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„Dumbo“: Deshalb ist das Remake nicht besser als das Original

„Dumbo“: Deshalb ist das Remake nicht besser als das Original
Foto: Disney

Tim Burton verfilmt Disney: Seine exzentrische Qualität lässt der Regisseur in „Dumbo“ (Kinostart: 28. März) aber vermissen.


Mit ruhiger Beharrlichkeit beutet der Disney-Konzern das eigene Filmerbe aus. Die unendlichen Möglichkeiten digitaler Bildproduktion haben neue Verwertungsmöglichkeiten eröffnet, und so wurde in den vergangenen Jahren ein Zeichentrick-Klassiker nach dem anderen als Realfilm-Remake auf den Markt gebracht. „Echte“ sprechende Tiere, sind heute kein Problem mehr, wie Jon Favreaus „Dschungelbuch“-Adaption (2016) gezeigt hat. Die fantastischen Märchen- und Zauberwelten von „Alice im Wunderland“ (2010), „Cinderella“ (2015) und „Die Schöne und das Biest“ lassen sich mit fotorealistischer Präzision überzeugend zusammenpixeln.

Das Gleiche gilt für jenen fliegenden Elefanten, der bereits 1941 als gezeichnete Trickfilm-Figur in „Dumbo“ hoch oben unter der Zirkuskuppel kreiste. Mit der Realfilmadaption wurde Tim Burton betraut, der schon „Alice im Wunderland“ zu neuen kommerziellen Erfolgen verholfen hat. Burton und sein Drehbuchautor Ehren Kruger strecken das einstündige Original auf epische 130 Kinominuten, verlassen die Erzählperspektive des Elefantenbabys und bauen die menschlichen Charaktere zu dominierenden Handlungsträgern aus.

Schlechte Zeiten für einen Wanderzirkus

Als der Reitakrobat Holt Farrier (Colin Farrell) 1919 aus dem Ersten Weltkrieg zum Zirkus Medici zurückkehrt, hat er seinen linken Arm auf dem Schlachtfeld und die geliebte Frau an die Spanische Grippe verloren. Mehr schlecht als recht versucht er, für seine Kinder Milli (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) familiäre Normalität herzustellen. Aber die Zeiten sind schlecht für den Wanderzirkus.

Direktor Medici (Danny DeVito) setzt all seine Hoffnungen auf eine schwangere Elefantin als Attraktion. Das Baby kommt allerdings mit riesigen Schlappohren zur Welt, und die Zuschauer machen sich über das missgebildete Tier lustig. Bald stellt sich jedoch heraus, dass Dumbo mit seinen riesigen Ohren fliegen kann. Damit wird das Interesse des zwielichtigen Geschäftsmannes V. A. Vandevere (Michael Keaton) geweckt, der in New York einen gigantischen Vergnügungspark namens „Dreamland“ betreibt.

Überbordende Freude am Detail

Natürlich ist die Zirkuswelt wie gemacht für einen Regisseur wie Tim Burton, der sich stets mit überbordender Detailfreude der Ausgestaltung seiner Settings widmet. Gelungen ist das Design der konträren Welten des chaotischen Wanderzirkus’ und der gigantischen Entertainment-Landschaft von „Dreamland“. Hier wurde nicht an digitaler Speicherkapazität und expressiven Gestaltungswillen gespart. Auch an der kugelrunden, vitalen Präsenz von Danny DeVito als beherztem Zirkusdirektor und an Michael Keatons schillerndem Schurkencharme kann man sich erfreuen.

Die Geschichte jedoch setzt in ihrem dramaturgischen Aufbau wenige Überraschungseffekte frei. Auch die Inklusionsbotschaft – dem fliegenden Elefanten wird gesellschaftliche Anerkennung verschafft – wirkt unausgegoren. Im Herzen ist „Dumbo“ eben eher ein Disney- als ein Burton-Film. Die exzentrische Kreativität, die viele Arbeiten Burtons auszeichnen, dienen hier dekorativen Zwecken.

Von Martin Schwickert / RND


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