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Medizin-Studium in Schleswig-Holstein bald ohne Abitur möglich?

Medizin-Studium in Schleswig-Holstein bald ohne Abitur möglich?
Foto:  NEELSEN

Ein Entwurf für einen Staatsvertrag der Wissenschaftsminister der Länder macht es möglich, aber die Politik ist skeptisch. Das Ministerium in Kiel will die Möglichkeit prüfen. Die Johanniter sprechen von einer „tollen Anerkennung“.


Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat den Weg frei gemacht, jetzt müssen die 16 Landesparlamente noch zustimmen: Die Zulassung zum Medizinstudium soll reformiert werden. Der Entwurf der Wissenschaftsminister für einen Staatsvertrag sieht dabei unter anderem vor, dass die Länder künftig auch beruflich Qualifizierten ohne Abitur den Weg zum Medizinstudium ebnen können. Das könnten zum Beispiel Rettungssanitäter sein.

Künftig sollen nämlich bis zu 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Studienplätze für Vorabquoten vorbehalten werden können. In diesem Rahmen könnten die Länder beispielsweise auch eine Quote für Landärzte schaffen – oder eben für Bewerber ohne Hochschulreife. Auch die Studiengänge Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie wären von der Neuregelung betroffen.

Auch ohne Einser-Abi zum Medizin-Studium

Die nach Abzug der Vorabquote verbleibenden Studienplätze sollen an jeder Uni künftig so vergeben werden: 30 Prozent an die besten Abiturienten und 10 Prozent nach einer neuen „zusätzlichen Eignungsquote“. Das Abitur ist zwar auch hier Grundvoraussetzung, ein Einser-Abi aber nicht unbedingt nötig. Denn hier müssen sich Bewerber durch andere, notenunabhängige Kriterien qualifizieren. Dazu können unter anderem berufliche Erfahrungen im medizinischen Bereich oder besonderes ehrenamtliches Engagement zählen. Die übrigen 60 Prozent gehen wie gewohnt an Bewerber, die über das allgemeine „Auswahlverfahren der Hochschulen“ ausgewählt werden.

Kieler Wissenschaftsministerin zufrieden

Wie Schleswig-Holstein mit der geplanten Vorabquote künftig umgehen wird, will das Kieler Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur prüfen. Darüber hinaus zeigte sich Ministerin Karin Prien(CDU) zufrieden: „Die Abiturnote behält großes Gewicht, zudem erweitert der Entwurf die Gestaltungschancen für die Hochschulen und verbreitert die Zugangswege für Studienplatzbewerbern im Fach Medizin.“ Die neu eingeführte Eignungsquote eröffne nämlich auch Bewerbern ohne weit überdurchschnittliche Hochschulzugangsberechtigung Chancen auf einen Studienplatz.

Und Sandra Magens, Kanzlerin der Universität zu Lübeck, erklärt: „Die Universität zu Lübeck berücksichtigt neben den gesetzlich vorgegebenen Quoten schon seit vielen Jahren auch diverse schulnotenunabhängige Kriterien. Die ,zusätzliche Eignungsquote’ ist für uns daher eine Chance, dass diese Kriterien auch bereits auf der dem hochschuleigenen Verfahren vorgeschalteten Ebene Berücksichtigung finden können. Wie das im Einzelnen der Fall sein wird, wird die weitere gemeinsame Arbeit an diesem ,Systemwandel’ zeigen.“ Die Hochschule sei gewillt, daran mit ihren Erfahrungen weiterhin mitzuwirken.

Politik: Abitur bester Indikator für erfolgreichen Studienabschluss

Tim Brockmann, Stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, freut sich über die einstimmige Beschlusslage der KMK, ist angesichts der möglichen Einführung einer Quote für Medizin-Studenten ohne Abitur allerdings skeptisch: „Ich bin ein Freund von offenen Ausbildungssystemen. Man stellt aber immer wieder fest, dass das Abitur noch immer der beste Indikator für einen erfolgreichen Studienabschluss ist.“ Ein Medizin-Studium sei teuer für das Land, es könne es sich nicht leisten, dass es zu vielen Abbrüchen komme. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, schlägt in dieselbe Kerbe. Er freut sich aber über die Einführung der Eignungsquote. „Sie ist gerade in einem Fach wie Medizin richtig, um auch denen eine Chance zu geben, gute Ärzte zu werden, die wegen einzelner schwacher Noten kein Spitzenabitur geschafft haben“, so Habersaat.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken die Rettungsdienste im Land auf den Entwurf. „Für die Berufszweige, die es betrifft, ist es mit Sicherheit eine tolle Anerkennung und Wertschätzung der Ausbildung, die sie geleistet haben“, sagt Matthias Rehberg, Bereichsleiter für Einsatzdienste bei den Johannitern im Regionalverband Schleswig-Holstein Süd/Ost. Auf der anderen Seite seien die Johanniter aufgrund des Fachkräftemangels bereits jetzt ständig auf Personalsuche, nun entwickle sich auf diesem Wege eventuelle eine neue Konkurrenzsituation. „Gesamtgesellschaftlich ist es aber grundsätzlich eine gute Idee“, so Rehberg.

Jan Wulf

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