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Nebenjob in der Pandemie: Wo können junge Menschen noch arbeiten?

Nebenjob in der Pandemie: Wo können junge Menschen noch arbeiten?
Foto: Unsplash.com/ Brooke Cagle

Plötzlich ohne Nebenjob: Viele Menschen haben in der Corona-Pandemie ihre Arbeit verloren. Ohne Kinos, Restaurants oder Kneipen haben zahlreiche Studierende nun nicht nur finanzielle Probleme. Wo können junge Leute eigentlich noch arbeiten? Sechs Menschen erzählen.


Babysitting statt Kellnern

Madita (24) ist glücklich über ihren neuen Job.
Foto: privat

Die Gastronomie ist weitgehend geschlossen. Mein Nebenjob als Servicekraft fällt weg und damit auch das nötige Geld, um mir die Miete leisten zu können. „Flexible Arbeitszeiten, die brauch ich“, schoss es mir durch den Kopf, und ich reaktivierte mein Profil auf einer Babysitter-Plattform. Hier springen einem die Suchanzeigen nur so entgegen und spiegeln das wider, was seit Langem diskutiert wird: Eltern wissen nicht, wie sie neben dem Homeoffice ihre Kinder betreuen sollen. Ein paar Nachrichten später meldet sich Melanie mit drei kleinen Jungs bei mir. Beim Skypen hält jeder kurz sein Gesicht in die Kamera, und der Vater sagt mit einem Grinsen, ich sollte mir gut überlegen, ob ich mir die drei antun will. Wir reden und entdecken viele Gemeinsamkeiten.

Auch wenn es nur ein Job auf Zeit sein wird, ist es glücklicherweise einer, der mir wirklich Freude bereitet. Er wird sich nicht mit den AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) vereinbaren lassen, das ist mir klar. Deswegen werde ich privat keine anderen Kontakte haben. Aber das ist es mir wert. Denn es bezahlt mir nicht nur die Miete. muh

Vom Nachtclub ins Altenheim

Lena (27) finanziert mit ihrer Arbeit ihr Studium.
Foto: privat

Schon vor der Corona-Pandemie habe ich für eine Apotheke Medikamente sortiert. Dreimal pro Woche arbeite ich in drei verschiedenen Altenheimen und betreue die Stationen, auf denen die Dosetten für die Bewohner zusammengestellt werden. Die Apotheke, bei der ich arbeite, übernimmt das Sortieren der Medikamente für die Altenheime – und entlastet somit vor allem die Pflegekräfte in den Einrichtungen.

Dass ich Pflegern und Pflegerinnen einen Teil ihrer Arbeit abnehmen kann, finde ich sehr gut. Außerdem sind meine Arbeitsabäufe immer gut durchstrukturiert, das gefällt mir ebenfalls sehr. Dass ich auch während der Corona-Pandemie arbeiten kann, ist für mich sehr wichtig, denn ich bin auf meinen Job und die 450 Euro monatlich wirklich angewiesen.

Vor Corona habe ich zusätzlich noch in einem Nachtclub in der Stadt gejobbt. Wann der wieder öffnet und ob ich dann dort arbeiten kann, weiß ich noch nicht. Von meinem Chef habe ich seit mehr als einem Jahr nichts gehört, dabei bräuchte ich eigentlich beide Jobs, denn ich finanziere mit ihnen mein Studium. Aufgezeichnet von leo

Nebenjob: Absagen und keine Antworten

Emily (24) hat Probleme, einen Job zu finden.
Foto: privat

Meinen Job als Servicekraft habe ich schon zu Beginn der Corona-Pandemie verloren. Daher begann ich relativ schnell, in Internet-Suchmaschinen nach einem Nebenjob zu suchen, egal in welcher Branche. Doch auf viele Bewerbungen hagelte es entweder Absagen, oder ich erhielt gar keine Antwort. Auf einer Plattform wurde ich schließlich doch noch fündig und landete im Baumarkt an der Information. Aber auch da konnte mir kein langfristiger Job angeboten werden.

