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„Eden Tomorrow“: Dieses VR-Spiel wurde in Hannover entwickelt

„Eden Tomorrow“: Dieses VR-Spiel wurde in Hannover entwickelt
Foto: Eden Tomorrow

„Das ist die Zukunft“, dacht Frank Sennholz, als er zum ersten Mal in die virtuelle Realität eintauchte. Dann wurde es seine Zukunft. Drei Jahre lang hat er mit seiner Firma Soulpics an „Eden Tomorrow“ gearbeitet. Jetzt kann man das Spiel auf der Playstation 4 von Sony spielen.


Als ihm im Jahr 2014 die erste VR-Brille geliefert wurde, hat Frank Sennholz sie heimlich ausprobiert. Die Kollegen im Nebenraum sollten nicht mitbekommen, was er sich da über die Augen stülpte und wie er sich daraufhin bewegte. Er setzte sich das Headset von Oculus Rift auf und tauchte in die virtuelle Welt auf den Bildschirmen vor seinen Augen ein. Die Bilder, die er sah, veränderten sich je nachdem, wie er seinen Kopf bewegte. So etwas hatte es zuvor für Normalverbraucher nicht gegeben. Frank Sennholz, Inhaber der Firma Soulpix, die Animationsfilme und Spezialeffekte im Angebot hat, war begeistert: „Das war das Großartigste, was ich je gesehen habe“, sagte er bei einer Veranstaltung der Nordmedia, die das Projekt, das aus dieser intensiven Begegnung mit der virtuellen Realität entstehen sollte mit insgesamt 160.000 Euro unterstützt hat.

Als Frank Sennholz in die virtuelle Realität von Oculus Rift eintauchte, wusste er: „Das ist die Zukunft“. Und weil das Erlebnis so intensiv war, hat er mit dem Handy gefilmt, was passierte, als seine Mitarbeiter später auch die Brille ausprobierten. „Hammer!“, „Cool“, „Boah“, „Alter, das ist unglaublich“, „Ich fass’ es nicht“ und Ähnliches riefen sie immer wieder, als sie mit der Oculus Rift am Schreibtisch sitzend über einen schmalen Balken in beachtlicher Höhe balancierten.

Entdecken fremden Wirklichkeit

Die Reaktionen seiner Mitarbeiter bestärkten Frank Sennholz in seinem Plan, alle anderen Projekte seiner Firma zu stoppen und ein neues Projekt in Angriff zu nehmen: die Entwicklung eines Spiels für diese neue Virtuelle Realität. So entstand in den Räumen von Soulpix in einem Altbau an der Bödeckerstraße „Eden Tomorrow“, ein Spiel, das die Besucher mit auf einen fremden Planeten nimmt, wo es Höhlen und merkwürdige Maschinen gibt und wo allerlei Monster lauern. Alles dreidimensional, alles abgestimmt auf die Kopfbewegungen des Spielers. Ein Ballerspiel ist „Eden Tomorrow“ nicht – es geht eher um das Entdecken einer fremden Wirklichkeit.

Frank Sennholz und seine Mitarbeiter stellten eine Art Demoversion des geplanten Spiels her. „Wir kommen aus einem Animationsstudio, wir wissen, wie man etwas schnell gut aussehen lassen kann“, sagt Spielemacher Sennholz. Und der Entwurf sah gut aus. Was Folgen hatte: 2015 erreichte ihn eines Abends ein Anruf, bei dem jeder Spielentwickler nervös werden würde: Jemand von Sony aus Londonwar dran. Man wollte ein Treffen. Sennholz engagierte einen Experten für solche Verhandlungen und reiste nach London. Das Gespräch fand in der Sony-Kantine („coole Location“ sagt Sennholz) statt. Man wurde handelseinig: Sony wollte die Neulinge bei der Entwicklung ihres ersten Spiels unterstützen. „Eden Tomorrow“ sollte auf der Play Station 4 laufen.

Frank Sennholz engagierte ein paar neue Mitarbeiter und machte sich ans Werk. Drei Jahre dauerte die Arbeit an dem Spiel. „Das waren die drei schwierigsten Jahre meines Lebens“, sagt Sennholz jetzt. Das Problem: Er hatte keine Erfahrung in der Gestaltung von Szenen in der dreidimensionalen virtuellen Welt. Bei Animationsfilmen reicht es, alles, was man zeigen will, von der Seite zu zeigen, die der Betrachter sieht. Was dahinter ist, ist egal. In der virtuellen Realität, in der sich die Spieler mit einer VR-Brille über dem Kopf frei durch alle Szenen bewegen kann, müssen Objekte jetzt auch von der Seite und von hinten betrachtet werden können.

Oliver Kalkofe als Drohne

Anders als bei vielen anderen Spielen gibt es bei „Eden Tomorrow“ keine Gewalt, keine Waffen und keine Erotik. Aufgabe der Spieler ist es, mit einem gestrandeten Astronauten einen Ausweg aus dem Höhlenlabyrinth des fremden Planeten zu finden. Eine Drohne (der Oliver Kalkofe seine Stimme geliehen hat) spielt dabei auch eine wichtige (und witzige) Rolle.

Das Spiel strebt nicht nur optische, sondern auch akustische Überwältigung an. Das Abenteuer auf dem fremden Planeten ist mit Streicherklängen (komponiert von Dirk Ehlert) unterlegt, die von einem Streichquartett erzeugt wurden, sich aber nach anderthalb Symphonieorchestern anhören. „Ich wollte es fett“, sagt Spielmacher Sennholz.

Das ist ihm gelungen.

„Eden Tomorrow“ gibt es zum Preis von 19,99 Euro im Playstation-Store.

Von Ronald Meyer-Arlt

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