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Fazit der ersten Schul-Woche in MV: „Das Arbeiten in kleinen Gruppen ist intensiv“

Fazit der ersten Schul-Woche in MV: „Das Arbeiten in kleinen Gruppen ist intensiv“
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Jahn möchte Maschinenführer werden, Lara Erzieherin, Lana wird ans Gymnasium gehen, Ben beginnt bald eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, Hannah zur medizinischen Fachangestellten und Laura-Sophie dient bald bei der Bundeswehr als Sanitätssoldatin.

Die sechs Schüler aus der 10. Klasse der Regionalen Schule in Dassow bei Grevesmühlen starten am 11. Mai ihre Abschlussprüfungen, mit Deutsch geht’s los. Deshalb gehören sie zu den ersten Schülern, die seit Beginn der Woche wieder in ihre Schule dürfen.

„Die Masken sind scheiße“

Die Jugendlichen kommen zur Hofpause an die Luft, nehmen ihren Mundschutz ab. „Wenn wir enger zusammenstehen wollen, müssen wir auch auf dem Hof die Masken tragen“, erläutert Jahn. Auch im Schulgebäude gibt es eine Maskenpflicht. „Im Unterricht tragen wir sie nicht.“ Dort sitzen die jungen Leute weit genug auseinander.

„Die Masken sind scheiße“, sagt der 16-Jährige und isst von seinem Pausenbrot. Ben bringt das anders auf den Punkt: „Man bekommt schlecht Luft unter der Maske – und wenn man sie länger trägt, wird es zu warm.“ Hannah meint, dass die ersten Tage in der Schule ungewohnt sind. „Die Hygieneregeln, Abstand halten und so weiter“, sagt sie.

Homeschooling war entspannter“

Die Abschlussklassen werden derzeit nur noch in den Hauptfächern unterrichtet: Deutsch, Mathe, Englisch. Intensive Stoff-Wiederholungen in kleinen Gruppen. Homeschooling sei da entspannter gewesen, verrät Jahn lächelnd. Lange zocken, spät aufstehen. Die Jungs geben sich cool und meinen, dass sie die Prüfungen bewältigen.

Laura-Sophie ist skeptischer: „Ich habe Sorge, dass ich nicht alles kann.“ Und was ist mit dem Abschlussfest? „Wir machen unser eigenes, kleines. Vielleicht am Strand“, ruft irgendjemand. Dann setzen alle wieder ihre Masken auf, die kleine Gruppe muss ins Schulgebäude. In Dassow beginnt gleich die nächste Stunde.

„Wir sind alle gekommen, obwohl es freiwillig ist“

In Prerow stehen Paul und Chris auf dem Hof der Freien Schule. Beide gehen in die 11. Klasse. Dieser Klassenstufe wird ermöglicht, (freiwillig) Konsultationen wahrzunehmen. „Wir sind alle gekommen, obwohl es freiwillig ist“, sagt der 17-jährige Paul. „Uns fehlte die Gemeinschaft.“ Zwar sei er gut klargekommen in der Zeit, in der die Schule nur zu Hause stattfand, aber die Leute live zu sehen, sei etwas anderes.

Auch der 19-jährige Chris meint, dass die Freunde gefehlt hätten. „Man will nicht immer nur die Eltern sehen, auch wenn die auch Spaß machen“, so Chris. Als Ausgleich sei er in den vergangenen Wochen viel durch die Wälder gegangen, denn „ich fotografiere gern die Natur“.

„Es war eine Freude, endlich unsere Schüler zu sehen“

Genauso gefreut hat sich Gerald Schaarschmidt, Schulleiter der Freien Schule in Prerow und Lehrer für Deutsch, Englisch und Philosophie. „Es war eine Freude, endlich wieder einen Teil unserer Schüler zu sehen“, sagt er. Auch die Kollegen hätten aufgeatmet. „Die vergangenen Wochen waren anstrengend, auch weil niemand sagen konnte, wann es wie weitergeht.“

Nun sind schon mal rund 60 Schüler wieder in der Schule (von gut 500 Kindern und Jugendlichen). Endlich wieder ein klein bisschen Unruhe. „Wir bereiten zum zehnten Mal an unserer Schule Abiturienten auf ihren Abschluss vor“, sagt der Leiter. Den Rahmen hatte man sich in Prerow, wie an allen anderen Schulen ebenso, ursprünglich anders vorgestellt. Nun gibt es keinen Abiball; und eine Zeugnisübergabe gibt’s nur im kleinen Rahmen.

„Ohne Schule ist es langweilig“

In der Bernsteinschule in Ribnitz-Damgarten steht die Lehrerin Corinna Praechter vor fünf Schülern der 10. Klasse. Sie sitzen sehr weit auseinander, als ob sie sich nicht leiden könnten. Aber es sind die Abstände, die jetzt vorgeschrieben sind. Stichwort Hygienekonzept.

Erster Schultag nach dem Shutdown für die Klasse 10, Bernsteinschule Ribnitz-Damgarten, Lukas Hunsemann, Jasmin Winokuroff, Julius Schönrock, Lehrerin Corinna Praechter, Lea Maletz, und Lauren Buse (v. li.) , Mads, Medien an der Schule

Lukas sagt: „Die ersten Tage ohne Schule waren gut, aber dann wurde es langweilig.“ Lea meint, dass sie jetzt wieder gern zur Schule gehe. „Allerdings muss ich jetzt wieder viel früher aufstehen.“ Lukas berichtet, dass er irgendwann die Nase vom Zocken voll hatte. „Mir haben die Freunde und Kumpels gefehlt“, sagt er. Jasmin ergänzt: „Ohne Schule ist es langweilig.“

Nun haben sie Masken von der Schule bekommen und werden gezielt auf die Prüfungen vorbereitet. „Das Arbeiten in kleinen Gruppen ist intensiv, jeder kommt dauernd dran, niemand kann sich wie in einer großen Klasse verstecken“, sagt Lehrerin Corinna Praechter. Ihre Truppe lächelt. Für sie ist das anstrengend. Wer mag das schon mit 16? Aber sie wissen, dass sie es so schaffen.

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Von Klaus Amberger

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