So erhielt ich wöchentlich neue Verträge und Arbeitszeiten. Ich räumte Regale im Supermarkt ein, während sich die Menschheit um Klopapier stritt, und verdiente deutlich mehr als in meinem bisherigen Gastrojob. Dann ebbte der Ansturm ab. Letztendlich landete ich als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft, das natürlich auch wieder schließen musste. Mit dem erneuten Jobverlust wird mir jetzt noch mein letztes Gehalt ausgezahlt, und ich bin wieder auf der Suche. Aufgezeichnet von muh

Medikamente bis zur Haustür

Farhoud (26) kann ganz normal weiterarbeiten.
Foto: privat

Ich bin sozusagen der Pizzalieferant, nur mit Medikamenten statt Pizza. Meinen Nebenjob bei der Apotheke habe ich bereits seit fünf Jahren, also seit ich mit meinem Studium angefangen habe. Dass ich aus der Stadt komme und mich bereits gut auskannte, war am Anfang ein großer Vorteil. Im Prinzip reicht es aber, über 18 Jahre alt zu sein und einen Führerschein zu haben.

An meinen Arbeitstagen fahre ich hauptsächlich Privatpersonen an. Ich selbst hole vorher die Medkamente bei ganz unterschiedlichen Apotheken in der Stadt ab. Dann bringe ich sie zu den Kundinnen und Kunden direkt nach Hause. So müssen sie nicht das Haus verlassen. Dass ich in meinem Job auch während der Corona-Pandemie arbeiten kann, ist ein großer Vorteil für mich – und ich weiß, dass ich viel Glück habe. Das Geld brauche ich dringend. Erst letztens ist mir so richtig bewusst geworden, dass ich ohne den Job wirklich große Probleme hätte. Aufgezeichnet von leo

Nebenjob per Videochat

Schülerin Marie (17) gibt Nachhilfe.
Foto: privat

Während der Pandemie hat sich viel geändert, aber manche meiner Routinen sind gleich geblieben: Freitags gebe ich Spanisch-Nachhilfe. Obwohl ich als Schülerin nicht auf das Geld angewiesen bin – wenn die Nachhilfe wegfallen würde, hätte ich zwar weniger Geld, aber keine ernsthaften Probleme – bin ich froh, weiterhin unterrichten zu können. Es gibt mir Struktur und Stabilität. Gerade jetzt, wo wenig so ist wie sonst, bin ich froh darüber, Nachhilfe geben zu können.

Am Anfang des Schuljahres haben meine Schülerin und ich noch alles wie gewohnt gemacht. Ich bin zu ihr nach Hause gefahren, habe allerdings einen Mund-Nasen-Schutz getragen. Inzwischen sind wir jedoch auf Onlinenachhilfe umgestiegen und treffen uns zweimal die Woche auf Zoom. Ich habe zwar das Gefühl, online nicht so gut erklären zu können wie in Person, und auch technisch gibt es manchmal Schwierigkeiten. Aber dafür ist es einfacher, flexibel zu sein: Dadurch, dass alles online stattfindet, kann ich eine Stunde Nachhilfe leichter in meinen Alltag integrieren, da der Fahrtweg wegfällt. Deshalb habe ich auch mehr Zeit zur Planung und Vorbereitung. mbr

Von der Hängematte zum Jobverlust

Eigentlich wollte ich länger in Kambodscha bleiben – doch dann durchkreuzte die Pandemie meine große Reise. Ich nahm einen Flug zurück in die Heimat – vor dem geplanten Ende meiner Asien-Reise. Tschüss, Hängematte und Sonnenbrille. Hallo, Masken, Isolation und Jobverlust.

Miriam (23) möchte anonym bleiben.
Foto: Unsplash.com

Ich bin ein Mensch, der ständig unterwegs ist. Rausgehen, Freunde treffen, studieren und arbeiten – das gehörte für mich immer dazu. Seit ich 17 Jahre alt bin, habe ich Nebenjobs und musste mir nie zu große Sorgen um Unternehmungen oder Miete machen. Ziemlich privilegiert, ich weiß. Nach meiner Ankunft in Deutschland war das anders. Das Reisen und der frühere Flug hatten viel Geld gekostet, mein Nebenjob im Veranstaltungsbereich wurde stillgelegt, und ich hatte das erste Mal ein großes Fragezeichen im Kopf.

Zum Glück hatte ich ein zweites Standbein: das Schreiben. Als freiberufliche Journalistin verfasse ich neben meinem Studium Texte und kriege dafür Geld. Wie sich gezeigt hat, geht das im Homeoffice genauso gut. Und durch die neu gewonnene Zeit habe ich noch einen Weg gefunden, Geld zu verdienen: Ich mache Kunst und verkaufe sie. Aufgezeichnet von nh


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