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Jugendliche verhindern Suizid auf Bahngleisen: „Toll, dass man in dem Alter so reagiert“

Jugendliche verhindern Suizid auf Bahngleisen: „Toll, dass man in dem Alter so reagiert“
Foto:  Sebastian Rosenkötter

Ein 14- und ein 15-Jähriger verhindern in Schleswig-Holstein einen Suizid auf den Bahngleisen – jetzt gibt es viel Lob für ihr couragiertes handeln. Besonders zwei Personen sind mächtig stolz auf die Jugendlichen.


Thomas und David (14 und 15) haben nicht weggeschaut. Sie haben gehandelt, die Polizei gerufen und damit ein Menschenleben gerettet. Wie die beiden Jungen aus Neustadt in Schleswig Holsteineinen Selbstmord auf den Bahngleisen verhinderten, schilderten sie den „Lübecker Nachrichten“. Jetzt gibt es großes Lob für ihre Zivilcourage.

Thomas und David kennen sich seit Jahren. Sie haben zusammen Judo gemacht und Boxen im Verein. Mit ihren Rädern waren die Achtklässler der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule erstmals gemeinsam unterwegs. „Die sind eher selten draußen, spielen oft am Computer“, sagt Davids Papa Stjepan Jaković. Nicht so am 3. März. „Wir haben uns gegen 17.45 Uhr getroffen und waren bei McDonald’s. Auf dem Rückweg sei ihnen ein Mann entgegengekommen, der „komisch die Arme ausgestreckt hat“.

Polizei war schnell vor Ort

„Der ging auf uns zu. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er hat nichts gesagt und ist dann über den Zaun zu den Bahngleisen gesprungen“, schildert Thomas das Geschehen. Dort habe er sich auf die Gleise gelegt. „Wir haben ein bisschen gewartet und sind dann schnell zur Ameos-Pforte gefahren“, schildert David. Dann riefen sie die Polizei. „Sie hat uns am Telefon gefragt, ob der Mann noch da ist. Wir sind ganz schnell mit unseren Rädern zurück zu der Stelle gefahren und haben nachgeschaut“, sagt David. Währenddessen wurde der Zugverkehr sofort eingestellt.

Eine zufällig in der Nähe befindliche Streife war schnell vor Ort und kümmerte sich mit den Mitarbeitern des Rettungsdiensts um den Mann, der seine Suizidabsichten einräumte und anschließend in eine Klinik gebracht wurde. Eugen Wild, der Vater von Thomas, ist stolz auf die Reaktion seines Jungen. „Es ist toll, dass man in dem Alter so reagiert. Sie haben nicht nachgelassen und hatten den Mut die Polizeizu rufen. Sie haben verstanden, dass etwas nicht stimmt.“ Stjepan Jaković ergänzt, dass die Reaktion auch vorbildhaft für andere Kinder sein könnte.

Lobende Worte kommen auch von Frank-Ulrich Wiener, Regionalgeschäftsführer Ameos-Nord: „Die beiden Teenager haben durch ihr verantwortungsvolles und schnelles Handeln den Suizidversuch an der Bahnstrecke verhindern können. Dafür gilt ihnen, der Polizei und den Rettungsdiensten unser besonderer Dank.“ Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann lobt das umsichtige und verantwortungsvolle Handeln. „Sie haben damit ein Menschenleben gerettet. Es ist gut und wichtig, im täglichen Miteinander aufmerksam zu sein. Dieses haben die beiden Jungs eindrucksvoll bewiesen.“

Propst plädiert dafür, Menschen zu helfen

Dirk Süssenbach, einer von zwei Pröpsten in Ostholstein, betont, dass die Kirche durch ihre Notfallseelsorger eng mit Helfern der Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei zusammenarbeite. „Als für die Feuerwehr zuständiger Pastor freue ich mich persönlich sehr, wenn gerade junge Leute nicht wegsehen, sondern sich kümmern, wenn sie einen Menschen in einer Notsituation antreffen“, sagt Süssenbach. „Es gehört eine Menge Mut dazu, auch dann Hilfe zu holen, wenn eine Situation nicht ganz klar ist, wie es bei Menschen mit akuten psychischen Krisen oft der Fall ist.“ In solchen Fällen den Notruf zu wählen und zu warten, bis Rettungskräfte eintreffen, verdiene Respekt. „Und das gilt übrigens auch dann, wenn sich eine Situation später als harmlos herausstellt“, sagt der Propst.

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 – 111 0 111 (ev.)

0800 – 111 0 222 (rk.)

0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)

Email: unter www.telefonseelsorge.de

Von Sebastian Rosenkötter/RND

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