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Lehrer aus Barth unterrichtet jetzt in Abu Dhabi: Wie es dazu kam

Lehrer aus Barth unterrichtet jetzt in Abu Dhabi: Wie es dazu kam
Foto: privat

Seit fünf Monaten unterrichtet Christoph Gerhardt an einer Schule in den Vereinigten Arabischen Emiraten Deutsch und Geschichte. Zuvor war er Lehrer in Barth. Im Gespräch mit der OZ sagt der 32-Jährige, wie lange er vielleicht in dem Wüstenstaat bleiben wird.

Christoph Gerhardt ist Lehrer für Deutsch und Geschichte und stammt aus Prohn bei Stralsund. Bis vor fünf Monaten unterrichtete der 32-Jährige am Gymnasialen Schulzentrum in Barth. Nun ist er Lehrer in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in Abu Dhabi an der German International School. In der Stadt am Persischen Golf herrschen derzeit Temperaturen von 24 Grad Celsius.

Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster schauen?

Den Arabischen Golf, fast immer den blauen Himmel und die Sonne, das emiratische Außenministerium mit seinem großen internationalen Flaggenwald und viele grüne Plätze mit Palmen.

Warum sind Sie ins Ausland und nach Abu Dhabi gegangen?

Die Faszination Ausland war immer präsent, aber finanziell und zeitlich wollte ich mir ein Auslandsjahr nach dem Abitur oder Auslandssemester im Studium nicht leisten. Während meiner Schulzeit in Stralsund ging mein Geschichtslehrer an eine deutsche Schule nach Kairo, der ägyptischen Hauptstadt. Wie es der Zufall wollte, wurde dieser Geschichtslehrer nach meinem Lehramtsstudium mein Mentor für das Referendariat. In dieser Zeit tauschten wir uns über den Auslandsschuldienst, den Bewerbungsprozess und die kulturellen Erfahrungen aus. Nach meinem Referendariat ging mein Mentor erneut in den Auslandsschuldienst. Für mich war nun klar, dass ich das auch wollte. Bei der Auswahl des Einsatzortes Abu Dhabi überzeugte mich meine Ehefrau. Sie konnte die VAE während eines Aufenthaltes im Zuge eines Einsatzes der Deutschen Marine entdecken und erleben.Lesen Sie auch

Was hat Ihre Familie und Freunde zu diesem Schritt gesagt?

Die Entscheidung für den Auslandsschuldienst war nicht spontan. Als Vater meines vierjährigen Sohns Mika und meiner sechs Monate alten Tochter Malena musste ich mir einen solcher Schritt gut überlegen. Unsere Familien und engen Freunde kannten unsere Gedankenspiele schon länger. Sie haben uns immer unterstützt – auch die Trennung sehr schwer fällt. Besonders haben mich die Gespräche mit Kollegen bestärkt, die dem Auslandsdienst und dem Erleben neuer Kulturen positiv gegenüberstehen.

Ehefrau Anne Gerhardt, hier mit Tochter Malena, bei der Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi.

Ehefrau Anne Gerhardt, hier mit Tochter Malena, bei der Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi. Quelle: privat

Haben Sie Ferien? Wie haben Sie Silvester gefeiert?

Die Deutschen Auslandsschulen sind sogenannte Leuchttürme der deutschen Bildungs- und Kulturpolitik und sollen die deutsche Schullandschaft widerspiegeln – dazu gehören auch die Ferien.

Silvester haben wir gemeinsam mit Kollegen und Kindern am Strand verbracht.

Welche Sprache sprechen Sie im Unterricht?

Im Deutsch- und Geschichtsunterricht wird deutsch gesprochen. In die englische Sprache wechseln wir nur kurz, beispielsweise, wenn kein Synonym für ein Fachbegriff vorliegt. Um mehrsprachige Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern, betreut eine zweite Lehrkraft den Geschichtsunterricht. Eltern dürfen in Beratungsgesprächen zwischen Deutsch und Englisch wählen.

Was ist anders als in Deutschland?

Einige Dinge sind hier sehr speziell und anders. Wenn wir uns jedoch nur auf den normalen Alltag beziehen, fallen einige Punkte sofort ins Auge. Die einzige Steuer ist die Mehrwertsteuer, sie liegt bei fünf Prozent. Das Mobilfunknetz ist voll erschlossen und das Internet ist stabil und schnell. Diese Bereiche liegen in staatlicher Hand. Familien, Kinder und Rentner erfahren eine enorme Wertschätzung in der Gesellschaft, sei es durch kostenlosen Eintritt, separate Eingänge, Vergünstigungen oder speziell ausgerichtete Veranstaltungen. Im Gegenzug sind die Lebensmittelpreise teilweise doppelt so teuer wie in Deutschland. In Geschäften oder auf dem Markt ist respektvolles Verhandeln gern gesehen.

Das deutsche Schulsystem mit dem Abitur als Schulabschluss ist ein Alleinstellungsmerkmal und ein weiterer Grund, warum Eltern und Schüler sich für eine Deutsche Auslandsschule entscheiden. Zusätzlich zum deutschen Rahmenplan werden auch landestypische Fächer wie Arabisch, arabische Religion und arabischer Sozialkundeunterricht angeboten. Dieser Unterricht wird vom emiratischen Bildungsministerium vorgeschrieben.

Was tun Sie nach der Arbeit?

Das Wetter ist fast nie ein Faktor in der Planung! In unserer Freizeit zieht es uns häufig ans Wasser. Wir schwimmen, kiten, segeln oder angeln. Ein angenehmer Ausgleich in den kühleren Abendstunden ist die Fahrt mit den Autos in die Wüste, um mit Kollegen und deren Familien gemeinsam zu grillen.

Wann kommen Sie wieder die 6500 Kilometer zurück an die Ostsee?

Der Auslandsschuldienst kann bis zu acht Jahre dauern. Der Reintegrationsprozess wird von der heimkehrenden Lehrkraft und vom zuständigen Schulamt vorbereitet. Den Schuleinsatzort kann das zuständige Schulamt nach Bedarf bestimmen.

Haben Sie schon arabische Bekannte gefunden?

In den ersten fünf Monaten sind wir noch nicht über Smalltalk mit Emiratis hinausgekommen. Aber man merkt: Deutschland genießt einen sehr hohen Stellenwert in den VAE mit all seinen Nationen. Immer wieder kommen in Gesprächen mit Einheimischen und Expats (Leute, die im Auftrag von Organisationen und Firmen längere Zeit im Ausland leben, Anmerkung der Redaktion) die politischen und sozialen Werte zum Vorschein, die Deutschland international verkörpert. Für uns selbstverständliche Vorgänge und Werte werden hier als kostbar betrachtet.

Was beeindruckt Sie am meisten?

Im Gespräch mit älteren Emiratis wird einem die Geschwindigkeit, mit der die VAE agieren, bewusst. Sie sind als Kinder in kleinen, kargen Wüstensiedlungen aufgewachsen und wohnen jetzt in voll erschlossenen Millionenstädten der Superlative. Trotz des rasanten Aufstieges und dem Schmelztiegel verschiedener Nationalitäten ist das Bewusstsein der Einheimischen für die eigene Kultur und die Dankbarkeit für die Leistung der vorherigen Generationen, die dieses Land aufgebaut haben, allgegenwärtig.

Von Klaus Amberger

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