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Krankenkassen-Chefin: „Ich mag auch Rammstein“

Krankenkassen-Chefin: „Ich mag auch Rammstein“
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Manon Austenat-Wied lebt seit vier Jahren mit ihrem Mann in Schwerin, kam von der größten in die kleinste Hauptstadt, wie die Berlinerin scherzend sagt. Die 55-jährige Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Mecklenburg-Vorpommern sitzt in ihrem Büro und schaut von hier auf das Dach des Schweriner Innenministeriums. Es gibt Kaffee. Schnell hat man das Gefühl, dass man sich mit Frau Austenat-Wied nicht nur über ihre Arbeit, sondern auch über alltägliche, schöne, schwierige, politische oder philosophische Themen unterhalten kann. Was nie fehlt bei der gut 1,80 Meter großen Wirtschaftsingenieurin: Humor und Vertrautheit.

Heute schon Zeitung gelesen?

Wenn ich morgens meine Tasse Kaffee trinke, lese ich Zeitung. Meine Katze Florentine ist auch dabei – wir beide lesen Zeitung.

Viele Leute lesen keine Zeitungen oder Zeitschriften mehr. Schlimm oder nicht?

Das kann zum Glück jeder für sich entscheiden. Ich persönlich sehe das Risiko der Isolation und dazu, was dazu führen kann, dass man sich nur noch in einer Filterblase aufhält. Das verengt wesentlich den Blickwinkel. Ich mag Journalismus, der Themen auf Basis einer sauberen Analyse aufbereitet, der differenziert und unterschiedliche Standpunkte darstellt. Das schafft Verständnis. Wichtig ist, dass man es Lesern überlässt, Schlüsse aus dem Geschriebenen zu ziehen.

Platt gefragt: Was tun Sie als Leiterin der Landesvertretung der TK?

Ich vertrete die TK und damit die Interessen unserer Versicherten im Land, bin Ansprechpartnerin für Vertreter aus Politik und Gesundheitswirtschaft. Kurz gesagt: Gemeinsam mit meinem Team gestalten wir regionale Versorgung, gern auch vernetzt. Vorsorge und Prävention spielen dabei eine große Rolle. Ich treffe mich aber auch zum Beispiel mit Selbsthilfegruppen und spreche über Selbsthilfe-Apps. Gute Gesundheitsversorgung analog und digital vernetzt weiterzuentwickeln, ist für uns wichtig. Deshalb freue ich mich, dass ich von Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, zur Digitalbotschafterin des Landes ernannt worden bin.

Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?

Im Kuratorium für Gesundheitswirtschaft des Landes wird sich sehr für die Digitalisierung eingesetzt, auch von politischer Seite. Denn sie erspart den Patienten Wege und schont ärztliche Ressourcen. Stichworte sind unter anderem Tele-Intensivmedizin, gefördert vom Gesundheitsministerium, oder Tele-Dermatologie, ein Innovationsfondsprojekt. Gerade in den ländlichen Regionen gibt es eine stark bereinigte Krankenhauslandschaft. Bereits jetzt kommt es darauf an, die bestehenden Standorte zu erhalten und weiterzuentwickeln. Das heißt, Kassen müssen auch digitale Lösungen anbieten. Mit telemedizinischen Angeboten wird zunehmend die Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung überwunden. Das Analoge und Digitale müssen im Land besser vernetzt werden, ebenso ambulante und stationäre Einrichtungen. Denn eine gute medizinische Versorgung ist ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil.

Werde ich im Zuge der Digitalisierung bei der TK, wenn ich Ihre Servicenummer wähle, demnächst mit einer Maschine sprechen?

Alle Versicherten der TK werden immer mit Menschen sprechen, nie mit einem Roboter.

Welche Musik berührt Sie?

Auf langen Fahrten im Auto höre ich Peter Fox – ‚Stadtaffe‘ ist genial. Ich mag auch Rammstein. Wenn’s mal ruhiger sein soll, wähle ich Jazz.

Warum engagiert sich die TK bei Medien an der Schule? Ist Medienkompetenz nicht Sache der Eltern?

Medienkompetenz heißt nicht, die neuesten Gadgets zu bedienen. Dahinter verbirgt sich mehr. Die neuen Medien sind für eine differenzierte Betrachtung der Welt allein oft nicht geeignet. Deshalb ist ein journalistisch aufbereitetes Gegengewicht wichtig. Wir möchten die junge Generation in die Lage versetzen, dass sie sich mit Hilfe der vielen medialen Angebote ein Urteil bilden kann. Übrigens: Medienkompetenz ist auch bei einem Berufseinstieg ein Punkt, der beachtet wird.

Durch Cybermobbing werden Schüler oft psychisch belastet. Ist das ein Thema für eine Krankenkasse?

Das Internet und die neuen Medien prägen unser Leben, auch mit den Schattenseiten. Mobbing stresst und hält Schüler vom Lernen ab, schwächt und macht krank. Wir beschäftigen uns sehr damit und sind deshalb auch Partner der Bundesjugendkonferenz Medien, die einmal im Jahr in Rostock stattfindet. Dort geht es unter anderem um Cybermobbing und weitere Themen der Medienscouts. Diese Schüler sind Multiplikatoren. Sie informieren Mitschüler und sind für sie Ansprechpartner auf Augenhöhe. Verhaltensprävention ist total wichtig.

MV ist das Land der Seen und der Strände. Mögen Sie das?

Ich bin Seglerin, besitze einen 40 Jahre alten 20er-Jollenkreuzer. Ich liebe das Wasser. Vor allem entspanne ich aber beim, wie ich es nenne, therapeutischen Schleifen, wenn ich den Bootskörper aufarbeite.

Woran denken Sie heute noch?

Beispielsweise wie Touristen ihren Urlaub in MV unter Gesundheitsaspekten planen können.

Techniker Krankenkasse ist größte Kasse

10,6 Millionen Versicherte sind Mitglied bei der Techniker Krankenkasse (TK). Damit ist sie die größte Kasse in Deutschland. Hauptsitz ist in Hamburg. In MV sind 193 000 Menschen bei der TK versichert. Kundenberatungen gibt es in Schwerin, Rostock, Greifswald und Neubrandenburg sowie rund um die Uhr online, per Chat oder kostenfrei telefonisch unter 0800 / 285 85 85.

Die TK bietet ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte an. Versicherte können selbst entscheiden, ob sie darauf ihre Medikamente und Medikamentenpläne, Impfungen, Diagnosen und andere Daten speichern wollen und welche Ärzte darauf zugreifen dürfen.

Von Klaus Amberger

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Über den Autor/die Autorin:

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