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Hula-Hoop für Anfänger: So gelingt der Trendsport mit dem Reifen

Hula-Hoop für Anfänger: So gelingt der Trendsport mit dem Reifen
Foto: Ilona Hottmann

Hula-Hoop kennen viele noch aus der Grundschule, mittlerweile ist es eine Trendsportart. Doch klappt das auf Anhieb noch genauso gut wie früher, wenn seit dem letzten Versuch knapp 20 Jahre vergangen sind? MADS-Autorin Rabea hat den Selbstversuch gewagt.


Vor mir liegen etwa 20 knallbunte Reifen – große, kleine, dicke, dünne, gestreifte und einfarbige. Die Auswahl überfordert mich. Zum Glück kommt mir Roswitha „Rosi“ Völker zur Hilfe. Die 48-Jährige leitet jeden Mittwochabend den HulaFit- und den Hoopdance-Kurs beim VfL Eintracht in der Sporthalle der Leibnizschule in Hannover. Dieses Mal bin ich auch dabei. „Für HulaFit reicht ein leichter Reifen“, erklärt Rosi. „Auch die Größe ist wichtig. Der Reifen sollte ungefähr vom Boden bis zum Bauchnabel reichen.“ Sie gibt mir ein schwarz-grünes Exem­plar, das etwa 900 Gramm wiegt. Na dann mal los.

„Hula-Hoop ist ein super Einsteigersport“

Ich erinnere mich noch kurz an die Worte meiner Trainerin ein paar Minuten zuvor in der Umkleidekabine: „Hula-Hoop ist ein super Einsteigersport“, hatte sie gesagt, während sie die schillernden Reifen auspackte. „Die sehen doch toll aus, damit muss man einfach Spaß haben“, meinte sie und lachte. Nun, wenn ich mir Rosi jetzt so anschaue, wie sie inmitten der Gruppe fröhlich hin und her springt, ihren pinken Hoop dabei lässig auf der Hüfte schwingend, sieht das tatsächlich ziemlich spaßig aus. Ob ich das wohl hinbekomme?

Hula-Hoop-Trainerin Roswitha „Rosi“ Völker (links) zeigt mir, wie ich den Reifen richtig halte. Foto: Ilona Hottmann

Vor meinem inneren Auge sehe ich mich als Achtjährige mit einem Plastikreifen auf dem Schulhof stehen. Nichts leichter als das! Dreimal so alt in der Sporthalle des VfL Eintracht komme ich mir aber doch ein bisschen unbehaglich vor. Die anderen Teilnehmenden – darunter Jugendliche aus dem Sportverein und Erwachsene jeden Alters – sprechen mir Mut zu. „Ich habe das auch zuletzt in der Schule gemacht und bin heute zum dritten Mal dabei“, sagt eine Dame, die den Dreh offensichtlich raushat. „Das macht mir Mut“, antworte ich und will es probieren.

Das Motto der Stunde: Sprünge

Doch mein Körper hat keine Idee, was er tun muss. Rosi hilft mir: „Der Reifen liegt am unteren Rücken an, wir halten ihn waagerecht vor uns, die Handflächen zeigen nach oben.“ Dann holt Rosi mit den Armen Schwung und der Reifen fliegt um ihren Körper. Ich schwanke von links nach rechts – und lasse los. „Das klappt ja“, rufe ich ganz überrascht. Der Reifen schwingt tatsächlich um meine Hüften. Während ich mich ausbalanciere, denke ich, dass das ja gar nicht so schwer ist. Dann ist die andere Richtung dran. Lässig gebe ich Schwung – und der Hoop landet mit einem lauten Klatschen auf dem Boden. Rechtsherum klappt gar nichts. Während ich versuche, den Reifen auf der Hüfte zu halten, erklärt Rosi: „Die heutige Stunde steht unter dem Motto Sprünge.“ Wie bitte? Das kann ja heiter werden.

Wir bewegen uns zur Musik von Katy Perry, Bruno Mars und den Imagine Dragons, erst langsam, dann immer schneller. Allmählich komme ich ganz schön ins Schwitzen. Ein Blick auf die Uhr: Es sind gerade mal zehn Minuten vergangen. „Wenn der Körper die Bewegungen erst mal raushat, wird es immer leichter“, ruft mir Rosi von der Seite zu. Und tatsächlich: Nach einiger Zeit gewöhne ich mich an die Anspannung im Bauch und mir gelingen sogar ein paar Schritte nach vorn, zurück und zur Seite. Zumindest linksherum.

