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Die Hassrede von Serdar Somuncu: Darf er das?

Die Hassrede von Serdar Somuncu: Darf er das?
Foto: dpa/Felix Kästle

Er nutzt das N-Wort, wettert gegen Kolumnistinnen und setzt dabei vor allem auf sexistische Hassrede: Serdar Somuncu hat eine Figur kreiert, die jeden und alles beleidigt. Dabei folgt er stets dem Motto: Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung. Für diese Einstellung erntet der Satiriker nun jede Menge Hass im Netz – zu Recht? Ein Kommentar.


Die Frage, was Satire darf und was nicht, stellt sich immer wieder. Zuletzt diskutierten Twitter-User über die Äußerungen von Serdar Somuncu im RBB-Podcast. Darin hatte der Kabarettist unter anderem das N-Wort gesagt und sich mehrfach sexistisch über Kolumnistinnen geäußert. Ein User hatte den zweiminütigen vulgären Beitrag aus dem dreistündigen Podcast ausgeschnitten und auf Twitter gepostet. Die Folge: Ein Shitstorm entfachte und Somuncu wurden Rassismus und Sexismus vorgeworfen.

Um die Frage zu klären, wie gerechtfertigt Somuncus Hassrede ist, muss man sich zunächst die Frage stellen: Was ist Satire überhaupt? Der Duden erklärt Satire als „Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.“ Nach dieser Erläuterung könnte man annehmen, Satire sei schlicht nichts für Zartbesaitete. Ähnlich argumentieren viele Fans Somuncus. Satire sei nun einmal schonungslos, damit müsse man zurechtkommen. Doch so einfach kann die Antwort auf das Hinterfragen einer Kunstrichtung nicht sein. So kritisiert Autorin und Kolumnistin Jasmina Kuhnke (@Quattromilf) vor allem die fehlende Bemühung von Satire und Comedy, sich weiterzuentwickeln.

Mittlerweile hat sich auch der Satiriker, der selbst einen Migrationshintergrund hat, zu Wort gemeldet und erklärt, wie seine hetzende, beleidigende und hassende Figur entstand: „Ich wollte nicht mehr nur das Opfer sein“, sagt Somuncu im Interview mit Radioeins, das seinen umstrittenen Podcast veröffentlichte. „Ich wollte auch in die Täterrolle schlüpfen können. Irgendwann habe ich dann angefangen, selbst zu beleidigen und diese Schuld des Täterseins auf mich zu nehmen. Mit einer bewussten künstlerischen Absicht.“

Serdar Somuncu engagiert sich gegen Rassismus und Hass

Somuncus berufliche Vergangenheit zeigt zudem sein intensives Engagement gegen Rassismus, Hass und Hetze. Doch rechtfertigt die eigentliche Intention die Aussprache des N-Wortes? Mittlerweile haben sich bereits mehrere schwarze Aktivistinnen wie Kuhnke oder Aminata Belli zum Auftritt des Satirikers geäußert. So schrieb Belli in ihrer Instagram-Story: „Vielleicht ist Satire wie ein alter weißer Mann. Ja, Satire früher durftest du alles. Jetzt ist aber 2020 und wir passen uns jetzt mal bisschen an, okay?“.

Wenn Satire die Gefühle derjenigen verletzt, für die sie sich eigentlich stark machen möchte – dann sollte man ihre Anwendung wohl als gescheitert begreifen. Das heißt nicht, dass die Welle des Hasses, die der Satiriker auf Twitter erfuhr, gerechtfertigt ist. Denn letztlich sind die Kritiker des Podcast-Ausschnitts an einem ähnlichen Ziel interessiert, wie Somuncu selbst: nämlich Rassismus zu bekämpfen. Statt den Künstler daher zu beleidigen, lohnt sich eine generelle Debatte darüber, wie sich Satire weiterentwickeln sollte, um ihr eigentliches Ziel zu erreichen.

Von Nina Hoffmann


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Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (24) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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