert“, erläutert Böhm.

Lecks an Leitungen meist durch Bauarbeiten

Auf Rügen ist das EWE-Gasnetz inklusive aller Hausanschlussleitungen 2400 Kilometer lang, pro Saison werden mehr als 400 Kilometer abgegangen. „Wir finden selten ein Leck“, berichtet Techniker Böhm. Im vergangenen Jahr gab es vier undichte Stellen. An den Leitungen liegt es meist nicht, wenn Gas austritt, die sind alle in Schuss. Meist sind es unvorsichtige Bauarbeiter, die Gasleitungen beschädigen oder Leute auf ihren Grundstücken, die beispielsweise einen Zaunpfahl in die Erde rammen, ohne die Lage von Versorgungsleitungen zu bedenken.

Gas in Hohlräumen ist gefährlich

Die größte Gefahr bei Gaslecks ist die Ansammlung des Methans in Hohlräumen, etwa in Schächten oder Kellern. „Deshalb dürfen Gasleitungen nicht überbaut werden“, betont Axel Böhm. Ist aus einem offenen Carport zum Beispiel eine gemauerte Garage geworden, muss die Leitung umverlegt werden (auf Kosten des Verursachers). Doch wie bekommen die Männer bauliche Veränderungen mit? „Wir dokumentieren viel, achten schon generell auf Überbauungen und kennen uns sehr gut in der Region aus“, sagt der Fachmann. Es gehe schließlich um die Sicherheit.

Prüfer kommen ohne Sonnenbrille

Um Leitungen auf Privatgrundstücken bis zu den Hausanschlüssen zu prüfen, versuchen sich die „Spürnasen“ zuvor anzumelden. Außerdem tragen sie Ausweise bei sich, aber keine Sonnenbrillen. „Weil unsere Kunden unsere Augen sehen wollen“, so Böhm. Mit Sonnenbrille sehe ein Fremder vor einem Grundstück verdächtiger aus. Bei Hunden sei man zurückhaltend, ein Kollege wurde schon mal gebissen. Zum Glück sind die Gasspürer bei vielen schon bekannt.

Gasmonteur Mirko Dinse vom Auftraggeber, der EWE Netz GmbH, aus Bergen spricht jeden Tag mit den Gasspürern. „Wir stimmen uns ab, tauschen uns zum Beispiel über geplante Bauarbeiten auf den Strecken aus und es geht um Qualitätskontrolle“, sagt der Meister. Ab und zu werden stichprobenartig auch abgelaufene Strecken nachgeprüft. Axel Böhm empfindet das nicht als Gängelei, im Gegenteil: „Es ist beruhigend, wenn man merkt, dass man eine gute Arbeit macht.“ Das sei nämlich kein Selbstlauf, schließlich muss die Konzentration beim Laufen permanent da sein, die Verantwortung sei nicht zu unterschätzen.

Bis die Schuhe abgelaufen sind

Am wichtigsten ist nun für die „Wanderer“ trockenes Wetter. Warum? „Weil Nässe den Boden in gewisser Weise versiegelt und eventuell austretendes Gas schwerer zu orten ist.“ Die beiden Männer ziehen sich ihre Wanderschuhe an, verreiben etwas Sonnencreme im Gesicht, schnappen sich die Technik samt Hightech-Messgerät und – laufen los. 400 Kilometer liegen in dieser „Schnüffel-Saison“ auf der Urlaubsinsel Rügen noch vor ihnen. Am Ende werden die Sohlen komplett abgelatscht sein.

EWE bildet aus

Der Energiedienstleister EWE ist in den Geschäftsbereichen Energie, Telekommunikation und Informationstechnologie aktiv.

Mit mehr als 8700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut 5,7 Milliarden Euro (2018) gehört EWE zu den großen Energieunternehmen in Deutschland. Im Nordosten agiert das Unternehmen vor allem auf der Insel Rügen.

EWE bildet aus – sowohl im Technik- und IT-Bereich als auch im kaufmännischen Sektor. Zum Beispiel Elektroniker für Betriebstechnik, IT-Systemelektroniker, Kaufleute im Einzelhandel, Anlagenmechaniker, Industriekaufleute, Chemielaborant, Hauswirtschafter, Fachkraft für Abwassertechnik, Kaufleute für Marketingkommunikation oder Fachinformatiker für Systemintegration. Außerdem werden duale Studiengänge angeboten, etwa Betriebswirtschaft für Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Wirtschaftsinformatik.

Vom klassischen Energieversorgerzum Lösungsanbieter für die Bereiche Wärme, Telekommunikation, Energie, Daten und Mobilität – so will sich EWE entwickeln. Die Kohlenstoffdioxid-Emission der EWE-Stromproduktion wurde gegenüber 2005 um 40 Prozent reduziert.

Größter Anteilseigner von EWE sind 21 Landkreise und Städte, beispielsweise Oldenburg, Cuxhaven oder die Landkreise Stade, Delmenhorst und Cloppenburg. 26 Prozent der Anteile hält der sogenannte strategische Wachstumspartner Ardian, ein Infrastruktur-Investor.

Info: www.ewe.com/karriereazubiblog.ewe.com

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Von Klaus Amberger

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