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„Leaving Neverland“: So spaltet die Michael-Jackson-Doku die Öffentlichkeit

„Leaving Neverland“: So spaltet die Michael-Jackson-Doku die Öffentlichkeit
Foto:  Sina Schuldt/dpa

In den USA war die umstrittene HBO-Doku „Leaving Neverland“ bereits Anfang März zu sehen – am Sonnabend ist der Film auf ProSieben zu sehen. Die Öffentlichkeit reagiert gespalten.


Michael Jackson war größer als das Leben – das sagen James Safechuck und Wade Robson. Das sagen zwei Männer heute noch, die – nun 41 und 36 Jahre alt – dem Popsänger vorwerfen, sie als Kinder jahrelang missbraucht zu haben. „Leaving Neverland“ heißt die HBO-Dokumentation, die am Sonnabend ab 20.15 Uhr bei Pro7 läuft.

Als der Zweiteiler in den USA Anfang März erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, löste er eine Welle der Empörung aus. Radiostationen weigerten sich, die Songs von Michael Jackson zu spielen. Das war die eine Seite. Die andere: Fans warfen Safechuck und Robson vor zu lügen, um Aufmerksamkeit oder Geld zu erhalten.

Der Biograf von Michael Jackson hat einen Fehler aufgedeckt, den Regisseur Dan Reed inzwischen eingestanden hat. Die Bahnstation auf der Neverland Ranch, in der der Missbrauch unter anderem 1992 stattgefunden haben soll, sei demnach erst 1994 gebaut worden. „Da ist kein Zweifel an dem Entstehungsdatum der Station“, schreibt der Regisseur bei Twitter. Dann habe sich der Protagonist darin getäuscht, wann der Missbrauch geendet habe.

In Deutschland wollen Fans gegen Michael-Jackson-Doku protestieren

In Deutschland wehren sich Fans gegen die Vorwürfe: Vor der Pro7-Zentrale in München wollen einige von ihnen am Sonnabend demonstrieren. Vorherige Gerichtsverfahren wegen Kindesmissbrauchs führten zu keiner Verurteilung. Michael Jackson kann sich nicht mehr dazu äußern – er ist 2009 verstorben.

Doch ist ein Streit entbrannt, wer die Deutungshoheit über Michael Jackson und sein künstlerisches Erbe hat. „Fans sind Menschen, die eine sehr leidenschaftliche Beziehung zu einem Film, einem Musiker oder einem Künstler aufbauen“, erklärt Matthias Völcker, Fanforscher am Institut für Erziehungswissenschaft an der Uni Göttingen. Diese Bindung sei hochemotional – und Teil der eigenen Identität. „Wird Michael Jackson angegriffen, wird das wie ein Angriff auf die eigene Person, die eigene Identität als Fan erlebt“, so Völcker. Und so sei die Abwehrreaktion auch vehement.

In den USA haben die Menschen genauso oft Michael-Jackson-Songs gehört

Wird solch eine Dokumentation nun das Image, die Marke Michael Jackson verändern? Einen Einblick kann das Nutzerverhalten im Netz liefern. In den USA konnten die Musikstreamingdienste wie Spotify, Apple Music oder Tidal etwas Besonderes beobachten: nichts. Michael-Jackson-Songs wurden ebenso gestreamt, wie in den Monaten zuvor – das Verhaltensmuster der Hörer hat sich dem Bericht zufolge kein bisschen verändert. 16 bis 17 Millionen Mal werden die Lieder pro Woche gestreamt – in der Woche des 3. und 4. März – also der Woche der Veröffentlichung – gab es 16.497.000 Zugriffe.

Doch scheinen die Missbrauchsvorwürfe und Michael Jackson die Öffentlichkeit auch in Deutschland zu beschäftigen. Das Sucherverhalten von Google gibt über die hiesigen Hörer einen Hinweis: Denn zwar ist die Zahl der Suchanfragen in Verbindung mit Michael Jackson auch Anfang März gestiegen – allerdings bewegt es sich nun vor der erneuten Ausstrahlung im deutschen Fernsehen wieder auf Normalniveau.

Doch heißt das nicht, dass die Vorwürfe nicht im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Denn während zwar ähnlich viel gesucht wird wie Ende Februar, hat sich das, wonach gesucht wird, grundlegend verändert. Bei Google waren 2018 in Deutschland die meistgesuchten Begriffe in Verbindung mit Michael Jackson noch Wörter wie „Musical“, „Steckbrief“ oder „Bilder“. Seit Anfang März bis heute wird nach einem ganz anderen Kontext gesucht: „Missbrauchsvorwürfe“, „Leaving Neverland“ oder „pädophil“. Vielleicht wird nicht unbedingt viel mehr über Michael Jackson gesprochen, aber anders über ihn nachgedacht.

Von Geraldine Oetken/RND


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