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Influencer in der Kritik: Jan Böhmermanns Beitrag ist wichtig

Influencer in der Kritik: Jan Böhmermanns Beitrag ist wichtig
Foto:  Sven Hoppe/dpa

Jan Böhmermann ist bekannt dafür, auch mal kritisch zu sein. In einem Beitrag seines ZDF Magazin Royal sprach er unlängst über ausgewanderte Influencer und Influencerinnen in Dubai und machte deutlich, wie problematisch das sein kann. Das zu thematisieren ist richtig. Ein Kommentar von MADS-Autorin Vanessa Gregor.


Es sieht aus wie Traumurlaub: Auf Fotos und Videos bei Instagram zeigen deutsche Influencer und Influencerinnen das Leben unter der Sonne Dubais. Auswandern ist die Devise mancher Webstars mit Millionen von Followern wie beispielsweise Simon Desue, Sarah Harrison oder Sami Slimani. Für sie ging es vom nasskalten Deutschland auf die arabische Halbinsel. Corona scheint dort nicht zu existieren, das Leben, von dem die Influencer und Influencerinnen berichten, wirkt unbeschwert. Aufgefallen ist das eben auch Jan Böhmermann. Unter dem Titel „Träume nicht dein Leben, sondern… zieh‘ nach Dubai“ nimmt er in zwanzig Minuten lang die Influencer und Influencerinnen in Dubai auseinander und erklärt, warum es problematisch ist, das Emirat so positiv anzupreisen, wie es Desue und Co. tun. Diese Kritik Böhmermanns an den Dubai-Influencern ist wichtig.

Böhmermann konzentriert sich auf Influencer in Dubai

Aber vorab: Ehrlich gesagt, Influencer und Influencerinnen dieser Art sind mir sonst ziemlich egal. Instagram und Youtube ist voll von vielseitigen Menschen, die großartigen, klugen Content liefern und auch mal Dinge hinterfragen – und selbst da folge ich noch zu vielen Profilen. Von fast allen dagegen, die Böhmermann in seinem Video erwähnt, habe ich bisher nur am Rande etwas gehört und gehe dem bewusst aus dem Weg. Nicht zuletzt aus genau den Gründen, die Böhmermann an den Influencern und Influencerinnen kritisiert.

Das sie allerdings Millionen von Followern haben, ist hinlänglich bekannt. Soll ja jeder das machen, was er mag. Doch: Wer sich während eine globalen Gesundheitskrise in einem Land mit zum Teil fragwürdiger Menschenrechtsauffassung „sorglos“ unter der Sonne räkelt und das als erstrebenswert anpreist, muss eben auch mit der Kritik leben. Hut ab vor dem Recherche-Team Bömermanns, das nicht die nur offensichtliche Problematik mit der Anpreisung Dubais hervorhebt, sondern auch hintergründige Abmachungen herausgefunden hat, von denen der normale Zuschauer noch nie etwas gehört hat. So zahlen die Influencer und Influencerinnen, die nach Dubai auswandern, kaum oder gar keine Steuern oder haben sogar eine staatliche Influencer-Lizenz. Mit der verpflichten sie sich allerdings im Gegenzug dazu, nur positiv über Dubai zu berichten. Das wiederum erklärt, warum so gar keine kritischen Worte der Influencer und Influencerinnen über ihre neue Heimat fallen, unterstreicht auch Böhmermann. Das ihnen das bekannt sein müsste, ist anzunehmen. Und macht mich wütend. Da scheint der Content, das Geld und das Image wichtiger als alles andere zu sein für Menschen, die durchaus auch als Vorbildfunktion agieren.

Mehr Sensibilität im Web wäre schön

Ja, von hier aus die Moralkeule zu schwingen ist einfach, keine Frage. Hinter allen kritisierten Influencer und Influencerinnen steckt schließlich am Ende auch nur ein Mensch, der Entscheidungen für sich und sein Leben treffen muss. Aber wer so viele junge Menschen erreicht, hat doch eigentlich die Chance, etwas zu verändern. Man könnte die Lebenssituation der weniger privilegierten Einwohner, der Frauen oder der politisch Verfolgten thematisieren. Stattdessen feiern sie das vermeintlich schönen Leben. Ist ja vertraglich so festgehalten – und kann sogar zu Problemen führen, wenn man sich nicht an Abmachungen hält, wie Böhmermann erklärt. Ist es das alles wirklich wert – für ein bisschen Sonne und Geld? Wie schön wäre da ein Umdenken. Vielleicht erreicht Böhmermanns Video den ein oder anderen – Influencer und Influencerinnen wie auch Follower. Es zeigt aber auch, wie wichtig es ist, Dinge zu hinterfragen. Auch wenn gerade vierzigtausend Leute das Foto aus dem Burj-Khalifa geliked haben.

Kommentar von Vanessa Gregor


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