Trainerin Rosi führt die Sprünge und rhythmischen Bewegungen zur Musik vor. Bei ihr sieht alles ganz einfach aus. Foto: Ilona Hottmann

Beim Hula-Hoop ist Multitasking gefragt

Zwischendurch gönnt Rosi uns Teilnehmenden kleine Verschnaufpausen – für den Bauch. Denn es sind Kniebeugen, Ausfallschritte und Dehnübungen an der Reihe. Der Reifen wird dabei „off-body“ gehalten, schwingt also nicht direkt am Körper. Bei Ausfallschritten halten wir ihn beispielsweise mit beiden Händen über dem Kopf – ganz schön anstrengend. Gegen Ende der Stunde geben wir noch einmal richtig Gas. „Und jetzt so schnell ihr könnt“, ruft Rosi und tanzt mit dem fliegenden Hoop ausgelassen zu Britney Spears‘ „Baby One More Time“. Ein paar Reifen landen auf dem Boden, doch die Teilnehmenden haben sichtlich Spaß. Ich schaffe mittlerweile sogar ein paar Hüpfer, obwohl meine Bauchmuskeln schon streiken wollen.

Hula-Hoop ist eine Mischung aus Anspannung und Lockerlassen. Dabei ist Multitasking gefragt, denn Spannung halten, Hüfte bewegen und zugleich Luft holen ist gar nicht so einfach. Nun wird mir auch klar, was Rosi meinte, als sie mir vor der Stunde von ihrer Leidenschaft für Hula-Hoop erzählte. „Für mich ist das ein Energielieferant und ein Ausgleichsfaktor“, hatte sie gesagt. „Wenn ich erschöpft und gestresst bin und einen Hoop in die Hand nehme, habe ich hinterher ein Lächeln im Gesicht.“ So ein Gefühl macht sich nun auch bei mir breit. Ich bin zwar ausgepowert, aber ganz zufrieden.

Das ist Hula-Hoop

Weltweite Beliebtheit erlangte die Geschicklichkeitsübung, einen Reifen um den Bauch kreisen zu lassen, im Jahr 1958, als der kalifornische Spielzeughersteller Wham-O Corp mehrere Millionen Kunststoffreifen mit dem Namen Hula-Hoop auf den Markt brachte. „Hula“ steht für einen hawaiianischen Tanz und „Hoop“ für den Reifen.

Der Trend kam damals auch in Deutschland und vielen anderen Ländern gut an. Zuletzt war die Sportdisziplin vor allem als Kinderspiel bekannt. Mit der Corona-Pandemie wurde Hula-Hoop aber wieder zum Trend für alle. Abnehmen, Muskeltraining, Ausgleich zum Home office – die Gründe sind vielfältig.

Dabei kann Hula-Hoop noch mehr sein, als nur die Hüften vor dem Fernseher zu kreisen. Beim HulaFit geht es darum, den gesamten Körper auszupowern und die Muskulatur zu stärken. Hoopdancing gehört zu den Flow Arts, bei denen sich die Tänzerinnen und Tänzer durch rhythmische Bewegungen zur Musik in einen tranceähnlichen Zustand versetzen. Mit ein wenig Kreativität lassen sich die Bewegungsabläufe beliebig erweitern.

Weiter geht’s mit Tricks beim Hoopdance

Doch das Training ist für mich noch nicht vorbei. Die HulaFit-Teilnehmer packen gerade ihre Sachen, ich atme durch, da warten schon die Hoopdancer auf den nächsten Kurs. „HulaFit ist die Basis“, sagt Rosi. „Und dann fängt man an, Tricks zu machen.“ Auf geht’s also. Zum Glück sind auch ein paar Anfänger dabei, die genauso wenig können wie ich. Rosi zeigt uns Moves wie den Orbit, bei dem man den Reifen off-body um den Körper kreisen lässt. Außerdem lernen wir, wie man ihn um die Hand und über dem Kopf schwingt. Später bringen wir die Abläufe dann zusammen – oder versuchen es zumindest. Anders als ich erwartet hatte, erfordern die Hoopdance-Moves mehr Konzentration als körperliche Anstrengung. „Man muss die Tricks erst mal lernen. Je mehr Tricks man kann, desto freier kann man tanzen“, erklärt Rosi und ich glaube ihr sofort, während sie sich rhythmisch zur Musik bewegt.

Beim HulaFit und Hoopdancing kann der Reifen auch off-body eingesetzt werden. Foto: Ilona Hottmann

Schließlich bin ich erschöpft bis in die Zehenspitzen. Weiter üben würde ich aber trotzdem gern, vielleicht sogar zu Hause. Doch wo bekomme ich einen passenden Reifen her? Rosi, die ihre Hoops größtenteils selbst gebaut hat, gibt mir noch einen Tipp mit auf den Weg. „Man kann eigentlich nie genug Reifen haben, denn es gibt nicht den einen für alles.“ Auf der Suche nach einem Einsteigermodell sollte ich mich am besten in einem Hula-Hoop-Shop beraten lassen. Das nehme ich mir vor – nachdem ich meinen Muskelkater auskuriert habe.

Rosis Hoopdancing-Tricks gibt es auch auf Instagram

Wer HulaFit und Hoopdance auch mal ausprobieren möchte, kann Rosi auf Instagram unter @rosipeoples folgen. Dort zeigt sie viele Tricks und Tänze zur Musik. Informationen zum HulaFit- und Hoopdance-Kurs beim VfL Eintracht Hannover gibt es hier online.

Von Rabea Osol


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Über den Autor/die Autorin:

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