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FDP und Grüne: Wie lassen sich die Wünsche junger Wähler vereinen?

FDP und Grüne: Wie lassen sich die Wünsche junger Wähler vereinen?
Foto: dpa/FDP Sachsen

FDP und Grüne haben bei der Bundestagswahl 2021 viele junge Menschen überzeugt – nun sollen sie zusammen regieren. Philipp Hartewig (26) von der FDP erzählt im MADS-Interview, was beide Parteien miteinander verbindet.


Philipp Hartewig hat sei knapp zwei Wochen einen neuen Arbeitsplatz im Herzen der Hauptstadt, direkt an der Spree. Der 26-jährige Jurist aus dem Wahlkreis Mittelsachsen ist über einen Listenplatz zum Bundestagsabgeordneten für die FDP gewählt worden und darf somit künftig bei der Bundespolitik in Berlin mitmischen. Unter seinen heimischen Wählerinnen und Wählern sind viele Schülerinnen, Schüler und Studierende – das zeigen etliche Zuschriften. „Ich war überrascht und habe mich sehr über den Zuspruch gefreut“, sagt Hartewig.

Junge Menschen wollen Veränderung

Dass die FDP nicht nur in Mittelsachsen gut bei der jungen Generation ankommt, belegt das Ergebnis der Bundestagswahl. So setzten laut dem Wahlforschungsinstitut Infratest dimap 23 Prozent der Erstwählerinnen und Erstwähler ihr Kreuz bei der FDP. Selbes gilt auch für die Grünen. Mit weitem Abstand folgt die SPD mit 15 Prozent auf Platz drei.

Insgesamt erreichte die FDP 11,5 Prozent bei der Bundestagswahl, die Grünen schafften 14,8 Prozent. Damit sind die Chancen auf ein Regierungsbündnis mit FDP und Grünen hoch. Philipp Hartewig ist sich sicher: „Das Ergebnis zeigt, dass nach den trägen Jahren der Großen Koalition ein Aufbruch gewollt ist.“ Die junge Generation fordere in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz und Selbstbestimmung entschlossen Fortschritte ein. FDP und Grüne sollten sich dieser hohen Erwartungen unbedingt bewusst sein und viel Wert auf Generationengerechtigkeit legen, meint der junge Politiker.

Können sich FDP und Grüne einig werden?

Allerdings erhält die FDP immer wieder Kritik für ihren Kurs in der Klimapolitik – ein Thema, für das sich die Grünen ganz besonders stark einsetzen und das gerade vielen jungen Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist. Der Ansatz der FDP, auf Innovation und Wettbewerb zu setzen, um Klimaschutz zu etablieren, wurde immer wieder als ineffektiv bewertet. Auch sieht die FDP in ihrem Wahlprogramm eine Klimaneutralität in Deutschland erst bis 2050 vor, die Grünen wollen dieses Ziel immerhin bis 2041 erreichen. Können sich die beiden Parteien in solch einem existenziellen Thema einig werden?

Gleiche Ziele, andere Ansätze

Hartewig sieht die Differenzen nicht so problematisch. „Viele Ziele sind ja schon dieselben“, sagt er. Zum Beispiel seien sich beide Parteien darin einig, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Auch in Hinblick auf Digitalisierung, Bildung und Gleichstellungsthemen verfolgten beide einen ganz ähnlichen Kurs. Lediglich die Ansätze unterschieden sich. „Da kann man auf jeden Fall Lösungen finden“, sagt der Abgeordnete entschlossen. Und wo es Differenzen gibt, da müsse man eben verhandeln. Wichtig sei, dass alle Parteien offen gegenüber neuen Technologien blieben, denn: „Die Generationenaufgabe Klimaschutz erfordert große Lösungen. Die werden von Ingenieuren und Technikern entwickelt.“

Einziger Nicht-AfD-Abgeordneter aus Mittelsachsen

Hartewig ist der einzige Abgeordnete aus der Region, der nicht für die AfD in den Bundestag einzieht. Die Partei erhielt bei der Bundestagswahl in Mittelsachsen mit 30 Prozent den größten Zweitstimmenanteil. „Ich möchte dieser Partei nicht die Deutungshoheit über die Belange des Wahlkreises überlassen“, sagt der 26-Jährige.

Seine Leidenschaft für politisches Engagement entdeckte Hartewig, der in Leipzig und Prag Jura studierte, schon während seiner Jugend. „Über die Schülervertretung und ehrenamtliche Mitwirkungs-Schulungen von Jugendlichen habe ich früh erlebt, wie es möglich ist, aktiv in gesellschaftlichen Prozessen zu gestalten“, erzählt der gebürtige Chemnitzer. Mit 15 Jahren trat er den Jungen Liberalen bei und wenig später der FDP. Seit 2015 gehört der junge Politiker dem Landesparteivorstand in Sachsen an. 2019 wurde er stellvertretender Landesvorsitzender.

Philipp Hartewig (26) ist FDP-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Mittelsachsen. Als junger Vertreter des Volkes möchte sich der Jurist insbesondere für Themen im Bereich Sport einsetzen. Foto: FDP Sachsen

Appell an junge Menschen: „Es ist unsere Zukunft“

Hartewig hat schon einige Vorstellungen für seine Arbeit im Bundestag. „Primär möchte ich fachpolitisch an Themen rund um den Sport arbeiten“, sagt er. „Sport muss mehr Gewicht in politischen Entscheidungen bekommen, denn er ist von großer Bedeutung für das Wohlbefinden der Menschen und die Entwicklung von Regionen.“ Auch in seiner Heimat setzt sich Hartewig seit Jahren für das Thema ein. So wurde er 2019 zum Vorsitzenden der Kreissportjugend und zum Vize-Präsidenten des Kreissportbunds Mittelsachsen gewählt.

Andere junge Menschen möchte der 26-Jährige zu politischem Engagement ermutigen. „Es ist vor allem unsere Zukunft“, betont er, „Denn wir werden noch Jahrzehnte mit den Folgen der Herausforderungen umgehen müssen, deren Weichen heute gestellt werden.“

Von Rabea Osol


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Über den Autor/die Autorin:

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